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  the grind
Arbeit von der Stange


Schon wieder sind die Grenzen fliessend. Und weil es ohnehin keine StudentInnenjobs mehr gibt, die diesen Namen verdienen, sucht man/frau sich zumindest einen, wo, wenn schon nicht die Bezahlung oder die Arbeitszeiten, so zumindest das Image stimmt.

Dort arbeiten, wo man/frau einkaufen geht. In den Franchise-Stores der europäischen Modegiganten, die sich seit Mitte der Neunzigerjahre auch den heimischen Bekleidungsmarkt untereinander aufteilen. Ihr Erfolg ist nicht nur darauf zurückzuführen, dass sie die billig produzierten Fetzen mit Trendsteuer absetzen, sondern auch darauf, dass sie reichlich innovativ in Sachen Betriebsführung sind. Mango, ein Textilkonzern mit Sitz in Spanien, produziert, vertreibt und verkauft just in time "Kleidungsstücke und Accessoires für die Frau" in mehr als 520 Shops in 50 Ländern. Dabei verspricht er nicht nur den Kundinnen das Erlebnis Einkauf, sondern auch Beschäftigten das Erlebnis Arbeit.

Allen MitarbeiterInnen sei es möglich, so die "Betriebsphilosophie", ihre Veranlagungen in einem "kreativen Klima" zur Entfaltung zu bringen, solange die richtigen Vorraussetzungen mitgebracht würden. Hierarchiebarrieren seien auf ein Minimum reduziert, Aufstiegschancen gebe es zuhauf. Hauptsache, man ist "jung" und legt die notwendige "kämpferische" Haltung an den Tag. Der Klamottenverkauf als Kampfauftrag, die Welt ein bisschen gestylter zu hinterlassen, als man sie frühmorgens vorgefunden hat.

Frühmorgens endet im Mango-Shop mit dem Dienstantritt um 8.30 Uhr. Zehn Minuten davor gibt der "Supervisor" das zu erreichende Umsatzziel an alle MitarbeiterInnen aus. Das Umsatzergebnis des Vortages wird mit denen der anderen hiesigen Mangofilialen verglichen. Sogar die LagerarbeiterInnen müssen zu diesem Zeitpunkt anwesend sein, auch wenn deren Job fast ausschließlich darin besteht, Kleidungsstücke aus Kartons zu packen und mit Preisetiketten zu versehen. Von allen, egal welche Funktion sie innehaben, wird dasselbe unternehmerische Verantwortungsbewusstsein eingefordert. Seine Motivation ständig kundzutun ist Pflichtübung.

Die VerkäuferInnen, KassiererInnen und die Filialleiterin stehen in ständigem Funkkontakt zueinander, nehmen Anweisungen entgegen oder beauftragen andere damit, Kleidungsstücke aus dem Lager nachzufassen. Dabei müssen die bevorzugt weiblichen Angestellten vor allem gut aussehen. Dass trotz des vermeintlich lockeren Umgangs, des "familiären" Arbeitsklimas, der mehr oder weniger freien Zeiteinteilung (Poolarbeit), keiner der überqualifizierten Unterbezahlten länger als ein paar Wochen bei Mango beschäftigt bleibt, macht gar nichts. Nachschub gibt’s genug.

online seit 15.01.2002 00:00:00 (Printausgabe 2/2001)
autorIn und feedback : funktionieren




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