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Antisemitische Weltenretter

Die Affäre Chávez

Zum Weihnachtsfest 2005 predigt der venezolanische Präsident Hugo Chávez in einer Drogenentziehungsanstalt in Miranda über die Notwendigkeit eines neuen „Jesus Christus, denn die Welt, die Welt, täglich geht die Welt ein Stück unter, Tag für Tag, die Reichtümer der Welt, weil Gott, die Natur ist weise (...) Die Welt hat genug für alle, nun, es ist jedoch so, dass einige Minderheiten, die Nachfahren jener, die Jesus Christus kreuzigten, die Nachfahren jener, die Bolívar von hier vertrieben, und ihn ebenfalls auf ihre Weise in Santa Marta kreuzigten, dort in Kolumbien, diese Minderheit hat sich der Reichtümer der Welt bemächtigt, eine Minderheit hat sich des Goldes des Planeten bemächtigt, des Silbers, der Mineralstoffe, der Gewässer, der fruchtbaren Böden, des Öls, der Reichtümer, nun, und sie haben den Reichtum in wenigen Händen konzentriert“. Wen der offensichtlich in Trance geratene Chávez mit „Christusmörder“ meinte, ist für katholisch sozialisierte nicht schwer zu erraten. Doch wer hat Simón Bolívar – der in Wahrheit an Tuberkulose zu Grunde ging - gekreuzigt?

Chávez wird nicht das erste Mal mit Antisemitismus in Zusammenhang gebracht. Norberto Ceresole (1943 – 2003), ein argentinischer Nazi und Autor einer Unmenge holocaust-leugnender und antisemitischer Bücher, war sein langjähriger Freund und Berater. In seinem Buch über Venezuela und Chávez “Caudillo, Ejército, Pueblo” lautet das erste Kapitel “Die jüdische Frage und der Staat Israel”. Ceresole klärt darin den Leser auf: die „Freimaurer“ (sic!) haben sich gegen Simón Bolívar verschworen und haben ihn ermordet.

Chávez liest sehr gerne und viel, wie er bei besagter Rede in der Entziehungsanstalt betont. Er hat auch ein Buch dabei, aus dem er sogleich vorträgt. „Das Leben des Jesus Christus“ von Giovanni Papini (1881 – 1956), einem italienischen Faschisten, antisemitischen Verschwörungstheoretiker und Mussolini-Bewunderer. Es gehört zu Chávez Lieblingslektüre, der in seiner Rede fortfährt und von der Aufgabe Venezuelas spricht, den Lauf der Geschichte zu ändern: „Dies ist ein enormes Unterfangen, aber mit der Hilfe von Gott, mit Jesus Christus am Kommando – denn er ist der Comandante – Jesus Christus ist der Führer und wir als seine Soldaten, wir werden es vollenden, 2000 Jahre nach Christi Geburt.“ Dem Beispiel Christi folgend, solle man so weit gehen, „sich sogar selbst für die anderen zu opfern, für das Vaterland, für die Gemeinschaft, auf diesem Weg oder mittels dessen werden wir das Vaterland retten und wir werden die Welt von hier aus retten.“

Es überrascht wenig, beunruhigt jedoch umso mehr, dass Venezuela ein Herz für das iranische Mullah-Regime entdeckt hat. Als im September die IAEO eine Resolution gegen das iranische Atomprogramm verabschieden wollte, stellte sich als einziges Land Venezuela hinter Ahmadinejad und legte ein Veto ein. Im letzten Jahr veröffentlichte die iranische Nachrichtenagentur MEHR Berichte über angebliche Vertragsabschlüsse zwischen den beiden Ländern von über einer Billion US-$. Kurz nachdem Ahmadinejad wiederholt zur Vernichtung Israels aufgerufen hatte, telefonierte er im Jänner 2006 mit den drei anti-US-amerikanischen Staatschefs, Fidel Castro, Hugo Chávez und Evo Morales. Letzterer habe ihn zu seiner Angelobung eingeladen, Chávez hofft auf einen Besuch noch im ersten Halbjahr 2006 und Fidel berichtete vom Angebot des Iran, die Ausrichtung der nächsten Konferenz der „Bewegung der blockfreien Staaten“, die in Cuba stattfinden wird, zu unterstützen. „Wir sind hier fest entschlossen, die Geschichte zu verändern” predigt Chávez, “und täglich begleiten uns dabei verschiedene Staatschefs, Präsidenten und Führer, und es werden immer mehr...”


PS: Der komplette Redetext von Chávez kann von der offiziellen Regierungsseite heruntergeladen werden:


online seit 28.02.2006 13:14:46 (Printausgabe 30)
autorIn und feedback : Mary Kreutzer


Links zum Artikel:
www.gobiernoenlinea.gob.ve
www.malmoe.org/artikel/top/1077



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