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Douglas Couplands Jpod

„Buchbesprechung“ – Über das Funktionieren des Schreibens über das Funktionieren

Für eine Buchbesprechung ist das hier nicht die Seite und die Zeit. Ein Bisserl muss aber wohl sein. Regelmäßige Coupland-LeserInnen werden mit dem letzten Buch des amerikanischen Autors ihren Spaß haben, werden sich denken: Er hält sein hohes Niveau. Sie werden sich aber vielleicht auch fragen: Wer wird eigentlich der Douglas Coupland der Generation NeXt? Douglas Coupland wird es wohl nicht sein, er hält eben nur sein Niveau. Sollte es MALMOE-LeserInnen geben, die Douglas Coupland nicht kennen, so legen wir ihnen jedenfalls nicht JPod ans Herz. KundInnen, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch Microserfs, Shampoo Planet. Sie lasen aber jedenfalls Generation X. Hierzu mehr zu schreiben wäre redundant: Nacherzählung, Besprechungen und Bewertungen des Buches unter amazon. com, mehr über den Autor gibt’s auf wikipedia, flickr usw.usf. Obwohl: Redundanz wäre natürlich sehr webbloggy, und damit auch sehr www2.0ig; aber damit jetzt genug. Es gibt natürlich eine Seite zum Buch.

Warum das alles? Coupland schreibt seit Jahren über das Funktionieren einer Gesellschaft nach dem Ende des Fordismus (der Moderne, der Industriegesellschaft, des sozialdemokratischen Kompromisses und so weiter und so fort). Er tut dies niemals auf eine empirische Weise. Er tut es zudem niemals auf eine anklagende, kritische, gar protestierende und somit vordergründig politisierende Weise. Er beschreibt die Lebensweise und Kultur von Menschen, denen es verwehrt ist, erwachsen zu werden. Besonders in jPod und Microserfs ist das Leben und Arbeiten von Personen beschrieben,deren Biorhythmus sich nicht länger nach Stechuhr und Werkssirene sondern nach der Taktfrequenz der Prozessoren ihrer Computer richtet: 24*7, bestenfalls unterscheidbar zwischen Betrieb und Standby.

Diese Lebensweisen erklären sich aber nicht durch die bloße Beschreibung in einer Sprache, die ihre Poesie aus einem Geflecht von Referenzierungen und der Übertreibung der Alltagssprache der Handelnden schöpft. Sie erschließen sich vor allem aus den Beziehungen, die die Hauptakteure miteinander eingehen, und die den eigentlichen Gegenstand der Erzählungen ausmachen. Liebe ist stets unspektakulär und beiläufig, spielt aber die Hauptrolle, wie freedom fries by McDonbarts. Die Traurigkeit, fast schon Rührseligkeit der Geschichten speist sich aus den Beziehungen der AkteurInnen und niemals aus deren Lebensumständen. Die Beziehungen sind die Erscheinung, die Lebensumstände das Wesen. Die Personen seiner Romane sind zwar auf alle Einkommensstufen der – nordamerikanischen – Wirtschaft verteilt, ausgestattet mit und gefangen in bisweilen hohem Identifikationsniveaus mit den Umständen, in denen sie leben. Sie werden aber stets proletarisch definiert: frei von Besitz, kaum mehr zu verlieren als Fesseln. Selten sind sie von großem Ehrgeiz getrieben, und stets ist dieser Ehrgeiz am Ende der Geschichte ein bisschen kleiner als eingangs. Ihr Veränderungsimpuls was die Welt anlangt ist sehr gering und beschränkt sich auf ihre unmittelbare Umwelt: „Ich arbeite verdeckt mit einer Gruppe talentierter junger Leute, um in ein Fantasy Spiel als Trojanischem Pferd eine Serienmörder-Figur einzubauen.“ (aus JPod)



online seit 12.12.2006 12:03:48 (Printausgabe 35)
autorIn und feedback : yo


Links zum Artikel:
www.jpod.infoDie Website zum Buch



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Streifzug

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[27.06.2008,Interview: Max Hinderer]


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