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comfortzone Ein neues Wiener Label für elektronische Musik comfortzone spezialisiert sich auf Ausformulierungen elektronischer Musik und Szenen. Ein Schwerpunkt liegt auf feministischen und queeren Issues, sowie auf der Vernetzung von Musiker_innen aus unterschiedlichsten Städten. Ein Interview mit der Musikerin und Mitgründerin des Labels, Christina Nemec. Christina, du hast gemeinsam mit Konstantin Drobil (Trost Records) das Wiener Elektroniklabel comfortzone gegründet. Wie seid ihr dazu gekommen? Die Idee, ein Label für elektronische Musik zu machen, hatten wir schon länger. Trost Records ist bekannt für Gitarrenmusik, mit einigen Ausnahmen. Da haben wir uns entschlossen eine „elektronische“ Schwester von Trost zu gründen. Wir begannen mit den Vorgesprächen mit den in Frage kommenden Artists, der Gestaltung des Logos und der Auftragsvergabe der Releases im Sommer. Vor vier Wochen konnten wir unsere ersten drei Releases der Öffentlichkeit präsentieren. Das Label richtet sich ja vor allem an feministische und queere Musikproduktionen. Was hat dich dazu bewogen, diese Richtung einzuschlagen? Ich hab mir überlegt, was denn eigentlich gerade auf dem Vinylsektor fehlen würde. Durch meine Tätigkeit bei SV Damenkraft und bei dem Musical „Orlanding the dominant“ oder über das female pressure-Netzwerk habe ich mittlerweile sehr viele Musiker_innen aus dem queeren Bereich kennengelernt. Ich dachte das wäre eigentlich ein wirklich schöner Punkt an dieser Stelle anzusetzen, zu suchen, und weiterzuschauen. Feministisch und queer: das schließt einander sowieso nicht aus. Wir haben aber auch Artists, die nicht auf den ersten Blick in diese Kategorie fallen, die wir aber aus anderen Gründen auch auf dem Label haben möchten. Wir streben an, mit Musiker_innen zu arbeiten, die schon seit Jahren erfolgreich Musik machen, weil es für uns ein Mittel ist, um unsere Inhalte in einem breiteren Umfeld zu platzieren. Angedacht sind beispielsweise Kooperationen mit Lydia Lunch und Philippe Petit aus Marseille, sowie eine Single mit Mika Vainio (Pan Sonic). Auf welche Musikgenres und Szenen spezialisiert sich comfortzone? Auf die verschiedensten Ausformulierungen elektronischer Szenen. Von Klangforschung zum Club, von Electro-Disco zu Minimal Soundart bis zu Lo.Fi. Weirdness, bis auf eine Ausnahme. Nächstes Jahr wird es mehr so in die Richtung Disco, Ambient gehen. Es sind sieben Releases geplant, und die sind alle total verschieden. Wir werden sicher kein eindeutiges Genrelabel sein. Das werden wir beibehalten. Mittlerweile sind die ersten drei Platten erschienen, unter anderem auch das Debütalbum deines Soloprojekts chra. Welche Künstler_innen sind noch dabei? Auf cz002 ist Bonnie Li, eine Musikerin aus Paris. Eine sogenannte one-woman-band. Sie arbeitet sehr experimentell mit Soundloops. Sie steht am Beginn und hat erst circa fünf Auftritte gehabt. Die Kombination aus sehr schönem Gesang und einem sehr expliziten Begehrensausdruck macht ihr Projekt interressant. Es ist sehr sexuell konnotiert. Der Text von dem Song „Get Down“ ist z. B. eine explizite Aufforderung zum Oralsex. Auf der Rückseite trifft man dann die Wiener one-woman-band Frau Herz. Auf dem dritten Release ist ein Duo aus Dänemark Alloy Alloy. Wir haben uns gedacht, ein belgisch-dänisches Duo würde genau zu Stereonucleose passen, die wiederum ein französisch-rumänisches Duo sind, die in Berlin leben. Die machen so eine Form von verspieltem Electro. Wie triffst du die Auswahl der Künstler_innen, die auf eine Split-Maxi kommen? Die Split-Maxis sind immer Städten zugeordnet. Wir entscheiden uns für eine Position und fragen bei der zweiten an, ob sich die Künstler_in vorstellen könnte, mitzumachen. Die nächste Produktion im Februar ist die EP von Cherry Sunkist. Für Mai ist Crazy Bitch in a Cave aus Wien geplant. Ein Musiker mit einer ganz hohen Falsettstimme. Er macht eine unglaublich tolle Performance. Als Gegenpart habe ich einen Musiker in Venedig entdeckt, der sich Hard Ton Disco Queen nennt. Das wäre dann die Verbindung Wien-Venedig. Wie kann ein „Nischenlabel“ in Zeiten wie diesen eigentlich überleben? Wir versuchen einen Mix aus unbekannten Leuten, und dann schon auch bekannteren, etwas catchigeren Sachen. Man muss es ja auch irgendwie verkaufen, damit es weiterbetrieben werden kann. Jetzt müssen wir schauen, wie wir weiter kommen. Nach Japan, oder Israel. Nach dem Osten schauen. Das sind so die Pläne. Ich denke, das könnte schon laufen. online seit 23.12.2009 10:17:03 (Printausgabe 48) autorIn und feedback : Interview: Johanna Forster Links zum Artikel:
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