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„... nicht nur ein einmaliges Aufflackern!“ Ladyfest 2007: MALMOE traf sich mit drei Organisatorinnen des Wiener Ladyfest, um über Motivationen, queere Räume und Traditionen zu sprechen. Das Ladyfest findet zum dritten Mal statt. Warum eigentlich? Christine: Es gibt viel zu wenig Veranstaltungen, die explizit die Räume so definieren wie es das Ladyfest tut. Es gibt zu wenig Konzerte, bei denen Frauen aktiv sind und die Möglichkeit bekommen, sich zu präsentieren. Das betrifft jetzt nicht nur die Organisatorinnenseite, sondern auch die Seite der Bands und Workshops. Iris: Ich finde es wichtig, dass das Ladyfest nicht nur ein einmaliges Aufflackern ist und dann wieder verschwindet. Das Ladyfest bietet eine Möglichkeit, dass sich eine Szene formieren und weiterentwickeln kann. Es passiert auch während des Jahres einiges um das Ladyfest herum, aber es hat einen Event-Charakter. Solange das Ladyfest aber nicht zur Routine und langweilig wird, spricht nichts dagegen, dass es stattfindet. Prinzessin Horst: Ich finde die Diskussionen über Räume und ihre Herstellung, die durch das Ladyfest entstehen, sehr gut. Über queere und „women only“ Räume immer wieder nachzudenken und nach Raumpolitiken zu fragen, ist wichtig. Mich persönlich interessiert das Ladyfest auch, weil es einen guten Rahmen bietet, um verschiedene Themen in Workshops zu bearbeiten. Warum entscheidet ihr euch, ein Ladyfest zu organisieren ohne euch für die geleistete Organisationsarbeit zu bezahlen? Iris: In neoliberalen Zeiten gibt es viel zu wenig schöne Arbeiten, für die wir bezahlt bekommen. Bei der bezahlten Lohnarbeit vernachlässige ich mein kreatives Potenzial, das ich beim Ladyfest und in anderen Projekten umsetzen kann. Prinzessin Horst: Ich arbeite in einer Beratungsstelle. Das ist meine Lohnarbeit, die ich sehr gerne mache, aber dadurch, dass wir staatliche Subventionen bekommen, wird die Arbeit auch bestimmt und formatiert und klebt einer das Hirn zu, obwohl wir relativ frei arbeiten können. Ich möchte meine Politikarbeit nicht subventioniert wissen, und ich empfinde diese Arbeit nicht als Selbstausbeutung. Für mich ist das Politik. Bezahlte autonome, politische Arbeit – das wäre mir neu. (lacht) Gibt es bei diesem Ladyfest Veränderungen im Vergleich zu den Wiener Ladyfesten 2004 und 2005? Prinzessin Horst und Christine: 2005 gab es Arbeitsgruppen wie die Band-, oder die Workshopgruppe. Sie haben sich entlang der Organisationsstruktur des Ladyfest gebildet. Bei diesem Ladyfest gehen wir von Gruppen aus, die sich zu Themen wie Sexualität, Kreativität, Feminismus und Antirassismus etc. finden. Diese inhaltlichen Gruppen überlegen dann, ob sie einen Film zeigen wollen oder ob Bands auftreten und Workshops stattfinden sollen. Gibt es dieses Jahr wieder einen Schwerpunkt? Iris: Wir wollen dieses Jahr mehr Bands aus dem Raum Wien und Umgebung auf die Bühne zu bringen. Christine: Wir haben eine Unmenge an Workshops, die alle möglichen Themen behandeln. Beispielsweise drehen die Frauen in der Gruppe „Feminismus“ ein Video oder die „Sexualitätsgruppe“ beschäftigt sich mit Pornografie. Aber es wird während des Ladyfest auch Straßenaktionen, Ausstellungen, Open Stage, Performances und vieles mehr geben. Prinzessin Horst: Neben den Workshops werden in den Inhaltsgruppe auch unterschiedliche Formate entwickelt. In der Gruppe „Gestohlenes“ beschäftigen wir uns mit den Räumen, in denen das Ladyfest stattfindet. Wir recherchieren die NS-Geschichte dieser Räume. Welche Präsentationsform wir wählen, ist allerdings noch zu entscheiden. Das Ladyfest positioniert sich in einem queeren Kontext. Wie versteht ihr den Begriff „queer“ und wie werden queere Räume durch das Ladyfest hergestellt? Christine: Queer bedeutet, die Macht-Frage zu stellen: Wer dominiert die Räume? Beim Ladyfest 05 wurden die Räume mit Transparenten und Visuals gekennzeichnet, um zu vermitteln, dass wir eine queere Raumpolitik verfolgen. Zusätzlich wurden Handzettel verteilt, um über die Raumpolitik zu informieren, und ein Megaphon bereit gestellt, dass sich die Leute bei Übergriffen schnappen können. Das ist ein wesentlicher Punkt, in dem sich das Ladyfest von anderen Festivals unterschiedet. Prinzessin Horst: Queer heißt für mich der Versuch, woanders entlang zu leben als in die Richtung der in der Gesellschaft hauptsächlich vertretenen und erwünschten Lebensweisen. Wir versuchen zu thematisieren, dass wir keinen Sexismus und Rassismus, keine Homo- und Transphobie wollen, aber die Diskriminierungen sind da. Deshalb überlegen wir unterschiedliche Strategien wie zum Beispiel im Vorfeld einen Interventionsworkshop zu machen, wie bereits 2005, oder nach der Geschichte der Räume zu fragen. Iris: Queere Räume sind teilweise sehr schwierig herzustellen. Beim einem Soli-Fest im rhiz haben ab Mitternacht einige Männer nicht nur die Tanzfläche für sich beansprucht, sondern auch die sich darauf befindenden Frauen. Würden wir uns diese Auseinandersetzungen in „women only“ Räumen nicht ersparen? Prinzessin Horst: Ja, aber ich habe beim Ladyfest 05 auch Frauen rausgeschmissen. Es sind nicht nur die Männer mühsam, aber sie sind der zahlenmäßig größere Anteil. Das Ladyfest agiert nicht entlang der Kategorien Mann und Frau, so wie es „women only“ Räume praktizieren. Wir versuchen eine andere Raumpolitik herzustellen, auch wenn der Begriff „Lady“ problematisch ist. Die Begriffe und Kategorien „Mann“, „Frau“ und „women only“-Räume, zu denen Männer keinen Zutritt haben, passen für das Ladyfest nicht. Allerdings gibt es bei den Ladyfest- Plena intensive Diskussionen darüber, nicht zuletzt, weil wir eine heterogene Gruppe sind und unterschiedliche Positionen vertreten. Wie positioniert sich das Ladyfest innerhalb der nationalen und internationalen Frauenmusikgeschichte wie beispielsweise die Frauenmusikfestival in den 1970er und 1980er Jahren? Gibt es Anschlusspunkte zu dieser Tradition? Prinzessin Horst: In Wien gab es die Gruppe Femmage, die Frauenmusikfestivals organisierten. Musikerinnen eine Bühne zu bieten und eine feministische Öffentlichkeit herzustellen, war für die Frauenmusikfestivals sehr wichtig. Das ist keine Erfindung des Ladyfest, sondern das Ladyfest baut auf diese Idee auf und entwickelt sie weiter. Die Frauenmusikfestivals in Europa haben eine Auseinandersetzung mit klassischer und Avantgarde- Musik sowie mit Jazz und elektro- akustischer Musik forciert. Das Wiener Ladyfest geht hingegen in die Richtung der queeren Darstellungsformen, sowohl auf der Ebene der Texte als auch auf jener der Performance. Iris: Wir können und wollen die US-amerikanischen Ladyfeste nicht einfach nachahmen, weil wir in Europa andere kulturelle und sozioökonomische Verhältnisse haben. Aber jetzt zu sagen, ich sehe das Ladyfest in einer bestimmten Tradition, die fortgeführt werden soll, erscheint mir zu dirigistisch. Davon abgesehen können wir mit dem Ladyfest nicht bruchlos an die Frauenmusikfestivals andocken, weil wir nicht entlang der Kategorien „Mann“ und „Frau“ agieren. Was ist das Spezifische am Wiener Ladyfest? Prinzessin Horst: Spezifisch am Wiener Ladyfest ist die relativ große und heterogene Organisationsgruppe. Allerdings muss gesagt werden, dass der Ursprung des Ladyfest ein US-amerikanischer und weißer ist. Das spiegelt sich auch beim Wiener Ladyfest wider. Iris: Das Ladyfest zieht ein Publikum an, das einen spezifischen Musikgeschmack hat. Das ist nicht von der Herkunft zu trennen. Schon beim Ladyfest 05 gab es die Bemühungen, migrantische Gruppen einzubeziehen wie etwa eine Kooperationen mit der Schwarzen Frauen Community, aber letztlich war das Ladyfest von MehrheitsösterreicherInnen dominiert. Mir fällt in unserer Diskussion ein Widerspruch auf: Wenn wir über Herkunft sprechen, dann stehen Identitätspolitiken im Vordergrund, während bei den Kategorien Geschlecht, Mann und Frau eine anti-identitäre und queere Politik vertreten wird. Christine: Wir sind uns dessen bewusst. Das steht auch zur Diskussion und wir vertreten in Bezug auf Identitätspolitiken keine einheitliche Meinung. Wir finden uns in den Plena über die inhaltliche Ausrichtung des einzelnen Arbeitsgruppen, wobei Identitäten und Identitätspolitiken eine unterschiedlich große Rolle spielen. Prinzessin Horst: Wir sollten aber auch festhalten, dass jetzt drei mehrheitsösterreichische Ladyzzz sprechen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Migrantinnen in der Organisationsgruppe als solche definieren wollen. Innerhalb der kurzen Tradition des Wiener Ladyfest gibt es auch noch wenig Übung im Verknüpfen von Queerness mit anderen minorisierten politischen Positionen. Allerdings finde ich „queer“ nur dann interessant, wenn es sich nicht nur auf sexuelle (Nicht-)Identitäten beschränkt, sondern auch Lebens- und Erscheinungsformen mit einbezieht, die mehrheitsösterreichischen Verwaltungseinheiten zuwider laufen. Ladyfest Wien 2007 findet vom 16. bis 20. Mai 2007 statt! Ladyfest Wien 2007 ist dilettantisch, nachtaktiv, antirassistisch, queer, verschwitzt, aufruhrseelig, schamlos, unkommerziell, lesbisch, arbeitsscheu, offensiv, systemkritisch, vernetzt und feministisch. Wir erobern und politisieren die Stadt, die Bühnen, die Mikros, die Turntables, die Kameras, die Laptops, die Tanzflächen und die Mischpulte! Wir nehmen uns den Raum! „Welches Geschlecht hast du?“ Unsere Antwort auf diese Frage ist interessanter, vielfältiger, nicht-binär, revolutionärer, etc. als nur „männlich“ oder „weiblich“. Gleichzeitig versteht sich Ladyfest 07 als Teil der FrauenLesbenTransgender-Bewegung in Wien. Das Programm umfasst Musik von All Gender is Dreck, Almandindos, Cuntstunt, female:pressure, Bettina Köster, Lollobridgidas, Quote, Spicy Tigers on Speed, Spoenk, Suetoyou, Surplus People. Wir veranstalten Workshops zu Computer und Audio-Technik, Fuck Your Gender, Geldlosigkeit, Stadtverschönerung und Stadttouren zu verschiedenen Themen, Queerem Sex, Fanzines und Schreiben u.a.m. Es gibt eine Open Stage und ein Open Mic, Filmfrühstück, Ausstellungen, ... Und Ladyfest goes Sexparty! online seit 10.05.2007 13:21:49 (Printausgabe 37) autorIn und feedback : Interview: Rosa Reitsamer Links zum Artikel:
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Wechsel der Kampfstrategien Das Sarajevo Queer Festival lebt weiter [26.11.2009,Daphne Büllesbach] Eine Frage der Community Queere Filmfestivals als Repräsentationsorte: Interview mit Skadi Loist, Hamburg. [08.11.2009,Vina Yun] Per Zeitmaschine in den Boom Das enge Verhältnis der japanischen Popkultur zur Krise [27.10.2009,BW] die vorigen 3 Einträge ... die nächsten 3 Einträge ... |
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