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Ahmed, Marcus, Seibani und die anderen

19. Februar 1999: Der Senegalese Ahmed F. stirbt bei seiner Verhaftung im Zuge einer Drogenkontrolle. Todesursache war eine Drogenkugel, die in seiner Luftröhre steckengeblieben war. Wahrscheinlich hatten die Polizisten seinen Hals zugedrückt, um zu verhindern, dass er die Drogenkugel schluckt.

1. Mai 1999: Der Nigerianer Marcus Omofuma stirbt im Zuge seiner Abschiebung. Die Fremdenpolizisten hatten ihm Mund und Brust derart mit Klebebändern verschnürt, dass er während des Abschiebefluges erstickte. Die Polizisten wurden zu acht Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Der Richter ortete „eine gewisse Mitschuld“ Omofumas.

4. Mai 2000: Der Nigerianer Richard Ibekwe wird in seiner Zelle im Wiener Jugendgerichtshof tot aufgefunden. Er soll Suchtgiftkugeln verschluckt haben, die sich in dieser Nacht in seinem Magen auflösten. Ein solcher Tod dauert Stunden und ist äußerst qualvoll. Die Wachebeamten hatten nichts davon bemerkt.

4. Mai 2000: Es wird bekannt, dass zuvor schon der Slowake Lubomir B. unter ähnlich zweifelhaften Umständen in seiner Gefängniszelle gestorben ist.

17. Mai 2000: Der 5-jährige afghanische Flüchtling Hamid Sabur stirbt nach einer schweren Erkrankung. Ein praktischer Arzt und später die Gemeindeärztin jenes Ortes im Burgenland, in dem Hamid mit seiner Familie in einer Flüchtlingspension lebte, hatten ihn untersucht, aber nichts weiteres unternommen. Am Ende starb Hamid im Krankenhaus an einer ausgeprägten Herzerweiterung und einer wässrigen Lungenschwellung.

19. Mai 2000: Der Österreicher Imre Bartos wird als vermeintlicher Drogendealer und „Ausländer“ von einem Polizisten erschossen. Imre Bartos war unbewaffnet und leistete keinen Widerstand, der Polizist wurde später vom Gericht im Zweifel freigesprochen, weil er wohl „reflexartig” bzw. versehentlich geschossen habe.

28. November 2000: Samuel Bardhi, 6 Monate alter kosovarischer Flüchtling, stirbt an einer Lungenentzündung. LH Haider und das Land Kärnten hatten eigenmächtig Flüchtlinge nach Traiskirchen geschickt, für die sie sich nicht zuständig fühlten. Samuels Familie tat, wie ihnen geheißen, stand dann stundenlang vor den Toren des Lagers, Samuel war da bereits krank. Die Familie wurde schließlich in einem Auto mit kaputtem Fenster zurück nach Klagenfurt gebracht. Samuel begann bald danach, Blut zu spucken. Ein zugezogener Arzt war nicht beunruhigt. Als Samuel dann schließlich doch ins Spital kam, war es zu spät.

3. August 2001: Der jugendliche Nigerianer Johnson O. stirbt nach einem Selbstmordversuch. Er hatte sich in Verzweiflung aus dem Fenster eines Richterzimmers des Jugendgerichtshofs gestürzt, nachdem ihm der Richter mit dem Erwachsenengefängnis gedroht und vorgeworfen hatte, älter zu sein, als er angab. Sein Asylantrag war als „offensichtlich unbegründet“ abgewiesen worden, und nach der Verurteilung konnte er nicht mehr auf einen geregelten Aufenthalt hoffen.

15. Juli 2003: Der Mauretanier Seibani Wague stirbt nach einer Amtshandlung von Polizei und Wiener Rettung im Afrika Kulturdorf.

12. August 2003: Ein 24-jähriger tschetschenischer Asylwerber stirbt in Traiskirchen im Zuge einer Massenschlägerei, bei der weitere 30 Beteiligte teilweise schwer verletzt werden. Die momentan etwa 800 Flüchtlinge in Traiskirchen dürfen nicht arbeiten, leben auf engstem Raum zusammen, unter schlechten sanitären Bedingungen, ohne psychische Betreuung, eine ungewisse Zukunft vor Augen, ohne zu wissen, wie lange sie ihm Lager bleiben werden – eine zusammengepferchte Schicksalsgemeinschaft von Frauen, Männern und Kindern aus aller Welt, die meist traumatisiert oder zumindest durch Flucht, Festnahme und Lagerleben schwer gestresst sind. Seit der Privatisierung der Lagerleitung herrscht akuter Personalmangel, die finanzielle Aufwendung für die Flüchtlinge hat sich um fast ein Drittel verringert.

online seit 26.09.2003 20:57:22 (Printausgabe 15)
autorIn und feedback : Annika Settergren




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