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  Fanzines - next Generation

Zum Gratis-Journalismus Schwerpunkt der Jubiläumsausgabe das komplette Interview mit Elke Zobl, der Macherin des Grrl Zine Networks.

Der Schwerpunkt in dessen Rahmen dieses Interview erscheinen soll behandelt "Gratis-Journalismus", vielleicht magst du zu Beginn ein paar Worte zum Verhältnis Zine / Magazin sagen. was für eine rolle spielen ökonomische [DIY, Anzeigen, etc.] bzw. ethisch-politische [wieder DIY, Feminismus, etc.] Überlegungen?

Die Bedürfnisse und Interessen vieler Menschen sind in den Massenmedien nicht abgedeckt und daher haben viele begonnen ihre eigenen Medien zu kreieren. In Zines kann jedes erdenkliche Thema in jeder möglichen Form behandelt werden – niemand muss sich ein Blatt vor den Mund nehmen. Im Protest gegen das gesellschaftliche, kulturelle und politische Korsett, deuten viele Zine HerausgeberInnen lautstark auf Missstände in unserer Gesellschaft hin. Grrrl Zines im Speziellen bieten eine Plattform für Frauen, um ihre Interessen, Gedanken und Kritiken frei auszudrücken zu können. Dies sind Stimmen, die oft im politischen, sozialen und wissenschaftlichen Diskurs unbeachtet bleiben.

Zines (und Subkultur im allgemeinen) nehmen auch oft eine Vorreiterrolle in Bezug auf Ästhetik, Sprache und Erscheinungsbild ein, die sich dann kommerzielle Magazine aneignen um "in" und "hip" zu sein. Innerhalb der Zine Szene wird oft diskutiert ab wann ein Zine ein Magazin ist. Viele Zine-MacherInnen bevorzugen es ihre Publikationen als "Zines" zu bezeichnen, um Teil der DIY Zine Gemeinschaft zu sein, manche wollen sie in der Musik-Tradition "Fanzines" nennen und wieder andere "Magazine" oder "Zeitschriften", um ein "professionelleres" Erscheinungsbild anzudeuten. Trotz der "sell-out"-Kritik bleiben viele erfolgreiche Zines, die zu Magazinen mit größeren Auflagen angewachsen sind, der Zine Gemeinschaft verbunden und schalten z.B. Anzeigen aus der alternativen Szene. Ein gutes Beispiel ist hier das US-amerikanische Bust Magazine, das aus einem "cut-and-paste"-Zine in ein professionelles Magazin mit internationalem Vertrieb gewachsen ist und sich mit Anzeigen aus der feministischen und alternative Szene finanziert.

Gleich im Anschluss: wie siehst du das Verhältnis von Fanzine-MacherInnen und klassischen JournalistInnen? Kann das ein Sprungbrett sein, oder ist das was völlig anderes?

Ja, Zines können ein Sprungbrett in den klassischen Journalismus sein. Zines sind ein Proberaum für junge SchreiberInnen, die ihre Meinung mit anderen teilen wollen und journalistisch arbeiten wollen. Viele, die einmal Zines gemacht haben, sind heute in kulturelle und journalistische Tätigkeiten involviert. Einer der Herausgeber von pressless, Javier Guerra aus Tijuana, Mexiko, hat mir zum Beispiel erzählt, dass während der 1990er Jahre ein Boom von DIY Fanzines in Tijuana stattfand und dass viele von damals heute als JournalistInnen tätig sind und eigene Magazine, Medien- und Kunstprojekte betreiben (siehe Bulbo, www.bulbo.tv).

In Diskussionen um Fanzines ist öfter [vor allem von ehemaligen Protagonisten diverser Szenen] zu hören, dass keine "neue Generation" mehr nachwachsen würde. Hast du da den selben Eindruck? Wie sieht es im besonderen bei Grrrl Zines aus? und wenn ja, wie erklärst du dir das [veränderte Medienlandschaft, Internet, etc.]? Falls nein, warum glaubst du besteht dieser Eindruck und welche Rolle spielt das Verhältnis von Internet und Zines für die "neue Generation"?

Ich habe nicht den Eindruck, dass Zines vom Aussterben bedroht sind. Im Gegenteil, ich würde sagen, dass weltweit gesehen heute sehr viele Jugendliche, und vor allem viele junge Frauen, zu Zines greifen, was oft übersehen wird. Dies hat mehrere Gründe: Viele Zines werden vorwiegend lokal vertrieben und sind nicht online vertreten, viele sind nicht in Englisch (oder Deutsch) verfasst und nennen sich vielleicht nicht "Zine" (wie z.B. "Samizdat"). Außerdem machen wir selbst uns oft nicht die Mühe, diese Zines ausfindig zu machen. Zudem sind Zines ein extrem flüchtiges Medium. Manche Genres in der Zine Szene kommen und gehen, je nachdem wer involviert ist und zu welchem Ausmaß. In den letzten 10-15 Jahren hat sich sehr viel getan, vor allem in Bezug auf die Nutzung des Internets und die Verbreitung von E-Zines.

Der "Boom" an Zines während der Riot-Grrrl-Bewegung in den 1990ern schlägt noch immer Wellen. Grrrl Zines haben sich heute in viele Ecken der Welt verbreitet. Beispiele hierfür sind u.a. Rahel, die die Thaili distro in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, betreibt und das Zine Maya herausgibt (siehe ); Emca aus Prag, die das Zine Bloody Mary schreibt; ein Frauenkollektiv in Sao Paolo, das Bendita: A Latin American women's initiative against violence towards women betreibt; Claire, die in das Zine Jawbreaker in Makati City in den Philippinen involviert ist; und und und.... Ich kann bei der Auflistung und Archivierung internationaler Grrrl Zines für meine Web Seite gar nicht mehr mithalten.

Ich bin ja über deine Website auf dich gestoßen und dein Thema sind Grrrl-Zines. Aufgefallen sind mir vor allem die wirklich weltweiten Features. Wie sieht es mit der Szene im Allgemeinen aus, und im Besonderen mit ihrer internationalen Vernetzung? Was war dein Ausgangspunkt, um die Site zu starten und wie hat sich dann alles entwickelt? Was ist heute dein Focus?

Zinesters haben ein weltweites Vertriebsnetzwerk aufgebaut. Ein Grossteil der internationalen Vernetzung passiert online in E-Zines, Distros, Resource Seiten, und Mailing Listen. Aber Zinesters treffen sich auch bei Festivals und organisieren Zine Ausstellungen und Workshops. Mittlerweile haben auch Bibliotheken begonnen Zines zu sammeln und zu archivieren. Dies ist eine ungemein wichtige Aufgabe, da Zines ja auch wertvolle Zeitzeugen sind, die ohne diese Archive verloren gehen.

Mich hat es 1997/1998 mit meinen ersten zwei Zines, dem Wiener Zine Annikafish und dem New Yorker Bamboo Girl Zine, erwischt. Ich war von der Idee der Zines begeistert und habe dann gleich an einem mitgearbeitet. Zur selben Zeit habe ich begonnen, mich kulturwissenschaftlich mit Zines zu beschäftigen. Zines bieten ja eine reiche Primärquelle für soziale, kulturelle und politische Studien.

Nachdem es kein zentrales Ressourcezentrum für frauenspezifische und feministische Zines gab, und sich die Bookmarks auf meinem Computer zu häufen begannen, beschloss ich diese online zur Verfügung zu stellen. Mein Ziel war es ein Online-Archiv zu schaffen, das Grrrl Zines, Distros und DIY Projekte sowie relevante Ressourcen und Information aus aller Welt auflistet. Im Juni 2001 bin ich mit ca. 50 Zines online gegangen. Seitdem habe ich die Seite auf über 1000 Zines und Distros erweitert. Außerdem begann ich Grrrl, Lady, Queer und Transgender Zine-Herausgeberinnen zu interviewen. Bisher habe ich an die 60 Grrrl Zinesters aus 20 verschiedenen Ländern interviewt (siehe hier).

Und jetzt noch eine blöde frage zum Schluss: hast du persönliche Lieblings-Zines? Als Tipp für uneingeweihte sozusagen, um selbst weiterzusuchen?

Hmmm ... da gibt’s viele! Einige habe ich bereits erwähnt. Zines, die ich letztens gelesen habe und sehr interessant fand, sind: Fanzines - Do It Yourself, Archiv der Jugendkulturen / Deutschland; Personality Liberation Front und Pretty Ugly, Australien; Varla's Passed Out, England; Clit Rocket, Italien; La Linea, Mexiko; Doris, I was a Teenage Mormon, Stolen Sharpie Revolution und Women's Self-Defense: Stories and Strategies of Survival, USA; und big boots, Kanada. Zine Interessierten würde ich vorschlagen, meine Web Seite zu besuchen und einfach den Links ins Universum der Zines zu folgen!

Elke Zobl betreibt seit 2001 die Web-Site Grrrl Zine Network, eine Resource Seite für Grrrl, Lady, Queer und Transgender Zines, Distros und DIY Projekte. Außerdem interviewt sie internationale Zine Herausgeberinnen und veranstaltet Zine Ausstellungen und Workshops. Nach ihrer Diplomarbeit über feministische deutschsprachige Zines und Magazine (Akademie der Bildenden Künste Wien, 1999), schrieb sie ihre Dissertation über das internationale Grrrl Zine Netzwerk (Akademie der Bildenden Künste Wien, 2004). Sie lebt und forscht derzeit in San Diego, Kalifornien, und ist unter elke@grrrlzines.net zu erreichen.




online seit 21.02.2005 16:08:14 (Printausgabe 25)
autorIn und feedback : Redaktion


Links zum Artikel:
www.bust.comBust Magazine
www.pressless.orgpressless
www.bulbo.tvBulbo
thaili.port5.comMaya



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