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I Can C U Can U C Me? Zäune und Überwachungskameras im Ersten, oder: Wien darf nicht Middlesbrough werden. Ein Musterbeispiel für die technokratische Lösung eines vermeintlichen Sicherheitsproblems liefert Großbritannien, das mit mehr als vier Millionen Überwachungskameras (CCTV) – das heißt rund eine Kamera je 14 EinwohnerInnen – seit Jahren wohl eines der „bestbewachten“ Länder der Welt darstellt. Seit letztem Herbst wird in Middlesbrough nicht nur beobachtet, sondern auch interveniert. Auf sämtlichen BBCSendern liefen in den letzten Wochen Bilder, die verdatterte PassantInnen zeigten, als sie eine blecherne Stimme aufforderte, vom Fahrrad abzusteigen oder den Müll gefälligst in den dafür vorgesehenen Behälter zu befördern. Kritische Stimmen dazu waren laut O-Ton der Reporter jedoch nicht einzufangen. Der noch im Polizeidienst als Robocop bekannt gewordene Bürgermeister Ray Mallon hat dazu die passende Erklärung: „There‘s been too much spoken about human rights, too much about civil liberties of the wrongdoers. I don‘t see any evidence of people in Middlesbrough complaining about this, other than a few hoodlums.“ Als Community Policing wird der von den BürgerInnen selbst getragene Diskurs über Innere Sicherheit bezeichnet. Die Polizei definiert sich dabei mehr und mehr als ein Dienstleistungsunternehmen, das das artikulierte Bedürfnis der BürgerInnen nach Sicherheit und Ordnung befriedigt. Die Menschen werden dabei selbst aktiv in die Herstellung der Ordnung einbezogen. Eine Argumentation, die sich auch rund um die in letzter Zeit in die Kritik geratenen Kamera-Attrappen am Rudolfsplatz im 1. Wiener Gemeindebezirk wieder findet. Der ehemalige Bezirksvorsteher-Stellvertreter Georg Niedermühlbichler (SP), verantwortlich für die Aufstellung der Attrappen vor mehr als zwei Jahren, rechtfertigte sich auf Standard-Anfrage mit dem Verweis auf AnrainerInnen-Beschwerden über in die Sandkisten urinierende Jugendliche. Da sich „die Jugendlichen“ aber offensichtlich weder von Kamera-Attrappen noch der nächtlichen Sperrstunde verarschen ließen, und öffentlichen Raum unerhörter Weise auch als solchen nutzten, plant die neue Bezirksvertretung unter der notorischen Ursula Stenzel einen Zaun. Schützenhilfe erhält sie von erstaunlicher Seite: die Wiener Stadtzeitung Falter brachte in der zweiten Aprilwoche einen Artikel über die „Koma saufenden“ Jugendlichen im Bermudadreieck rund um den Rudolfsplatz. Rechtzeitig zum BürgerInnen-Beteiligungsverfahren, das am 18. April begonnen hat. Zum Glück gibt es die freundlichen Menschen vom Kindercafé Lolligo, die schon vor Wochen eine Unterschriftenkampagne gegen die Überwachungskameras am Rudolfsplatz gestartet haben. Was ihnen allerdings mehr Besuch als üblich eingebracht hat: „mehrfach schnüffelten Beamte der Wiener Polizei ‚im Auftrag der Bezirksverwaltung’ (Eigenangabe eines Beamten) im Lolligo herum.“ Die Kriminalisierungsversuche haben auch schon ihr erstes Opfer gefordert. Die Organisatorin des Langzeitstillerinnentreffens (Anmk.: geht’s noch gefährlicher?!) wurde von den Beamten derart eingeschüchtert, dass sie alle Vereinsfunktionen zurücklegte. Unterkriegen lassen wollen sich die Lolligos aber nicht, weil sie glauben, „dass unsere Kinder nicht wie Tiere in kameraüberwachte Käfige gesperrt werden sollen.“ Also, liebe MALMOE LeserInnen aus dem Ersten und darüber hinaus, Zeit aktiv zu werden! (cp) online seit 26.04.2007 10:53:05 (Printausgabe 37) autorIn und feedback : funktionieren Links zum Artikel:
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