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  Heute ist es nicht mehr exotisch, wenn eine Frau DJ ist

Interview mit Electric Indigo

Vor zehn Jahren gründete die Wiener Techno-DJ Electric Indigodas internationale Netzwerk female:pressure, das weiblichen DJ s, Produzentinnen und Künstlerinnen, die sich mit elektronischer Musik beschäftigen, eine Internet-Plattform bot.

Wie war dein ursprünglicher Zugang zum DJ-ing?

Ich habe zuerst irrsinnig viel durch Zuschauen gelernt. Ich hatte ja ganz lang kein Geld, um mir Plattenspieler zu kaufen und habe dann gnadenlos vor Publikum geübt. Ich hab das lange nicht hingekriegt und musste somit das Publikum mit holprigen Übergängen quälen. Mein Vorteil war aber auch, dass ich gereist bin, und dadurch eine viel speziellere Plattenauswahl hatte, als die meisten lokalen DJs, die schon gut mixen konnten. Ich bin nach Möglichkeit immer nach Berlin und München gefahren und habe dort Platten gekauft. Die Distribution hat ja Anfang der 90er noch lange nicht so gut funktioniert.

Ich habe aber nie wirklich zu Hause geübt. Ein großer Schritt war für mich, zu Hause DJMixes zu machen. Da muss man ja viel genauer sein und denkt sich oft: „Nein, so was kann man nicht abgeben!“ Das ist echt wahnsinnig effizientes Training. Das empfehle ich auch den Jung-DJs und dem Nachwuchs.

Was ist dein Verhältnis zu Wien und warum bist du wieder hierher gezogen?

Die Arbeitsbedingungen sind hier nicht so super. Die sind schon besser in Berlin. Aber ich mag Wien und fühl´ mich hier verwurzelt. Ich wohne ja schon seit 1983 in dieser Wohnung, wo früher meine Großeltern gewohnt haben. Eigentlich tut mir das sehr gut, denn ich bin ja 10 Jahre lang wie wahnsinnig herumgezischt. Ich war jedes Wochenende mindestens in zwei verschiedenen Städten und permanent auf Achse. Ich fühle mich hier auch echt zu Hause. Was hier in Wien mittlerweile prächtig geht, ist, schlagkräftige Projekte auf die Beine zu stellen und die Medien dafür zu aktivieren. Auch die Fördersituation ist in Deutschland wesentlich schwieriger und unüberschaubarer. Die DVD konnte beispielsweise nur entstehen, weil uns dafür aus Wien Geld zur Verfügung gestellt wurde.

Was war der blödeste Spruch, den du als DJ je zu hören bekommen hast?

Da gab es einige wie zum Beispiel: „Hut ab, für ne Frau nicht so schlecht.“ Den Vogel abgeschossen hat einer, der sagte: „für ne Frau n echt okayes Taktgefühl!“. Leider ist es mir zu spät eingefallen, zu sagen: „Ja, das geht dir ja offensichtlich vollkommen ab.“

Das passiert jetzt nicht mehr so oft, aber es kommt wohl darauf an, wo du spielst. Fast noch deprimierender ist, wenn so was nett gemeintes aber, wie ich finde, sexistisches kommt wie: „Es ist so toll, wenn Frauen auflegen, die haben so viel Gefüüühl!“ Bei den anderen Sprüchen kann ich lachen, aber da wird mir schlecht. Gerade auf diese biologistischen Argumente reagiere ich allergisch.

Was hat sich rückblickend geändert, nach 10 Jahren Female pressure?

Vieles! Ich sehe eigentlich sehr positive Entwicklungen, natürlich abhängig vom Kontext. Aber in unseren Breitengraden ist es schon nicht mehr so exotisch, wenn eine Frau DJ ist. Schon noch ein bisschen, wenn eine Frau gute Platten macht, aber auch da wird die Präsenz von Frauen immer stärker und größer. Es gibt eine größere Anzahl an weiblichen DJs und Musikerinnen, wobei da einige noch am Anfang sind. Ich denke, je mehr bewunderungswürdige Frauen da auf den Bühnen stehen, desto mehr Mädchen fühlen sich angesprochen und motiviert, auch selber was zu machen. Ich denke also, dass das noch viel mehr werden wird, ganz sicher.

Warst du schon immer Feministin?

Ja. Natürlich kam das auch durch gewisse Erfahrungen. Aber die Sensibilität für Ungerechtigkeiten oder auch rassistische oder antisemitische Äußerungen war bei mir immer schon sehr stark ausgeprägt. Da musste ich gar nicht sonderlich politisiert werden. Das war natürlich vorhanden, aus reinem Unrechtsempfinden heraus.



online seit 30.05.2008 11:48:53 (Printausgabe 41)
autorIn und feedback : Interview: Sonja Eismann




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