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Unabhängige Konzert-VeranstalterInnen und das janusköpfige Verhältnis zu DIY

Sie haben selten einen fixen Veranstaltungsort und vagabundieren von Club zu Club – unabhängige VeranstalterInnen prägen die Konzertlandschaft Wiens immer mehr mit. Diese Aufgabe ist nicht nur Liebhaberei oder Hobby, sondern erfüllt durchaus professionelle Ansprüche, das jedoch ohne jegliche finanzielle Rückversicherung. Diese Entwicklung soll im Folgenden kritisch betrachtet werden.
Je nachdem wo ein Termin frei ist, kooperieren DIY-VeranstalterInnen mit den diversen ClubbetreiberInnen und das zu stets unterschiedlichen Konditionen: In vielen Fällen müssen sie Miete zahlen, für die Technik aufkommen, im schlimmsten Fall auch das Eintrittsgeld teilen – ohne an den Bareinahmen beteiligt zu sein. Das Einzige, das immer gleich bleibt, ist, dass sie zu einem Großteil auf Non-Profit Basis agieren. Sprich: Sie tragen volles Risiko und können in den besten Fällen die anfallenden Kosten gerade mal so decken.
Dass im Kulturbetrieb sowieso nichts ohne freiwillig-enthusiastische Selbsthingabe und unkaputtbare Eigeninitiative läuft, ist ausreichend bekannt und mittlerweile schon eher trauriger Allgemeinplatz als Grund zur in die Luft gereckten Faust. Soweit, dass DIY-Schlagworte wie Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit oft direkt an die vom Neoliberalismus geforderten Formen der Selbstausbeutung grenzen. Es mag also auch nicht weiter verwundern, dass sich das auch für unabhängige KonzertveranstalterInnen nicht anders verhält. Und doch scheint es notwendig, auch dieses immer populärer werdende Phänomen einmal unter die Lupe zu nehmen.

Es muss was geben

Gehen wir zunächst an den Punkt zurück, wo alles noch Lo-Fi, Low-Budget und DIY sein darf und das auch gut so ist. Viele der unabhängigen VeranstalterInnen sind selbst MusikerInnen. Sie fahren auf Tour, lernen Gleichgesinnte kennen und organisieren als logische Konsequenz Gigs für das bestehende (Szene-)Netzwerk. Es ist, wenn man so möchte, ein Tauschverhältnis, das nicht nur auf musikalischem Interesse, sondern ganz zentral auf Solidarität und Freundschaft beruht. Man unterstützt sich gegenseitig. Für jene, die selbst nicht Musik machen, sieht die Sache etwas anders aus. Hier ist es die – oftmals politisch konnotierte – Entscheidung aus der Rolle der passiv Konsumierenden herauszutreten und sich aktiv zu engagieren. Man fühlt sich als Teil einer Gemeinschaft und möchte etwas zu dieser beitragen. So agieren viele VeranstalterInnen aus einem szeneimmanenten Selbstverständnis und einem Bedürfnis nach Partizipation heraus. Salopp gesagt wird etwas organisiert, weil’s halt sonst niemand macht, man’s aber für wichtig erachtet, dass es passiert. Dafür reichen oft schon Wohnzimmer oder von FreundInnen betriebene Offspaces. Schlechte Anlagen und früher Konzertbeginn, aufgrund den allzu gut bekannten „Problemen mit den NachbarInnen“, werden in Kauf genommen. Man arbeitet für die Sache, das Ganze macht Spaß, die MusikerInnen sind zufrieden mit einem Door Deal, einer Unterkunft und einem guten Gespräch über einer Flasche Bier.
Mit der Zeit ändert sich das allerdings oft. Denn die durchaus ideologische Haltung und der Enthusiasmus, die dem Eigenengagement vorausgeht, erschöpft sich, je länger eineR sich in diesem Feld bewegt. Die Ansprüche steigen. War zu Beginn noch familiäre Atmosphäre und der Communityspirit die Entlohnung für die Anstrengung, hat man nach einiger Zeit dann doch auch gerne TechnikerInnen an seiner Seite, eine funktionierende Soundanlage, zeitlich Luft bis in den Morgen Krach zu machen, Gäste, die nicht nur die immer gleichen, guten FreundInnen sind und Acts, die ihre fixen Gagen einfordern. Es wird ein Schritt weiter gegangen und bei Clubs angefragt.

In der Grauzone

Es gibt schon seit längerer Zeit eine Tendenz, dass diverse Clubs sich vorwiegend fremd bespielen lassen, in der Programmierung relativ offen sind, mit der Zeit ihre StammveranstalterInnen um sich scharen und so das Booking auslagern. Die damit einhergehende Demokratisierung der jeweiligen Szenen ist durchaus sinnvoll, auch weil hier die Vielfalt der Musiklandschaft zum Ausdruck kommen darf und das abseits des Mainstreams, also (größtenteils) ungeachtet dessen, wie gut sich etwas verkauft. Alle, die motiviert genug sind, haben also die Möglichkeit anzufragen und ihr Glück zu versuchen. Das Angebot wäre nie so divers, wären nicht viele dazu bereit, diese eigentlich schöne, aber auch aufwendige Aufgabe ohne großen Profit auf sich zu nehmen. Manche Clubs verlieren auf diese Art allerdings ihre stilistische Ausrichtung. Immer mehr Gäste ziehen dann auch mit der Veranstaltungsreihe weiter, werden zu Lokalnomaden. Das läuft dann einige Zeit gut, oftmals Jahre, bis manche VeranstalterInnen genug haben. Denn was von außen oft nicht erkannt wird, ist deren Engagement in einem Graubereich zwischen Professionalität und Liebhaberei. Die Zeit, die für die Korrespondenz mit Club und Agentur/MusikerIn, für Grafikdesign, Pressearbeit, Promotion (konkret: durch die Stadt laufen, um Flyer zu verteilen und Poster zu kleben) und KünstlerInnenbetreuung in Personalunion investiert wird, erreicht, je nach Veranstaltungsfrequenz, das Ausmaß einer Teilzeitanstellung. Vielleicht nimmt eineR auch das noch gerne in Kauf, schließlich wird aus Überzeugung gewerkt. Man ist sein eigener Chef und kann seine Ideen ungestört umsetzen. Wenn es dann aber darum geht, auch noch an der Kassa zu sitzen und vielleicht gleichzeitig den DJ zu geben, um die Kosten möglichst gering zu halten, wird es langsam doch brenzlig. Viele VeranstalterInnen – und das ist tatsächlich die traurige Wahrheit – verpassen so ihre eigenen Konzerte. Was nach reinem Altruismus klingt, ist oft einfach mangelnden Ressourcen geschuldet. Noch eineN bezahlen, der/die an der Tür sitzt und kassiert, ist oft nicht drin und jedes Mal seine FreundInnen einzuspannen, fällt über Jahre hinweg auch schwer. Die Schwierigkeit, mit der jene konfrontiert sind, die weder lukratives Clubbing noch massentaugliches Gitarrengedudel veranstalten, liegt auf der Hand: Es gibt so gut wie kein Budget für Promotion, selten kommen genug BesucherInnen um ein fettes Plus in der Kasse zu haben, diverse Beiträge müssen bezahlt werden und dann lasten auch noch, je nach Risikobereitschaft, teils monströse Gagen auf den Schultern. Dass das mit der Zeit gewaltig zu drücken beginnt, sollte kein Geheimnis bleiben.

Im Burnout

Das Dilemma ist schließlich auch folgendes: Je länger eineR dabei ist, desto mehr Acts kontaktieren eineN, auch als unabhängigeN PromoterIn. Der/die VeranstalterIn entwickelt sich weiter, beginnt mit Booking Agenturen zu arbeiten, steht oft nicht mehr in direktem Kontakt mit den Acts. Auf einmal gibt es harte Gagenverhandlungen, Verträge, die unterschrieben werden wollen, Klauseln, die gestrichen werden müssen. Über kurz oder lang muss ein Verein gegründet werden, auch um sich steuertechnisch abzusichern. Und ehe man sich versieht, ist man professionell, allerdings eben auf Non-Profit Basis. Es wird das gleiche geleistet wie von angestellten BookerInnen der größeren Clubs, aber ohne Kohle. Es gibt keine Entlohnung, geschweige denn eine Risikobeteiligung durch die Institutionen. Wenn das über Jahre praktiziert wird und eineR schon oft kleine finanzielle Katastrophen hinter sich gebracht hat, braucht es schon eine wirklich dicke Haut, um mit ungebrochener Begeisterung weiterzumachen. Es ist eine Sackgasse. Denn einerseits möchten Indie-VeranstalterInnen natürlich auch bekanntere Namen in die Stadt holen, die sonst maximal auf den jährlichen Festivals zu sehen wären, andererseits kann nur schwer auf höherem Level spekuliert werden. Was also tun?
Natürlich, ist der Verein einmal gegründet, kann ab und an eine projektbezogene Förderung beantragt werden. Das heißt, soll das Risiko gemindert werden, wird in die Förder-Lotterie investiert und mit Glück kommen ein paar Hundert Euro Zuschuss dabei heraus. Dafür muss allerdings ein Konzept geschrieben, Formulare ausgefüllt, bürokratische Dinge erledigt, und sich mit AKM und SKE auseinandergesetzt werden, d. h. all das, was man als DIY-VeranstalterIn nicht unbedingt gerne macht. Eine andere Möglichkeit sollte aber vielleicht auch sein, dass Clubs und Lokale bestimmte Veranstaltungen quer finanzieren. Besucherstarke Abende, deren Ausrichtung vielleicht eher kommerziell ist, könnten auf diese Art die exzentrischeren Experimentalabende finanzieren und so helfen, das Risiko abzudecken. Dafür allerdings müsste ein stärkeres und auch solidarisches Bewusstsein für förderungswürdige Projekte bestehen. Vielleicht sollten EinzelveranstalterInnen mehr auf den kollektiven Gedanken setzen und sich gegenseitig den Rücken stärken? Im Moment scheint die einzige Möglichkeit allerdings so weiterzumachen und sich auszubrennen, bis die nächste Charge an frischen, motivierten KollegInnen nachrückt.

www.facebook.com/strumandiodine
www.unsafeandsounds.com
www.resonancesandtransitions.wordpress.com


online seit 16.10.2015 11:35:00 (Printausgabe 72)
autorIn und feedback : Shilla Strelka




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