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Täter passen nicht ins Bild Erinnerungsdiskurse in Ungarn und Österreich Das von der schwarzblauen Regierung ausgerufene "Gedankenjahr" 2005 geht seinem Ende zu und wird seinen letzten Höhepunkt in der Begehung des Nationalfeiertags am 26. Oktober finden. Was sich in diesem Jahr als neue Gedenkkultur herauskristallisiert hat, war geprägt von einer Vorwärtsgewandtheit, die so tut, als könnte das ehemalige Naziland Österreich seine verbrecherische Vergangenheit zur abgeschlossenen Geschichte erklären – Zeitgeschichte wäre demzufolge nun die Geschichte der 2. Republik, die auch ohne Nationalsozialismus gedacht werden könne. Soweit der vielfach erkennbare Wunsch, der auch in dem am 7. Juli im Parlament beschlossenen "NS-Anerkennungsgesetz" durchschimmert. Denn damit wird eine enorme Relativierung des Opferbegriffs vorgenommen, indem z.B. Homosexuelle und Wehrmachtsdeserteure gemeinsam mit den so genannten Trümmerfrauen "anerkannt" werden. Es gab jedoch während dieses Jahres auch zahlreiche Veranstaltungen, wo engagierte WissenschafterInnen und AktivistInnen es genauer wissen wollten: Was wird gefeiert und was nicht? So auch die Zentrale Forschungsstelle Nachkriegsjustiz, die am 17. August den Jahrestag des ersten Urteils eines österreichischen Volksgerichts zum Anlass für ein Symposion nahm "Vor 60 Jahren. Im Namen der Republik. Der erste Prozess wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen an ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern in Österreich". Ende November 1944 richteten die nationalsozialistischen Behörden neben unzähligen anderen Lagern an der östlichen Grenze der "Ostmark" ein Lager in Engerau (heute Petrzalka/Bratislava) ein, in dem an die 2.000 ungarischen Juden Sklavenarbeit in Form von Schanzarbeiten beim Bau des so genannten "Südostwalles" leisten mussten. Bereits bis zur Evakuierung des Lagers vor der heranrückenden sowjetischen Armee Ende März 1945 kamen Hunderte ungarische Juden aufgrund der unvorstellbaren hygienischen Bedingungen und aufgrund von Misshandlungen ums Leben oder wurden von der österreichischen Wachmannschaft ermordet, mehr als hundert Personen mussten auf dem "Todesmarsch" von Engerau über Hainburg nach Bad Deutsch-Altenburg und weiter auf dem Schiffstransport in das KZ Mauthausen ihr Leben lassen. Zwischen 1945 und 1954 fanden vor dem Landesgericht Wien als Volksgericht gegen mehr als 70 der für die Verbrechen verantwortlichen österreichischen SA-Männer und politischen Leiter insgesamt 6 Prozesse statt. 9 der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet, ein Angeklagter erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Mit der Initiatorin des Symposions, Claudia Kuretsidis-Haider, sprachen wir über Aspekte der österreichischen Nachkriegsjustiz. Von 27. bis 29. Mai veranstaltete der Gedenkdienst die internationale wissenschaftliche Tagung "Gedächtniskultur in der Zweiten Republik", bei der auch Erinnerungskulturen in unseren östlichen Nachbarländern, darunter auch Ungarn, beleuchtet wurden. Der nunmehr in der Zeitschrift des Gedenkdienstes erschienene Beitrag des ungarischen Historikers Szabolz Szita stellt nicht nur deshalb eine Verbindung zum Gespräch mit Claudia Kuretsidis-Haider dar, weil die Opfer jener Verbrechen, bei denen es in den Engerauer Prozessen ging, ungarische Juden waren. Auch die Beschreibung mancher Diskurse im Nachkriegsungarn erinnern trotz der lange Zeit unterschiedlichen politischen Systeme frappierend an das, was man/frau in Österreich gewohnt ist. Wir drucken den Text von Szabolz Szita deshalb mit freundlicher Genehmigung des Gedenkdienstes in gekürzter Form nach. Texte zum MALMOE-Schwerpunkt "Erinnerungskulturen in Ungarn und Österreich": "Veurteilte österreichische NS-Täter passen nicht ins Bild" Erinnerungskultur in Ungarn Was ist Gedenkdienst? online seit 01.11.2005 17:49:55 (Printausgabe 28) autorIn und feedback : Sylvia Köchl |
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Gib Pfötchen, Bulle! Tiere, Repression und Emotionskapitalismus [08.07.2008] Was tun mit den Reichen? Belächeln, belagern, besteuern? [23.04.2008] Postkoloniales Sprechen „Wir“ und „die anderen“ [12.02.2008] die nächsten 3 Einträge ... |
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