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  The past sure is tense

MALMOE sprach mit Al Bird Sputnik über seine „Trash Rock Archives“ als alternativen Entwurf zur Popmusikgeschichtsschreibung.

Der Wiener Kulturarbeiter Al Bird Sputnik, u. a. Mitbegründer der Band The Happy Kids und des Labels „Trash Rock Productions“, betreibt seit einigen Jahren ein Online-Archiv, das sich Schätzen der österreichischen Popmusik widmet. Die in Form eines Youtube-Channels abrufbaren „Trash Rock Archives“ stellen Interessierten eine fein aufbereitete, akustische Sammlung österreichischer Beat-, Punk- und Garage-Rock-Musik der 1950er bis 1980er zur Verfügung.

Diese beinahe in Vergessenheit geratenen Platten wurden über Jahre hinweg von Sputnik auf diversen Flohmärkten und Sammler_innentreffen aufgestöbert, zusammengetragen und mit aufwendig recherchierten Begleittexten in Eigenregie online präsentiert. Das Ergebnis dieser Arbeit ist ein auf Fandom und Do-It-Yourself basierendes Archiv, das als Gegenentwurf zur österreichischen Mainstream-Popmusikgeschichtsschreibung fungiert. Als eigenwilliger Vertreter eines solchen Gegenentwurfs wurde Al Bird Sputnik auch im Rahmen des wissenschaftlichen Forschungsprojekts POPID (1) interviewt. Vinylfetischist_innen dürfen sich schon auf die erste Ausgabe der Compilation-Reihe „Trash Rock Archives“ freuen, die 2012 ergänzend zum Online-Archiv erscheint.

MALMOE: Welches Konzept steht hinter den „Trash Rock Archives“ und wie bist du dazu gekommen, dich mit österreichischer Popmusikgeschichte zu befassen?

Al Bird Sputnik: Bei den „Trash Rock Archives“, an denen ich seit ungefähr fünf Jahren arbeite, geht es prinzipiell darum, dass man in Vergessenheit geratene Subkulturen und Gegenbewegungen einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Es ist ein Do-It-Yourself-Schallplattenarchiv, das immer auch als Hommage an die Musiker_innen gedacht ist. Darüber hinaus ist das Archiv auch ein bisschen eine Stinkefingergeste an die Musikindustrie von damals und heute, die teilweise auf den Songs und Veröffentlichungen sitzt und keine Ahnung hat, was sie besitzt.

Du bezeichnest deine Aufarbeitung auch als eine Form der Geschichtsschreibung. Wie sieht dein Zugang zur Popmusikgeschichte aus?

Ich habe mit 16 oder 17 angefangen Platten zu sammeln. Mit Anfang 20 hab ich dann schließlich begonnen, dezidiert österreichische Schallplatten der Gegenkultur zusammenzutragen. Das ist eine totale Herzblutsache. Für mich sind die Schallplatten der einzig legitime Zugang, der einem heutzutage geblieben ist. Ich war ja 1966 nicht im San Remo Club [heute Camera Club, Anm. d. Autors], ich habe Dirt Shit 1979 nicht in der Beheimgasse gesehen, so gesehen ist mein Zugang jener über die Schallplatten. Ich habe darüber hinaus ja auch nicht die Kapazität, dass ich jede/n treffe, der/die jemals in einem Club mit Beat- oder Punk-Songs auf der Bühne gestanden ist. Das heißt, die Platten sind der Fokus.

Welche Sachen inkludierst du in deine Sammlung?

Mich interessiert vorwiegend die österreichische Musik- und Subkulturgeschichte ab dem 2. Weltkrieg bis in die 80er Jahre. In die Sammlung kommt im Prinzip alles, was einen Wert für Jugendliche haben könnte und unaufgearbeitet ist. Besonders spannend ist es natürlich, über die verrückten Ausformungen der Subkultur zu schreiben oder damit zu arbeiten.

Es ist meist sehr zielführend, sich kleine Subgenres herauszugreifen, um das große Ganze von innen heraus besser begreifen zu können. Es ist auch einfacher zu einem Ergebnis zu kommen, wenn man sagt: „Wir untersuchen jetzt die Jahre von 1965–68 und schauen, was da passiert ist“.

Neben dem Archiv veröffentlichst du auch journalistische Texte zur österreichischen Popmusikgeschichte. Für welche Medien schreibst du?

Ich suche mir schon gut aus, wo ich schreibe, und mache pro Jahr vielleicht nur vier, fünf Texte – zuletzt für das Skug, davor für das Fanzine Rokko’s Adventures. Ich bin jetzt nicht so eine Schreibmaschine wie andere. Ich habe eher diesen „DIY-Ich kann das auch“-Ansatz, der klassische Punk-Zugang, den ich auch beim Musikmachen habe, denn ich sehe mich auch nicht als Musiker. Ich stell mich einfach hin und spiele – genauso gehe ich das auch mit dem Journalismus an.


Anmerkungen

(1) POPID steht für „Popular music heritage, cultural memory, and cultural identity“

online seit 19.05.2012 10:23:14 (Printausgabe 59)
autorIn und feedback : Interview: Thomas Herscht


Links zum Artikel:
www.youtube.com/user/TRASHROCKARCHIVESTrash Rock Archives
trashrockproductions.com/archives.htmlTrash Rock Productions
www.evolver.atMehr zum Thema Trash Rock Archives
thehappykids200.bandcamp.comThe Happy Kids



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