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empire Krieg im Frieden War das jetzt Krieg? Wird das jetzt Frieden? Oder ist nicht sowieso immer Krieg? "Ist nicht das Machtverhältnis im Grunde ein Verhältnis der Konfrontation, des Todeskampfes, des Krieges? Muss man nicht unterhalb von Frieden, Ordnung, Reichtum, Autorität, unterhalb der ruhigen Ordnung der Unterordnungen, unterhalb des Staates und der Staatsapparate, unterhalb der Gesetze usw. eine Art primitiven Krieg hören und wieder entdecken?", fragte Michel Foucault und meinte, Clausewitz habe mit seinem bekannten Aphorismus nur die viel frühere Behauptung umgedreht, wonach Politik die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln sei. Der Krieg und die Kriege. Üblicherweise stoßen sich die satten WohlstandsbürgerInnen des Nordwestens ja nicht daran, dass irgendwo in der Welt gerade Krieg ist. Ist halt so. War immer schon so. Und wird auch so bleiben. Man ignoriert das wie Hunger, Seuchen, Armut, Unbildung und anderes Unglück. Das sind nicht unsere Probleme, wir haben sie nicht, wir machen sie bloß. „Der Krieg erreicht die Metropolen“, sagte einer am 11. September. Was für ein Unsinn, denn erstens war das kein Krieg und zweitens ist der Krieg in den Metropolen sowieso immer gegenwärtig. An etwas nicht zu denken, es nicht zu benennen, heißt ja nicht, dass es nicht existiert. Morde und Überfälle im Minutentakt, massenhaft Drogen- und Verkehrstote, die Verheizung von Menschen in Ausbeutungsverhältnissen sind Alltag. Nicht unbedingt zu vergleichen mit dem, was das Militärische anrichten kann, aber Frieden wäre doch wohl etwas anderes. Und dann: Gewalt ist doch prima. Peng, peng! Gotcha! Gehobenes Management, Straßenverkehr, Computerspiele — man ist daran gewöhnt, einander umzubringen. Symbolisch oder stellvertretend oder indirekt, aber immer real. Leben und sterben lassen, heißt das dann vornehm; die anderen müssen weg, damit man selber bleiben darf. Die Wehrpflicht ist ja nur ein juristisches Detail, auch ohne sie ist der Militarismus vorherrschend, wären fast alle braven Bürgerinnen und Bürger bereit, im Fall des Falles mit der Waffe in der Hand das Vaterland zu verteidigen. Oder Haus und Hof. Oder einen Kleinwagen. Oder eine Briefmarke. Oder den Anspruch auf eine Briefmarke. Krieg ist normal. Nicht unbedingt, wenn er einem mit dem Hintern ins Gesicht fährt, aber wenn er schön dort bleibt, wo er ja irgendwie hingehört, bei den anderen, wenn er ein nüchern-besorgtes Gesicht aufsetzt und etwas von Realismus, Sachzwängen und letzten Mitteln murmelt, dann ist er nichts Besonderes. Kein Freund, aber ein guter Bekannter, jemand, mit dem man Geschäfte machen kann, weil man einander vertraut. Der Krieg als militärisches Geschehen ist nur unbeliebt, wenn man ihn verliert oder nicht an ihm verdient. Das ist derzeit für die satten WohlstandsbürgerInnen nicht der Fall. Warum also gegen etwas sein, zu dem es ohnehin keine Alternative gibt? Der Frieden ist schließlich auch nur ein Krieg. Der Krieg als militärisches Geschehen ist nur unbeliebt, wenn man ihn verliert oder nicht an ihm verdient. Das ist derzeit für die satten WohlstandsbürgerInnen nicht der Fall. Warum also gegen etwas sein, zu dem es ohnehin keine Alternative gibt? Der Frieden ist schließlich auch nur ein Krieg. online seit 15.01.2002 00:00:00 (Printausgabe 2/2001) autorIn und feedback : Stefan Broniowski |
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