![]() |
| |
|
|
||||
| |
||||||
|
Die Krise der Städte Zur Monographie „Planet der Slums“ von Mike Davis In nächster Zeit wird mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten wohnen. Auch schon Grund genug ein Buch darüber zu schreiben. Aber nachdem das stärkste Wachstum städtische Gebiete ohne ausreichende Infrastruktur betrifft, in denen das wirtschaftliche Wachstum in keiner Relation zu der Zunahme der Wohnbevölkerung steht, wird die zunehmende Urbanisierung von einer weiteren Entwicklung begleitet, die Mike Davis zum Fokus seines Buches macht: dem wachsenden Anteil der in Slums (über)lebenden Menschen an der städtischen Bevölkerung. Der UN-Habitat-Bericht „The Challenge of Slums“ von 2003 definiert Slums als überfüllte, ärmliche bzw. informelle Unterkünfte ohne angemessenen Zugang zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen, sowie ungesicherter Verfügungsgewalt über Grund und Boden. 2005 wohnten weltweit eine Milliarde Menschen unter diesen Bedingungen. Gleichzeitig steigt die Zahl der informell Beschäftigten, die Davis als die „am schnellsten wachsende soziale Klasse und historisch ohne Beispiel“ beschreibt. Davis konstatiert mit der Übernahme der Gestaltung der städtischen Wohnungspolitik durch die Bretton-Woods-Institutionen IWF und Weltbank in den 1970ern die Ablöse der spärlichen Ansätze kommunaler Wohnbaupolitik durch die Maxime der „Hilfe zur Selbsthilfe“ über Mikrokredite. Die Zugangskriterien der Programme zur Sanierung von Slums und Übertragung von Besitztiteln an die BewohnerInnen erfüllten jedoch fast nur Mittelschichtsangehörige, wodurch die Besitzkonzentration innerhalb der Slums zunahm. Die zeitgleich umgesetzten neoliberalen Strukturanpassungsprogramme führten durch den Abbau öffentlicher Dienstleistungen und Deindustrialisierung zu sinkenden Einkommen eines Großteils der Bevölkerung in den betroffenen Ländern. Gleichzeitig stiegen durch den Rückgang der staatlichen Grundversorgung die Preise für Trinkwasser und Sanitäranlagen. So wie in Mumbai aktuell das von 600.000 Menschen bewohnte Viertel Dharavi geräumt werden soll, da es durch die Ausdehnung der Stadt mittlerweile in Zentrumsnähe liegt und als Wirtschaftsviertel projektiert ist, beschreibt Davis in welchem Ausmaß seit den 1950er Jahren Slumräumungen stattfanden. Diese unter dem Anspruch der Stadtentwicklung und -verschönerung durchgesetzten Zwangsumsiedelungen an die Peripherie werden oftmals von einer rhetorischen Kriminalisierung der BewohnerInnen begleitet. Indem Davis die Gewaltförmigkeit von ungleicher Ressourcen- und Machtverteilung hervorhebt, stellt er die „Mythen der Informalität“ und Multitude zur Disposition, da er darin keine reale politisch-soziale Grundlage sieht, auf diese Entwicklungen, die immer mehr Menschen aus der globalen Produktion und Konsumtion exkludieren, zu reagieren. Jedoch stützt sich Davis hauptsächlich auf UN-Quellen und akademische Studien, wodurch er die Strategien und Widerstände der von ihm beschriebenen Menschen in seiner Analyse ausklammert. Der starke Fokus auf die Bretton-Woods-Organisationen verleitet dazu die krisenhafte Entwicklung globaler kapitalistischer Produktion als von diesen Institutionen gelenkt zu denken. Trotz der Fülle der eingearbeiteten Informationen bietet das Buch durch den journalistischen Stil eine einfache Einführung in das Thema, erzeugt aber die Illusion der Homogenität regionaler und historischer Entwicklungen. Dies führt dazu, dass Davis in seinem Blickwinkel und der Wortwahl den „sanften Imperialismus“, den er internationalen NGOs vorwirft, reproduziert. Es empfiehlt sich also weiterführende Lektüre, wie beispielsweise der Artikel „Coffin For The Councillor (Or, The Left In The Slums)“ von Richard Pithouse, der in der Jänner-Ausgabe des englischsprachigen Magazin Mute erschienen ist. Mike Davis „Planet der Slums“, Assoziation A, Berlin 2007 online seit 11.02.2008 10:30:42 (Printausgabe 39) autorIn und feedback : Marion Stöger |
|
Macht keinen Blödsinn! Ideologie, Kalter Krieg und sogar die Geschichte: Allerhand scheint zu Ende gegangen zu sein, in Italien. [28.04.2008,Ingo Lauggas] Es gibt keinen diskursiven Raum ... ...für SexarbeiterInnenrechte [27.03.2008,MS] Reproduktion? Deproduktion! Sarah Diehl, Herausgeberin der Anthologie „Deproduktion. Schwangerschaftsabbruch im internationalen Kontext“, im MALMOE-Interview [11.03.2008,Interview: Vina Yun] die nächsten 3 Einträge ... |
||||
![]() |