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Medienaktivismus an seinen Grenzen am Beispiel von Dow-Chemical.

Am 3. Dezember 2002 war der 18. Jahrestag der Katastrophe von Bhopal, einer Gasexplosion im indischen Union Carbide Werk (heute Teil der Dow-Gruppe), bei dem mehrere 1000 Menschen ums Leben kamen. Dieses Jahr wurde eine Presseaussendung von der Dow-Chemical Webseite an 100 JournalistInnen versandt, die klären sollte, warum Dow nie volle Verantwortung für den Unfall übernehmen konnte, und warum 500 US Dollar pro Opfer als ausreichende Entschädigung angesehen wurden. Binnen Stunden waren tausende Protest-Emails bei Dow-Chemical.com eingelangt.

Dow-Chemical.com war klarerweise ein Fake, die Presseaussendung frei erfunden. Dahinter steckten die Yes Men, bereits durch ihre Gatt Pranks ein Begriff. Eigentlich wäre der Vorfall auch nichts Besonderes gewesen, wären die Reaktionen diesmal nicht besonders bezeichnend für unsere Zeit ausgefallen. Bereits einen Tag nach dem Launch der Website nahm Verio das komplette Thing.net-Netzwerk, von dem neben unzähligen US-amerikanischen AktivistInnen-Webseiten eben auch Dow-Chemical.com gehostet wurde, vom Netz. Die Antwort auf die Frage, wie das passieren konnte, gibt der Digital Millenium Copyright Act (DMCA).

Im Fall von Copyrightverletzungen eines Servicenehmers sieht der DMCA keinen unmittelbaren Handlungsbedarf des ISPs vor, lediglich Antwortpflicht besteht. Was aber in den USA schon mehrmals passierte, ist, dass sogenannte Upstream Provider (jene Einheiten über kleinere, lokale ISPs, die die Netzanbindung zur Verfügung stellen) gleich mit auf Copyrightverletzung geklagt wurden. In Fällen, in denen hierarchisch untergeordnete ISPs dann nicht unmittelbar erreichbar waren, nahmen die Upstream Provider gleich ganze Server vom Netz, um sich vor drohender DMCA-Verletzung zu schützen. Verio tat genau das und nahm also mitsamt der Dow-Chemical-Seite gleich das ganze Thing.net vom Netz. Neben ungewisser Zukunft für Thing.net selbst, hatte das auch den kompletten Kommunikations-Shutdown sämtlicher anderer von Thing.net gehosteten Seiten zur Folge.

Neben einer Anekdote über Internet-Eigentum – die Yes Men registrierten Dow-Chemical.com unter dem Namen James Parker, Sohn des Dow CEOs, der sich mit Hilfe des Dow-Anwaltsteams binnen kürzester Zeit Recht auf sein Eigentum verschaffte – wirft die Geschichte auch die Frage auf, ob der DMCA tatsächlich, wie von BefürworterInnen immer vorgebracht wird, ISPs schützt, sondern ob mit seiner Hilfe nicht vielmehr unliebsame KritikerInnen zum Schweigen gebracht werden. Aber auch die KritikerInnen müssen sich Fragen gefallen lassen; war nicht zuletzt erst die Rückaneignung von Dow-Chemical.com durch Dow Anlass, dass die Dow-Chemical-Parodie um die Welt ging. Ob das allerdings ausreicht, um triumphierend auf die Guardian- und NY Times-Artikel zu verweisen und sich zu seiner eigenen Cleverness zu gratulieren, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.


Die echte Dow Seite: www.dow.com
Einige Dow Fakes: www.dowethics.com
www.dowindia.com
bhopal.doesntexist.com/

online seit 03.02.2003 10:08:53 (Printausgabe 11)
autorIn und feedback : Claus Puhr




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