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Leiser als Lidl Überwachungs-Gimmicks erobern den Alltag Bei der Videoüberwachung von Supermarktpersonal schlugen selbst Nicht-DatenschützerInnen Alarm. Mit der Ortung von Diensthandies steckt die Stechkarte – lautlos und legal – aber längst fest in der Tasche. Auch Familie und FreundInnen werden zunehmend „Zielgruppe“ von Tracking. Klingeltöne mögen nerven, entscheidende Entwicklungen verpasst man dann doch ganz „lautlos“. Seit im März bekannt wurde, dass deutsche Lebensmitteldiscounter per Kamera Personal auf Toilettenbesuche, Liebesverhältnisse und Unfähigkeit hin prüfen, ist das Wort „Firmenüberwachung“ plötzlich in aller Munde. Eindeutige Überschreitung der Privatsphäre, heißt es, auch am Arbeitsplatz. Ortung und Observation von MitarbeiterInnen ist auf einem anderen Weg aber längst Praxis und Service-Angebot – nur dass sie schicker und kleiner daher kommt: als Diensthandy, BlackBerry oder Personal Digital Assistant (PDA). Über letztere zwei, derzeit wieder verstärkt in Geschäften zu findende Geräte und das Global Positioning System (GPS) sind TrägerInnen jederzeit und überall praktisch verortbar. Flotte Kontrolle Doch ein Rückgriff auf teure Modelle mit Satelliten- System ist laut Adrian Dabrowski von quintessenz, der Vereinigung zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im Informationszeitalter, gar nicht notwendig. Denn schon schnöde GSMHandies sind dank ihrer individuellen Zellen- Identifikationsnummer auf 200-300 Meter zu lokalisieren. Was das Sicherheitspolizeigesetz PolizistInnen erst seit 1.1.2008 ohne richterliche Prüfung erlaubt, dürfen Unternehmen bei ihren Firmenhandies also schon lange auf legalem Wege. So bewirbt die Telekom offen ihr „Fleet Management“: „Mit der Lösung von T-Mobile steuern Sie Außendienstmitarbeiter, Monteure, Servicetechniker, Logistik- und Transportprozesse effizienter – einfach über das GSM-Netz. Schon ein TMobile Mobiltelefon reicht, damit Sie Fahrzeuge, Sendungen und andere mobile Objekte überwachen können.“ Selbst einzelne Objekte ließen sich schnell fokussieren und freies Zoomen sei bis auf einzelne Straßenansichten möglich. Auch die „einfache Arbeitszeiterfassung mittels SMS“ läuft unter „Vorteile auf einen Blick“ und die GPSOption verspricht sogar „automatisierte Reports“ und „Stillstandserkennung“. Wwwo bist du? Stillstehen will man auch im Privaten selbstverständlich nicht. „Ich bin gerade in der Straßenbahn …“ – derlei Mobilkommunikation will der Anbieter Drei (Hutchison) deswegen auch Eltern und FreundInnen ersparen und bietet seit 2004 den „FriendFinder“. KundInnen können dabei, nachdem sie eine einmalige SMS-„Einladung“ akzeptiert haben, gegenseitig Standortinformationen abfragen. Wenn die Neugier nicht auf Gegenseitigkeit beruht, kann der/die Eifersüchtige immer noch ein extra Handy mit der gleichen Funktion im Kofferraum des Partners oder der Partnerin verstecken, meint Adrian Dabrowski. Die flexibelste Lösung versprechen freilich Webanbieter von Lokalisierungsdiensten wie world-tracker. com, die für geringe Beträge und nach Versenden von SMS-Warnungen, den Aufenthaltsort online auf Karten verfolgbar machen. Neben der Befriedigung des eigenen kleinen Kontrollticks bedienen solche Standort- und Bewegungsinformationen in Kombination mit Konsumdaten das „3D“ im Target Marketing. Tracking von potenziellen KundInnen im privaten und öffentlichen Raum lässt läuten. Zielgruppensicher und am Puls der Zeit liegt damit dieser Tage Jamba - der „Mobile Entertainment Provider“ versucht in Viva-Spots mit seinem „Partner Tracker“ Stalker in spe auf seine Website zu locken. Sein „Suche deine Liebsten und finde heraus was sie machen“ ist in Österreich und Deutschland jedoch bislang noch verboten und entlarvt sich schnell als Werbegag – übrigens um Klingeltöne zu verkaufen. online seit 29.05.2008 15:20:09 (Printausgabe 41) autorIn und feedback : (kal) |
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