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  Be prepared!

Was es bringt, sich an die Bewegung GegenSchwarzBlau 2000 zu erinnern?

Persönlich:
Blöde Frage! Dass ich sowas erleben durfte, ... dass mehrere Leute verschiedenen Alters, die eigentlich auf die Straßenbahn warten, sich spontan einer unangemeldeten Demo anschließen, ... dass in jeder zweiten Straße rote Tücher aus den Fenstern hängen und Menschen quer durch alle Schichten den Demos zujubeln, ... dass im Radio durchgesagt wird, wo die Demo grad ist und laufend Leute dazustoßen, ... sapperlot, soziale Bewegung, das kann was, ... bei jeder Aktion so viel mehr power dahinter, ... alles, was Du anpackst, wird potenziert, weil sofort andere von überall her mit anpacken, ... alles geht extrem schnell und einfach, alle sind auf speed, ... wer vorher und nachher die Mühen der Ebene bzw. das Schwimmen gegen den Strom gewöhnt war, wird bestätigen: Geil!

Politisch:
Auch geil! Die Lage war unübersichtlich. Viele Unorganisierte suchten irgendwo Anschluss. In dieser Situation zählt plötzlich das bessere Argument, dem sich niemand verschließen kann, ohne sich ins Out zu katapultieren. Da wurden Diskussionen zwischen verschiedenen Organisationen und gescheiten Leuten plötzlich diskursbildend, was ja in normalen Zeiten genau nicht der Fall ist. Denn normalerweise wird kaum über die Grenzen der eigenen Organisation hinaus diskutiert (sondern höchstens proklamiert). Und wenn doch mal Leute zusammenkommen, die sich wechselseitig zum Nachdenken bringen und Neues erzählen, dann faktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. 2000 haben wir in unseren eigenen Medien eine zweite politische Arena parallel zum Kasperltheater der institutionellen Politik geschaffen. In dieser Arena wurde die Forderung nach Neuwahlen durch die Migrant_innen in Frage gestellt. Einfach neu wählen konnte einleuchtenderweise ohne Wahlrecht für Migrant_innen nicht antirassistisch sein, zumal sich die SPÖ in der Regierung vorher in keinster Weise antirassistisch hervorgetan hatte. Endlich konnten wir die Organisationen aus dem SP-Vorfeld und ihren moralischen Antirassismus in die Schranken weisen. Zu normalen Zeiten konnten diese Organisationen immer ihre Mobilisierungsfähigkeit und ihr Geld gegen unsere Argumente stellen. Aber als die Menschen plötzlich in Bewegung und interessiert waren, ... Bussi ...

Organisatorisch:
Ich war damals zweifach überrascht. Erstens hab ich Schüssel die rechts-rechtsextreme Regierungsbildung nicht zugetraut. Zweitens hab ich auch die Heftigkeit der Auslandsreaktionen unterschätzt. Dennoch waren wir auf die soziale Welle gut vorbereitet. Wir waren als antirassistische Szene vernetzt. Der PC hatte gerade mal seit 1998 Einzug in die Haushalte gehalten. Im Jahr 1999 haben wir unsere mailinglisten aufgebaut, i.e. schamlos alle greifbaren email-Adressen gekapert. 2000 waren wir dann die Internetgeneration und machten den Computer zum politischen Massenmedium. Und wir waren als Aktivist_innen eingespielt, konnten uns bei Demos und Aktionen auch in brenzligen Situationen aufeinander verlassen. In diesem Sinne: You never know, so be prepared!




online seit 09.02.2010 11:58:39 (Printausgabe 49)
autorIn und feedback : Andreas Görg




Was wurde eigentlich aus...?

Ein Update zu MALMOE-Themen in früheren Ausgaben. Folge 18: A Letter to the Stars
[29.07.2010]


Wahlkampf mit Kultur

...leider ohne MigrantInnen
[28.06.2010]


Wahlkampf mit dem Gummiknüppel

Demonstrieren ist in Wien derzeit gefährlich
[23.06.2010]


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