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Found in Music (Part 1): Vertrau deiner Referenzhölle Eine neue Kolumne? Und der Titel? Ja klar, aber: weshalb? Also: Es soll nicht um abgesichertes/absicherndes Distinkti-o-Wissen (Fragen wie: „Was, DIE legendäre Platte kennst Du nicht?“) oder kindisches Distinktionsgehabe („I was a punk before you were a punk“) gehen, sondern vielmehr darum, ein paar irre, tolle Augenblicke, Momente sich neu verknüpfender Fäden oder kurze, vom (Er)Finden von Möglichkeiten erzählende Anekdoten aus Pop & Welt und deren Geschicht(sschreibung) e(n) abermals zu notieren. Dass jene einfach selbstgebackene Retro-Eigenstilisierungen oder auch kryptomnesische „Wahrheiten“ der überliefernden ProtagonistInnen sein können, liegt in der Natur des Gegenstandes, schmälert aber nicht den Unterhaltungswert desselben – im Gegenteil. Nicht Popkulturforschung, sondern streng recherchierte und/oder unterwegs ge/erfundene Hinweise auf/aus jene/r. Neue Besen und alte Hüte also. Und ab: Es ist 1980 und der Mann, von dem einige (am meisten allerdings vielleicht er selbst) behaupten, er hätte ein paar Jahre zuvor Punk erfunden, geht auf Höhe der 125. Straße in Harlem spazieren, als ihm plötzlich auf der anderen Straßenseite ein riesiger, schwarzer Typ in einem T-Shirt mit der Aufschrift „Never Mind The Bollocks – Here’s The Sex Pistols“ auffällt. Als ehemaliger Manager/Imageberater eben jener namechecked Band, macht ihn das neugierig genug, um die Straßenseite zu wechseln, sich als Malcolm McLaren vorzustellen und mal nachzufragen. Im Gespräch stellt sich sodann heraus, dass er auf einen großen Musik-Fan, eklektischen Plattensammler, (Zulu-)Nationengründer und DJ namens Afrika Bambaataa getroffen ist, von welchem der Interessierte schließlich zu einer selbstveranstalteten Party am selben Abend in die South Bronx eingeladen wird. Ein nicht konzessioniertes „Gypsy-Cab“ (andere fahren nicht in diese Gegend) bringt McLaren in dieser Nacht an einen Ort, an dem er, unter Obhut des Gastgebers, als einziger Weißer Zeuge von ihm unbekannten neuen Möglichkeiten im Umgang mit Musik werden wird: Kurze, ins Mikrofon gereimte Kommentare, Plattennadeln, die wie Gitarren benutzt werden und eigene, auf die rhythmischen Zwischenteile der Musikstücke ausgerichtete Tanzstile – Rapping, Scratching und Breakdancing also, Kulturtechniken, die erst ein wenig später unter dem Begriff „Hip-Hop“ zusammengefasst werden sollen. Der Verarbeitung u.a. dieser Kurzsozialisation in der insomischen Stadt ist es zwei Jahre später zu verdanken, dass einer breiteren europäischen Öffentlichkeit (via McLarens Platte „Buffalo Gals“) von jenen neuen New Yorker Phänomenen erstmals berichtet wird. Noch spannender wird das Ganze allerdings dadurch, dass Afrika Bambaataa etwa zur selben Zeit, umgekehrt transatlantisch sozusagen, sein Fantum Richtung Europa schweifen lässt, und indem er für seine Nummer „Planet Rock“ von Kraftwerk Melodien und Rhythmen borgt, den Kreis dieser Geschichte zu einem schönen Ende zieht … meint Eure Rosina Brunner / siehe: Hans Nieswandt „Public Agent No. 1“, in: Spex, Nr. 11/1998; Jochen Bonz „Der Welt-Automat von Malcolm McLaren. Essays zu Pop, Skateboardfahren und Rainald Goetz“ (Turia + Kant 2002) und Nelson George „XXX Drei Jahrzehnte HipHop“ (Orange Press 2002) / höre z.B.: Afrika Bambaataa & The Soul Sonic Force „Planet Rock“ (Tommy Boy 1982) und Malcolm McLaren & The World’s Famous Supreme Team „Buffalo Gals“ (Charisma 1982) online seit 23.09.2008 11:52:05 (Printausgabe 42) autorIn und feedback : Rosina Brunner |
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