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Soce - The elemental wizard

Ein Interview mit dem "I am so gay"-Rapper aus New York.

Ich verbringe einen Großteil meiner Zeit zuhause im Internet. Die meiste Zeit verbringe ich online auf Gayromeo. com, ein schwul ausgerichtetes Kontaktportal. Laut Wikipedia soll in Berlin- Mitte jeder 13. männliche Einwohner ein Profil (Das ist eine eigene Sub-Seite mit persönlicher Beschreibung, Fotos ... etc.) dort angelegt haben. Deshalb nennt man die Seite auch "Schwules Einwohnermeldeamt". Ein Online–Freund von mir nannte es mal "Schwuler Techno Käfig", auf Grund des wirklich trashigen Designs. Man legt sich also ein Profil an und begibt sich auf die Suche nach interessanten Charakteren. Es ist schon verwunderlich, aber nach ein paar Monaten hat man eine ganze Liste von Freunden, die man nur im seltensten Fall wirklich zu Gesicht bekommt. Aber man chattet mit ihnen, schickt ihnen mp3s oder Links zu interessanten Artikeln oder Websites. So oder ähnlich funktioniert auch Myspace.com. Über die eigene Subseite (Profil) lassen sich eigene Musikstücke, Tourdaten und Informationen zu Musikprojekten vertreiben. Mittlerweile sollen auf Myspace.com über 90 Millionen UserInnen registriert sein und sogar namhafte oder etablierte KünstlerInnen wie Madonna, Morrissey oder Coldplay verzichten nicht auf das werbeträchtige Potenzial der Community. Ein Chatter auf Gayromeo hat mich auf die Myspace Seite von Soce aufmerksam gemacht. Dort hörte ich zum ersten Mal "I am (so gay)" und fand es großartig. In Folge dessen entstand dieses Interview mit dem New Yorker Rapper.

Wie sieht dein lokaler Kontext als Künstler aus? Wo beispielsweise produzierst und performst du deine Musik?

Ich lebe in Lower Manhattan und arbeite als Computerprogrammierer im Finanzbezirk nähe der Wallstreet. Ich produziere meine Musik selbst im Elemental Palace. Sie ist eine Kombination aus Beats, Synths und Samples, die ich live einspiele (Violine, Gitarre, Bass, Singen und Rappen). Manchmal beziehe ich auch andere Musiker in meine Arbeit ein. Ich trete überall auf, am liebsten auf High School- und Hausparties. Dort sind die Menschen generall am begeisterungsfähigsten für Livemusik. Ich liebe es auch in Clubs und Bars im East Village und der Lower East Side aufzutreten. Doch das Publikum ist dort oft eher stumpf und die Clubs behalten sich den größten Teil der Eintritte, um die enorm hohen Mieten überhaupt bezahlen zu können. Ich kann wirklich behaupten, schon auf allen möglichen Veranstaltungen gespielt zu haben. Manchmal sogar in sehr unüblichen Locations wie z.B. in Synagogen, auf Paraden etc.

Ich bin auf deine Musik auf dem Portal myspace.com gestoßen. Es sieht so aus als würdest du viel Energie in die Verbreitung deiner Musik investieren. Wie sieht deine Infrastruktur aus?

Momentan mache ich eigentlich so ziemlich alles selbst, mit der Hilfe von mittlerweile Legionen von Soce Fans. Ich habe wirklich viele Kontakte via Myspace hergestellt. Ich und mein Verlag "Relevant Material Publishing" sind Teil der ASCAP (American Society of Composers, Authors and Publisher). Über die Jahre hinweg als Performer habe ich mich natürlich auch mit vielen besonderen Künstlern angefreundet. Einige von ihnen sind: Chris Fuller, Matt Singer, "The Zodiac", Kontrast, "God-des & She", Sandra Grace, "Schaffer the Darklord" und Arthur Lewis. Wir alle suchen auf unsere Art und Weise nach der Wahrheit und müssen uns in der Welt behaupten. Ich bin auch in mehrere Kollektiven involviert. Darunter Antifolk, Gay Hip Hop, Outmusic, Artstars, the Teabag, Cinemarosa und einige mehr.

Hier in Wien gibt es kaum Sparten spezifisch schwuler Subkultur (z.B. Hip Hop, Indie…). Wie würdest du die Gay-HipHop-Szene in den USA beschreiben?

Die Gay-HipHop-Szene hier ist klein aber stark. Da gibt es ungefähr 10 schwule Rapper in New York. Vermutlich noch mehr von uns in Kalifornien, Chicago, Atlanta, UK und überall anders. Wir haben immer wieder Gay-HipHop-Shows in Amerika und Europa - wie z.B. das "Peace Out Festival" - und es gab auch schon mehrere Dokumentationen über uns, z.B. "Hip Hop Homos" und "Pick up the Mic".

Was bedeutet "Queer" heute im Bereich Kunst? Bands wie die "Hidden Cameras" sind ja bekannt geworden mit einem ganz starken visuellen Konzept und Techniken, die versuchen, den "Mainstream" zu vermeiden wie z.B. "Artworks" und ihre "Performances". Trotzdem geht es in ihrer Musik ganz konkret darum, schwul zu sein. Wie siehst Du das?

In erster Linie möchte ich als jemand bekannt sein, der gute Musik macht. Ich möchte aber auch auf keinen Fall leugnen, dass ich schwul bin. Ich versuche also das zu schreiben, wie ich mich fühle und nichts zurückzuhalten. Als ich den Song "The Lemon Incident" schrieb, habe ich permanent gegen die Homophobie in der Hip Hop-Szene angekämpft. Deshalb waren meine Lyrics sehr vehement und wütend, obwohl ich trotzdem versucht habe, diesen albernen Soce-Charme zu behalten. Heute denke ich, dass ich mich als schwuler MC etabliert habe. Also möchte ich in andere Bereiche vordringen. Ich bespreche den Fakt, das ich schwul bin, mache es aber trotzdem nicht zum zentralsten anschaulichen Detail meiner Arbeit. Mir gefällt es auch sehr, andere Künstler zu produzieren, so dass sie Ihre eigene Haltung aufbauen können, während ich am Boden bleibe, ohne irgendwelche Agenden aufzubauen zu müssen.


Interview: Armin Lorenz Gerold

Die ungekürzte Fassung dieses Interviews ist im Butter Magazin Nr. nachzulesen, erhältlich unter butterclub@gmx.at oder im Polyklamott
Link:


online seit 21.08.2006 11:18:58 (Printausgabe 33)
autorIn und feedback : Armin Lorenz Gerold


Links zum Artikel:
www.socetew.com/
www.myspace.com/soce



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