![]() |
| |
|
|
||||
| |
||||||
|
Twitter statt Logik Ein Blog macht noch keinen journalistischen Paradigmenwechsel, und das letzte Mal als ich nachsehen war, hat Twitter auch keinen Hörsaal besetzt. Beobachtungen zur techno-deterministischen Euphorie im Zuge der Studierendenproteste. „Noch nie war ein Aufstand in Österreich so stark von High-Tech geprägt wie der Studentenprotest: Die Demonstranten bedienen sich aller erdenklichen Kommunikationskanäle – sei es zur Selbstpräsentation via Uni-TV; sei es zur subversiven Hack-Attack am Internet“. Wer jetzt glaubt, dass es sich hierbei um eine APA Meldung der letzten paar Wochen handelt, verschätzt sich locker um 13 plus Jahre. Geschrieben stands im Falter, März 1996, im Zuge der StudentInnenproteste gegen das damalige Sparpaket. So finden sich zu jeder jüngeren Protestbewegung techno-euphorische Meldungen – aus dem Inneren sowie von (unbeteiligten) BeobachterInnen. Schüssels Sager von der „Internetgeneration“ ist legendär, und Gerald Raunig schwärmte in „Wien Feber Null“ über die parallele Informationsstrukturen der Proteste gegen Schwarz-Blau: „Die Flexibilität und Wendigkeit der Demos auf der Straße korellierten mit einer schnellen – und vor allem horizontal vernetzenden – Nutzung der (...) Kommunikationstechnologien.“ Damals ging es halt um SMS und nicht Tweets. So ist es wenig überraschend, dass auch die aktuellen Proteste als technologische Avantgarde gefeiert werden. „Auch 1996 verliefen die Proteste in ähnlichen, basisdemokratischen Strukturen, allerdings langsamer“, behauptet Manfred Bobrowsky, Professor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. „Twitter, Facebook, Chats und SMS fänden hier ihre exakte Anwendung, da sie als Medien selbst nach einem demokratischen System funktionierten. Die Rolle, die einst von einem oder mehreren Agitatoren im Zuge von Revolutionen und Protesten eingenommen wurde, ist jetzt ersetzt durch eben diese basisdemokratische Social-Media-Vernetzung.“ Einen Schritt weiter geht Martin Blumenau in seiner sonst empathischen Berichterstattung. Er nutzt die Proteste als Projektionsfläche für sein eigenes technodeterministisches Steckenpferd: das Scheitern des klassischen Journalismus. „Die handelnden Akteure in den neuen Medien werden das leisten (Anmk.: fundierte Analysen der Proteste zu liefern), nicht nur die direkten Kanäle, sondern auch die analytischen Blogs dahinter. Die Zauderer in den alten Medien werden nachziehen müssen, weil sie sonst eine ihrer (...) letzten Kernkompetenzen verlieren werden. Nämlich die Hoheit über die öffentliche Meinung. In der derzeitigen Situation braucht sie, die alten Medien, nämlich keiner.“ Dieser Behauptung kann so unmittelbar nur mit Anekdoten begegnet werden. Niko Alm, selbst mehr als ein wenig technophil (nachzulesen unlängst in der Gap'schen Facebook Debatte), schrieb in seinem Blog: „Als letzten Donnerstag der Audimax besetzt wurde, erreichte mich die Information über den Standard schneller als über Twitter. Entweder war @Zielina auf Zack oder die 2.0 Kanäle waren noch nicht so richtig ausgewaschen“ Und die Frage, ob ein Gutteil der positiven öffentlichen Wahrnehmung nicht von der positiven Berichterstattung in den Wegwerfblättern Österreich und Heute bestimmt war, beantwortet das noch lange nicht. Unabhängig von all den Zuschreibungen ist jedenfalls die Verquickung von Wikis, Facebook, Live-Streams und Twitter als Instrumente zur Selbstorganisation der Proteste mit dem dadurch gewährten Einblick für eine interessierte Öffentlichkeit bemerkenswert. In ihr ergänzen sich Mobilisierung und Selbstdarstellung auf erstaunliche Weise. Und warum sollte es anders sein? Die Halböffentlichkeit der Web 2.0-Netzwerke bestimmte schon vor den Hörsaal-Besetzungen den Alltag vieler StudentInnen, also tun sie das auch im Protest. Selbstkritik inbegriffen. Daraus mehr abzuleiten erscheint – zumindest vorerst – gewagt. (cp) Weiterlesen: „Click here to protest?“ von Anja Ebersbach und Richard Heigl, erschienen in kommunikation@gesellschaft, Jg. 6, 2005 Vom Flashmob zu #unibrennt: Kollektive Organisation in Realtime auf http://digiom.wordpress.com Diverse Texte der autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe zum Thema Netzaktivismus online seit 11.12.2009 13:20:19 autorIn und feedback : funktionieren Links zum Artikel:
|
|
Kein Anschluss unter dieser Nummer Gefangen in der rechtlichen Grauzone der Kreditauskunfteien [26.02.2010,cp] Offensiv für Bildung? Bildung als soziale Infrastruktur [03.02.2010,Oliver Brüchert ] Das Paradoxon von Bologna Zu den Widersprüchen des Implementierungsprozesses der Bologna-Kriterien [10.12.2009,Marion von Osten] die nächsten 3 Einträge ... |
||||
![]() |