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Sonderfall Arbeitsmigration

"Vermittels Ausnahmegesetzen kann jeder Dummkopf regieren."
Camillo Cavour


Österreich sei kein Einwanderungsland, so die herrschende Politik, wenn Migrationen schon nicht zu verhindern sind, dann soll es beim Arbeitsmigrationsregime bleiben. Was bedeutet Arbeitsmigration in Zeiten von Globalisierung und Neoliberalismus?
Ein Buch von Thomas Geisen "Arbeitsmigration. WanderarbeiterInnen auf dem Weltmarkt für Arbeitskraft" behandelt verschiedene Themen und Facetten aus dem Bereich Arbeitsmigration. Arbeitsmigration wird in ihrer ideologischen Konstruktion als Sonderfall thematisiert sowie als soziale Tatsache angesehen, unabhängig von Migrationshintergründen und unterschiedlichen Migrationsmotiven.

Nationalstaatliche Ordnungsdiskurse, deren Fokus der ökonomische Nutzen und sicherheitspolitische Erwägungen sind, konstruieren und klassifizieren Typen von Migrationsgruppen, die in gesellschaftlichen Strukturen verortet werden, mit dem Ziel der Kontrolle und der Steuerung von Migrationsbewegungen. Die migrationspolitischen Regulierungsmechanismen werden durch dafür eigens geschaffene staatliche Bürokratie und Verwaltung mittels Sondergesetzgebungen, Sonderinstitutionen und Sonderabteilungen vollzogen. MigrantInnen werden damit nicht als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft wahrgenommen und behandelt, zudem wird ihr Status als AußenseiterInnen strukturell und dauerhaft verfestigt. Für MigrantInnen auf dem Arbeitsmarkt bedeutet dies, dass sie einer starken Reglementierung und Limitierung des Zugangs im Allgemeinen und einer hochgradigen Selektion im Besonderen unterworfen werden. "Migrationsprozesse sind damit zugleich Gegenstand und Instrument zur Ausübung und Stabilisierung nationalstaatlicher Souveränität." (Geisen) Gerade für die Prozesse der Arbeitsmigration ist die Ambivalenz von nationalkultureller Abschottung/Ausgrenzung und funktionaler Eingliederung/Integration konstitutiv.

Im Buch wird die Perspektive der MigrantInnen eingenommen. Neben Analysen verschiedener Migrationsprozesse und -regime wird über Fragen der konkreten Ausgestaltung der Migrationsbedingungen, der Feminisierung von Migration, der Formen und der Inhalte politischer und sozialer Unterstützungssysteme von MigrantInnen diskutiert. Mit dem Ziel, "die mit der Migration verbundenen Risken und Unwägbarkeiten abzufedern und darüber hinaus die MigrantInnen darin zu unterstützen, Hindernisse zu überwinden und sich neue Perspektiven zu erschließen." (Geisen)

Die 14 Texte–Analysen über marokkanische HausarbeiterInnen in spanischen Haushalten, philippinische HausarbeiterInnen in Hongkong und Deutschland, chinesische Arbeitsmigration nach Deutschland, ungarische VertragsarbeiterInnen in der Ex-DDR, Migration und Recht in Indien und UK, WanderarbeiterInnen in Südostasien, "neuere" Definitionen von MigrantInnen (z.B. Expatriates und Labor Migrants) sowie theoretische Reflexionen zu Migrationen (z.B. als Vergesellschaftungsprozess, als temporäre Migration.) – von internationalen AutorInnen gehören sicherlich zu den interessantesten wissenschaftlichen Abhandlungen der letzten Zeit.
Apropos Österreich: Wir kommen und gehen, wann wir wollen!


Thomas Geisen (Hg.) (2005), "Arbeitsmigration. WanderarbeiterInnen auf dem Weltmarkt für Arbeitskraft", Frankfurt/Main, London


Bemerkungen an: dionysou@gmx.net






online seit 07.11.2005 23:57:56 (Printausgabe 28)
autorIn und feedback : Dionysou Mawros




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