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Sprich lauter Spoken Word und Poetry Slams hierzulande. Sub Vers Wer denkt nicht sofort an einen verrauchten, dreckigen New Yorker Club und an DichterInnen, die sich, mit der einen Hand die Freiheitstatue nachahmend, mit der anderen ein Mikro umklammernd, im Rhythmus ihrer Worte wiegen und ihren Zorn über den Stand der Dinge in die Welt brüllen? Oder an eine luzide Stimme, deren Timbre zu Nabelschau und Reflexion einlädt? Speak up – sprich lauter. Ehrlich gesagt gibt es in Hietzing keine Ursula Rucker, in Kagran keinen Saul Williams. Ebensowenig findet man hier einen burgenländischen Linton Kwesi Johnson. Spoken Word - in meiner Definition meint das rhythmisierte, ev. songnahe Lyrik mit stark performativen Charakter - gibt es trotzdem. Vorgetragen wird sie bei den offenen Bühnen und Poetry Slams dieses Landes und die werden mehr. Angefangen hat alles (für mich) im Wiener Schikaneder. Dort haben Volker Piringer und monochrom 5 Jahre lang einen monatlichen Poetry Slam organisiert, an dem auch Markus Köhle, seit 3 Jahren Veranstalter des Innsbrucker Poetry Slams und aktiver Slammer mit Faible für Alliterationen, und ich, textstrom-Mitveranstalterin und HipHopaktivistin, oft teilgenommen haben. Jörg Piringer, Lautpoet und Teil des ersten Wiener Gemüseorchesters, konnte man antreffen oder die Exilamerikanerin Flow, die am ehesten zum Klischee des Eingangssatzes passt. Heute ist sie in Berlin als Slammerin aktiv, damals hat sie in mir einen Nerv solang gekitzelt bis ich auch mal gewonnen hab. Ja, das ist kompetitiv. Nein, das muss man nicht überbewerten. Leerlauf Die Übergabe des Schikaneder-Slams an ein neues Team und die Umsiedlung in eine größere Location scheiterte und in Wien wurde es bis auf sehr vereinzelte Aktivitäten ruhig in Sachen Slam, von einem regelmäßigen Nährboden war gar keine Rede. Häufige Slams sind aber nötig für die PoetInnen, denn wo Struktur, da Szene. Es dauert, bis man ein Gespür entwickelt für eine ganz spezifische Art des Stimmeinsatzes, für eine ganz andere Sprachökonomie: 5 dichte Minuten, Punchlines egal ob Lyric oder Prosa und jede Menge Bezüge zum Publikum. In der Schweiz, in Deutschland und sogar in Innsbruck boomten Slams. In Wien passierte gar nichts. Für mich fiel damit eine Bühne weg. Meine Bühne. Mein monatlicher Versuch, mich zu steigern, zu triumphieren, geschlagen zu werden, einfach nur mitzumachen oder überhaupt nur zuzusehen. Deshalb also "textstrom", seit einem Jahr monatlich oder öfter an wechselnden Orten. Nicht meine Bühne, als Moderatorin kann man nur schlecht teilnehmen, aber ich freue mich über jedeN neuen TeilnehmerIn und über den immer größer und besser werdenden Pool an PerformerInnen. Am Rand? Letztes Jahr bündelte der vom ORF und der Schule für Dichtung veranstaltete Poetry Slam im Radiokulturcafe die unterschiedlichen Kanäle und brachte das Phänomen Slam stärker in die Öffentlichkeit. So durch die Hochkultur abgesegnet, wurde der Slam aus seiner Nische geholt. Es kamen mehr Leute zum Slammen, es kam aber auch vermehrt zu Missverständnissen vor allem aus fast eigenen Reihen. "Also dieser Konkurrenzgedanke!", empörte man sich da und übersah, dass die offensichtlich absurde Bewertung (ob über Applauslautstärke oder Publikumsjury) Neid und Konkurrenz im Keim erstickt. Bei Lesungen oder bei Konzerten tobt im Backstageraum öfter mal der Marktwertnahkampf, der besonders gern in Nebensätzen und Anekdoten betrieben wird. Bei Slams hören sich die DichterInnen gegenseitig zu und freuen sich über die Diversität. Das ist zumindest meine Erfahrung, bei kleinen und großen Slams in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Ein Grund dafür ist wohl, dass selten 2 TeilnehmerInnen Ähnliches präsentieren. Grund dafür ist sicher auch, dass es selten um mehr als um ein Taschengeld geht. Mitmachen Dennoch, 2 Gruppen blieben und bleiben dem Poetry Slam hartnäckig fern: Etablierte oder sich über altbewährte Schienen aka Verlage noch etablierenwollende LiteratInnen - als ob sich das ausschließen würde - und SongwriterInnen und RapperInnen, die ja eigentlich prädestiniert für eine Teilnahme wären. Dafür weiß ich tatsächlich keine Erklärung, vielleicht sind die jeweiligen Szenen sich ganz einfach selbst genug. Dabei, und das kann ich beurteilen, ist es immer von Vorteil, die eigenen Texte in einen anderen Kontext zu stellen und sie mal aus einem anderen Licht zu sehen. Man profitiert bei allen anderen Lesungen und Performances von den Skillz, die man sich bei einem Slam erarbeitet hat. Einerseits schade, andererseits macht das nicht besonders viel. Die Szene vibriert, sei es durch die songstrukturverhafteten Dadagedichte eines Zemmlers, sei es durch die Experimente eines Persönlichkeitsberatungsinstitut Athene oder eines Jimi Lends, sei es durch den Wachauernden Wolfgang Kühn, sei es durch die Floridsdorfer Prosa einer Nadja Bucher oder die auslotende Lyrik einer Christine Öhlinger. Und da geht noch viel mehr, also: Komm vorbei – dein Text kommt an! online seit 27.03.2005 23:09:32 (Printausgabe 25) autorIn und feedback : Mieze Medusa Links zum Artikel:
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Die Krise der Gegenkultur Veranstaltungsbericht über eine Buchvorstellung von Larry Grossberg, Cultural Studies Forscher. [14.05.2010,Michael Schmid] „P“ WIE „POLITICS“ Vor kurzem ist der englischsprachige Reader „Post/Porn/Politics“ beim Berliner Verlag b_books erschienen. [30.03.2010,Interview: Silke Graf, Vina Yun] MIXTAPE mit frau herz und itze ritsch [02.02.2010] die vorigen 3 Einträge ... die nächsten 3 Einträge ... |
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