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In crowns & gowns

united queen doms in search of paradise: Die Produzentinnen des "queenzine" im Interview.

2007 seid ihr im Rahmen von "project C. Die Vereinten Königinnenreiche kolonisieren Kalifornien. Eine performative Forschungsreise" als Königinnen aufgebrochen, Kalifornien zu kolonisieren. Was hatte es damit auf sich?

U: Wir sind ausgegangen vom Mythos vom Goldenen Westen als hegemoniale europäische Idee. Eine Idee, die als Glücksversprechen, das immer weiter aufgeschoben und in einer unglaublichen Opulenz ständig neu formuliert wird, allgegenwärtig ist und in der europäischen Kultur/Geschichte auch unheimlich produktiv. Dieser Mythos ist virulent. Wir üben ihn alle ständig medial ein.

C: united queendoms (UQ) beschäftigt sich mit der Struktur des Mythos als schillernde, entpolitisierte und enthistorisierte Aussage, die ihre Stabilität stark über Dichotomien bezieht. Project C war so zu sagen das formierende Projekt, wo wir ironisch selbstermächtigt, eigentlich völlig übersteigert – in crowns and gowns – in den äußersten Westen aufgebrochen sind.

U: Wir haben uns den Mythos angeeignet, ihn verschlungen und zerstückelt. Mit unserer eigenen "großen Erzählung" – der Geschichte von Königin Utopia und Königin Dystopia und ihrer Kolonie – schreiben wir den Mythos "Golden West" weiter. Das ist eine aktive Sache. Wir kolonisieren den Mythos. Nicht irgendein reales Territorium.

C: Kalifornien ist die Mythosmaschine schlechthin. Mehr Westen geht nicht. Dabei haben uns auch die großen historic trails interessiert. Die Tatsache, dass so viele von Europa losgestartet sind, um dieses Glücksversprechen einzulösen, dass Kalifornien im Grunde ein Produkt des Weges westwärts ist, und wir auf keinen Fall die ersten sind, die dort ankommen.
U: Der Glaube an dieses Glücksversprechen hat eine unglaubliche Kontinuität. Wider aller Realitäten. Wenn eine, die sieben Tag die Woche zwei Jobs macht, dir erzählt "Where I used to be I could only exist, in California I can live", ist das vor allem schaurig.

Wie schreibt sich diese performative Forschungsreise ins Zine ein?

C: Unser Ansatz in project C war der: Wir reisen mit selbstgebastelten Kronen und riesigen Roben los und bringen Fragmente dieser mythischen Inszenierungen zurück, performen sie vor Ort und schauen was passiert. Immer wieder sind wir gefragt worden: "Are you on holidays?" Wir haben darauf geantwortet: "No, we are colonizing California". Das hat die Leute überrascht, aber auch amüsiert und angestoßen, die eigenen Geschichten zu erzählen.

U: Wir haben unsere Geschichte, als Gastgeschenk quasi, in den Goldenen Westen getragen, um von den Menschen, die dort leben, ihre Geschichten zurückzubekommen. Wir nennen das "zyklischer Kolonisierungsprozess". Ein Konzept, das sich auch im Zine fortsetzt: als Landschaft, in der wir Bauplätze an landladies vergeben.

C: Das heißt: Leute, die contributen, schreiben sich mit ihren Geschichten in die Landschaft und in die Erzählung von UQ ein. Wobei Form und Inhalt der Beiträge offen sind, die Größe der Bauplätze dagegen durch das "queenly land registry and development office" streng reglementiert.

Ihr seid ja auch online vertreten mit Videos und allem drum und dran. Warum zusätzlich ein Zine? Was findet ihr so produktiv an diesem Format?

U: Das Zine-Format war uns auch schon vor UQ sympathisch. Nach project C haben wir die Ausstellung "The historic trail of united queendoms" gemacht und beim Plakatbasteln sind wir auf das Foto von Königin Utopia und Königin Dystopia gestoßen, das dann unser Starschnitt werden sollte. Völlig selbstverliebt haben wir das gleich hochglanz-produziert und hatten dann diesen Starschnitt in acht Teilen. Aber eigentlich keine Idee, was damit tun, weil der braucht ja ein Rund- Herum, der muss ja gesammelt werden können. Und da kam dann das Zine wieder herein. Da haben sich einfach zwei Dinge getroffen. Und ein Zine wollten wir ja eben immer schon machen.

C: Das "Do it yourself" ist total wichtig! UQ ist von Anfang an auch der lustvolle Umgang mit und die hemmungslose amateurinnenhafte Aneignung von Technik, bei den Videos genauso wie beim Zine und ist damit auch Teil einer – unserer – sehr persönlichen Emanzipationsgeschichte.

U: Neben Videos und Sound und unserem virtuellen unitedqueendomsland macht’s einfach auch irre viel Spaß mit so griffigem Material zu arbeiten. Für die Produktion eines Zines brauchst du Papier, Schere und Kleber. Und schon kannst du hemmungslos wüten.

C: Ja, Wut gehört auch immer dazu. Und es ist einfach sehr geil und schön, zu schneiden und zu collagieren und dabei unglaubliche Haufen von Papierschnipsel zu produzieren.



online seit 26.12.2010 17:03:29 (Printausgabe 52)
autorIn und feedback : tanzen


Links zum Artikel:
www.unitedqueendoms.com



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