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Wahlkampf mit Kultur ...leider ohne MigrantInnen Im aktuellen Wiener Wahlkampf fällt auch ein bisschen Aufmerksamkeit für die Kulturszene ab: Im Juni lud Kulturstadtrat Mailath-Pokorny zu einer Veranstaltung, bei der ein Thesenpapier mit dem Titel „Wien denkt weiter“ vorgestellt wurde. Erstellt wurde das von einer Arbeitsgruppe etablierter Menschen aus dem Kulturbereich, die nicht bloß der überkommenen „Hochkultur“ verpflichtet sind, sondern zum Teil Bezüge zu einem avancierten Kulturverständnis, zur Jugendkultur und emanzipatorischem Denken aufweisen. Bei aller Bemühtheit um Offenheit und Abgrenzung von platt neoliberalen Creative Industries-Instrumentalisierungen blieb doch ein markanter Schönheitsfehler: „Obwohl die MA 7 im Vorjahr eine Studie über „Transkulturelle Konzepte für Wien“ in Auftrag gegeben hatte, lud der Kulturstadtrat gestern zu einem Kongress über Kulturpolitik, zu dem nicht nur niemand von den AutorInnen der Studie, sondern überhaupt KEINe EINZIGEr MigrantIn aufs Podium oder als LeiterIn der Arbeitsgruppen geladen war. (Die Studie hat man sang- und klanglos in der Schublade verschwinden lassen.)… Dafür waren in den Arbeitsgruppen so tolle Statements zu hören wie "Ja, wie können WIR DIE denn integrieren?"… Das ganze pseudodemokratische Getue des Kongresses ist wie immer: Demokratie nur für Inländerinnen!“ berichtet die Film- und Theatermacherin Tina Leisch. Die genannte Studie „Kunst, Kultur und Theater für alle! Impulse für eine transkulturelle Theateroffensive“ von Ljubomir Bratic, Sarah Galehr, Andreas Görg und Gabriele Pfeiffer fordert die überfällige Berücksichtigung starker migrantischer Präsenz in der Stadt für die Kulturpolitik ein. MigrantInnen haben demnach deutlich weniger Zugang zu jenen Ressourcen, die für das Kunst- und Kulturschaffen von Relevanz sind. Seit Abschaffung des Integrationsfonds 2003 kamen die zarten Versuche der Neunziger Jahre, Impulse für multikulturelle Projekte zu setzen, praktisch zum Erliegen. Mit Verweis auf Städte wie London und Amsterdam argumentiert die Studie eine Kulturpolitik, die etwa Kulturzentren in migrantischen Communities stärkt, oder im Kulturbetrieb eine aktive Nachwuchssuche auch in migrantischen Communities pflegt, und dadurch kulturelle Impulse abseits einer museal-bürgerlichen Traditionspflege erhält. Formale Ausbildungsveranstaltungen, Stipendien, Kulturfonds und Errichtung eines ExpertInnen-Pools abseits einer sozialarbeiterischen Ausrichtung werden gefordert. Damit könnte eine Entwicklung hin zu einer neuen Wir-Konstruktion auf den Weg gebracht werden. Die Gefahr der kulturellen Instrumentalisierung und Rassifizierung von MigrantInnen als exotische Folklore-TrägerInnen soll durch Bereitstellung eigener Ressourcen begegnet werden, die selbstbestimmtes Arbeiten ermöglichen. Für den Wahlkampf ist das scheinbar kein attraktives Anliegen – was wieder zum nächsten Thema führt: Dass die meisten MigrantInnen in Wien gar nicht wahlberechtigt sind... online seit 28.06.2010 11:50:53 autorIn und feedback : regieren Links zum Artikel:
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