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Oberziel Wiederwahl Felix Ehrnhöfer über Arbeit im Parlament Traumjob BerufsaktivistIn? Was verändert sich, wenn sich Engagement „bezahlt macht“? Welchen Einfluss hat die Bezahlung politischer Tätigkeit auf persönliches Engagement, Motivation und Erwartungen von AktivistInnen, sowie letztlich auf die politischen Inhalte? MALMOE bat um Erfahrungsberichte aus den Bereichen Parlament, Gewerkschaft, und feministischer bzw. linker Gruppen. Teil 1: Felix Ehrnhöfer über Arbeit im Parlament Während meines Studiums habe ich unter anderem den StudentInnenstreik 1986 an der rechtswissenschaftlichen Fakultät mitorganisiert. Aus diesem ging eine fortschrittliche JuristInnengruppe und später die alternative Zeitschrift „Juridikum“ hervor. Fraktionell war ich im KSV „organisiert“. Ich habe in dieser Zeit viel darüber gelernt, wie einzelne Menschen, soziale Gruppen und politische Entscheidungen „funktionieren“. Außerdem haben wir uns kritisch mit unserem Studienfach beschäftigt und damit die Qualität der Ausbildung erheblich aufgebessert. Über berufliche Perspektiven habe ich mir während des Studiums wenig den Kopf zerbrochen. Befürchtet habe ich, dass das Berufsleben nicht viel spannender wird als das Studium. Erst gegen Ende meines Gerichtsjahres habe ich mich – widerwillig – damit zu beschäftigen begonnen, wo ich das weitere Berufsleben verbringen werde. Ich habe mich bei der Volksbank und bei der Großbetriebsprüfung der Finanzverwaltung beworben. Also mäßig spannend. Als der Grüne Parlamentsklub Ende 1990 die Stelle eines leitenden Klubsekretärs ausgeschrieben hat, habe ich mich auch dort beworben, natürlich ohne meine politische Vergangenheit zu verschweigen. Es war mein erster Kontakt mit diesem politischen Lager. Daher war ich überrascht darüber, dass sich die damalige Klubführung für mich entschieden hat. Erwartungen an den Job Politisch habe ich mit den Grünen keine Hoffnungen verbunden. Ich hatte eigentlich auch nur eine vage Vorstellung darüber, wofür die Grünen stehen. Erfreulicherweise ist es – gerade am Anfang meiner Tätigkeit – nur selten vorgekommen, dass die Grünen politische Ziele verfolgt haben, die ich mit meinem Gewissen nicht hätte vereinbaren können. In diesen Fällen habe ich mich damit getröstet, dass die Grünen den Gang der Geschichte in innenpolitischen Fragen kaum, in außenpolitischen gar nicht beeinflussen konnten. Schizophren hätte ich es allerdings gefunden, wenn ich für eine andere Partei erheblich mehr Sympathien gehabt hätte, als für die Grünen. In Ermangelung einer realistischen linken politischen Alternative war das lange Zeit auch nicht der Fall. Meine Erwartungen an den Job waren somit wenig politisch geprägt: Ich habe mir eine interessante und abwechslungsreiche Tätigkeit versprochen und diese Erwartung ist erfüllt worden. Klubdirektor des Grünen Parlamentsklubs Ein Klubsekretär (in den letzten Jahren hat sich auch bei den Grünen der Titel „Klubdirektor“ eingebürgert) leitet den Mitarbeiterstab eines Parlamentsklubs. Er untersteht dabei direkt der Klubführung. Gewählt wird die Klubführung von der Vollversammlung der Mandatare. „Führung“ ist in dieser Umgebung ein ständiger Aushandlungsprozess zwischen Einzelinteressen der Klubmitglieder und den gemeinsamen Zielen der Partei(-führung), wobei letztere natürlich auch ausgehandelt werden müssen. Einzelinteressen meint dabei keineswegs in erster Linie inhaltliche politische Ziele einzelner Abgeordneter: Im Zentrum steht vielmehr der Kampf um Ressourcen, Zuarbeit von MitarbeiterInnen, Zugang zur Öffentlichkeit in Form von SprecherInnenrollen, Presseaussendungen, etc. Oberstes Ziel der einzelnen Abgeordneten ist ihre Wiederwahl. GegnerInnen sind dabei weniger die anderen Parteien, als die eigenen Abgeordnetenkollegen. Sie konkurrieren um die besten Listenplätze bei der nächsten parteiinternen Wiederwahl. Identifikation mit meinem Job Im beschriebenen Umfeld Führungsaufgaben wahrzunehmen ist eine große Herausforderung. Mit dieser Aufgabe habe ich mich sehr identifiziert. Ich würde das aber nicht „politische Identifikation“ nennen. Mit meiner politischen Tätigkeit während des Studiums hatte mein Job bei den Grünen eigentlich nichts gemeinsam. Ich habe da auch nie Vergleiche angestellt. Die Geschäftsführung eines Parlamentsklubs ist eine Managementaufgabe. Meine durch die frühere politische Tätigkeit erworbenen Fähigkeiten waren zur Bewältigung dieser Aufgabe sehr hilfreich. Sie haben mir überhaupt erst ermöglicht, mich in diesem Umfeld zu orientieren und organisationspolitisch sinnvoll zu agieren. Ende meiner Tätigkeit bei den Grünen Eine meiner Strategien meine Erfahrungen zu verarbeiten war (und ist wohl noch immer) Zynismus. Auf die Dauer ist das nicht gesund. Zudem sind meine Möglichkeiten, mich beruflich und persönlich bei den Grünen weiter zu entwickeln, an Grenzen gestoßen. Auch politisch stehen die Grünen inzwischen wohl nicht mehr links von der SPÖ, sondern zwischen den beiden großen Lagern. Ausdruck dieser veränderten Positionierung ist auch die um die ÖVP erweiterte Koalitionsoption. All das hat dazu geführt, dass ich 2005 meine Tätigkeit bei den Grünen beendet habe und jetzt einen „klassischen“ juristischen Beruf ausübe. online seit 06.06.2008 16:01:43 (Printausgabe 41) autorIn und feedback : Felix Ehrnhöfer |
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