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Prügelnde Neonazis und halbherziger Antifaschismus Das pmk in Innsbruck ist Brennpunkt von Auseinandersetzungen Interview mit Michael, Antifaschist aus Innsbruck und regelmäßiger Gast der Ausgehmeile Viaduktbögen, wo es am Samstag, dem 22.9.07 nächtens zu einem Überfall auf das linke Kulturzentrum p.m.k. durch 15 vermummte Neonazis kam. Die Angreifer zertrümmerten während einer Hip-Hop Veranstaltung mit eisernen Mistkübeln die gesamte Fensterfront. BesucherInnen, die vor den herumfliegenden Glassplittern auf die Straße flüchteten, wurden attackiert. MALMOE: Was ist die p.m.k., wann ist sie entstanden und was war die Idee dahinter? Michael: P.M.K. steht für die Plattform mobiler Kulturvereine und es gibt sie seit drei Jahren. Sie entstand aus Notwendigkeit und dem Raumbedarf von vielen verschiedenen Kulturinitiativen. Nach einer Besetzung gab es Verhandlungen mit der Stadt. Es wurde dann ein Viaduktbogen zur Verfügung gestellt, in dem sich die p.m.k. ein Zuhause einrichten konnte. Dazu muss man wissen, dass die Viaduktbogenmeile viele Party-Lokale beherbergt und dies für Ausgehwillige das Wochenendprogramm darstellt, die p.m.k. also an einem guten Standort eingebettet ist. Die p.m.k. besteht aus mehreren Vereinen, die unterschiedlichste Musikbranchen abdecken, wie Hip Hop, Punk, Drum´n´Bass und überhaupt sehr viel Elektronik. Auch Filmgruppen und Theatervereine sind in der p.m.k. organisiert. Es umschließt die gesamte kulturelle Bandbreite bis hin zu einem Architekturverein. Wie fingen die Probleme an? In dieser Vielfalt von Vereinen, die sich alle allgemein auch als antifaschistisch bezeichnen und wo das von den BesucherInnen auch nach Außen getragen wird, ist das sicher allen Rechtsradikalen ein Dorn im Auge. Die Schwierigkeiten begannen vor circa eineinhalb Jahren, als ein paar Viaduktbögen weiter ein Lokal namens Kuastall eröffnete, welches zu einem Treffpunkt der rechtsradikalen Szene wurde. In den Hinterräumen des Lokals hingen Hakenkreuzfahnen, ob das jetzt noch der Fall ist, weiß ich aber nicht. Gegenüber liegt weiters das Café Rubin, welches ebenfalls von solchen Leuten frequentiert wird. Die Pächter sind miteinander verwandt und ich konnte beobachten, wie die Türsteher bzw. Mitarbeiter beider Lokale bei Schlägereien in Erscheinung traten und Teil des rechtsradikalen Mobs waren. Jugendliche grölen vor den Lokalen regelmäßig den Hitlergruß und Naziparolen, auch in Anwesenheit der Polizei. Diese tut das ab mit dem Argument, die Person könnte ja auch jemandem winken. Der Vorfall an diesem Wochenende war ein Höhepunkt nach einer Reihe von Angriffen, die immer wieder stattgefunden haben. Es galt für diese Jugendlichen als Mutprobe, vor der p.m.k. auf und abzugehen, und deren BesucherInnen zu provozieren um Auseinandersetzungen herbeizuführen. Ist die Neonazi-Szene in Innsbruck im Aufwind? Seit einem Jahr sind sie anstrengender geworden. Früher trafen sie sich im Triple7 beim Einkaufszentrum Sielpark. Nach öffentlichem Druck auf die Inhaber Tiroler Sparkasse/Erste Bank kündigten diese dem Mieter. Danach verschoben die Rechtsradikalen ihren Treffpunkt allerdings viel näher an das öffentliche Geschehen, mitten in die Bogenmeile. Viele Jugendliche, die nach außen hin gar nicht mehr als Rechtsradikale oder Skinheads erkennbar sind, schlossen sich ihnen im letzten Jahr an. Es gab dann immer mehr Schlägereien, diesen Sommer dann schon fast an jedem Wochenende. Das hat immer gleich ausgesehen: ab einer gewissen Uhrzeit, ab 2.00, 3.00 Uhr früh, nachdem sich diese Leute Mut angetrunken haben, fingen sie an zu provozieren. Wenn bei der p.m.k. niemand da oder gar geschlossen war, weil an diesem Tag keine Veranstaltung war, attackierten sie MigrantInnen oder einfach irgendwelche Jugendliche. Das ist kein Bandenkrieg „Links gegen Rechts“, wie das medial manchmal dargestellt wird. Wenn sie überhaupt niemand gefunden haben, verprügelten sie sich auch gegenseitig, das kommt immer wieder vor. Der Vorfall vom 22.9. zeigt jedoch eine massive Steigerung ihres Organisationsgrades. Früher war das ein Haufen von besoffenen Rechten, diesmal wurden schon Tage vor dem Angriff auf die p.m.k. rechte Parolen samt Hakenkreuz gesprayt. Das heißt es gibt Führungsstrukturen und Leute, die Pläne vorgeben. Die Angreifer waren teilweise vermummt, die Aktion war also von vornherein geplant. Die Nazis vernetzen sich mit anderen Städten, es kursierten Flugblätter des BFJ – Oberösterreich in Innsbruck. Vor einigen Monaten gab es ein konspiratives Treffen mit ca. 40-50 Teilnehmern aus Feldkirch, Braunau und aus Deutschland. Wie verhalten sich das Ausgehpublikum der Partymeile und die diversen Vereine der p.m.k., und welche Perspektiven gibt es, um der braunen Pest Einhalt zu gebieten? Das „normale“ Ausgehpublikum absentiert sich, die Bogenmeile verkommt zu einem Ort, der nicht mehr gern frequentiert wird. Das ist kein Wunder, denn wenn du jedes Wochenende, ob du willst oder nicht, in eine Schlägerei gerätst, wirst du dich irgendwann fernhalten. Neben den direkten Aktionen auf der Straße wäre es notwendig, mediale Aufklärungsarbeit zu leisten. Viele Menschen wissen nichts über die Umtriebe der Neonazis, oder sie verhalten sich viel zu indifferent. Zu kritisieren ist sicherlich der meiner Meinung nach halbherzige Antifaschismus vieler Vereine und der p.m.k. im Gesamten. Es reicht nicht, ein Statement auf die Homepage zu stellen, nach Hause zu gehen, und draußen geht alles weiter wie zuvor. Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist fruchtlos und ändert nichts am zugrunde liegenden Problem. Den Selbstschutz der p.m.k. zu organisieren ist zu wenig, die p.m.k. muss in die Offensive gehen. Es kann keinen gemächlichen Kulturbetrieb geben, wenn ein paar Meter weiter Neonazis Nachwuchs rekrutieren und ihr menschenverachtendes Gedankengut verbreiten. online seit 31.10.2007 10:55:10 (Printausgabe 39) autorIn und feedback : Interview: Karl Neumayer Links zum Artikel:
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Macht keinen Blödsinn! Ideologie, Kalter Krieg und sogar die Geschichte: Allerhand scheint zu Ende gegangen zu sein, in Italien. [28.04.2008,Ingo Lauggas] Es gibt keinen diskursiven Raum ... ...für SexarbeiterInnenrechte [27.03.2008,MS] Reproduktion? Deproduktion! Sarah Diehl, Herausgeberin der Anthologie „Deproduktion. Schwangerschaftsabbruch im internationalen Kontext“, im MALMOE-Interview [11.03.2008,Interview: Vina Yun] die nächsten 3 Einträge ... |
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