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Joschka rennt
Nichts gegen Läufer, schon gar nicht im Rahmen einer Sportkolumne! Aber: Obacht gegenüber all jenen, die laufen, Bücher schreiben und deutsche Außenminister sind.
Joschka Fischer z.B., der hat innerhalb eines Jahres 35 Kilo abgenommen dank dieser Tätigkeit, die er früher "immer nur ätzend nervtötend, sterbenslangweilig" fand. Dauerlauf war damals auch nicht vonnöten, da die " linksradikalen siebziger Jahre (sowieso) ein hohes Maß an körperlicher Fitness verlangten". Nach Häuserbesetzen und Agitation drückte sich die Radikalität nur noch in der Frequenz an Toskana-Besuchen aus bzw. "im Lebensstil - Entsprechend fraß ich." Und mit welchem Heißhunger! "Ich begann zu futtern und zu mampfen und legte mir für Körper und Seele einen regelrechten Panzer in Gestalt eines sich immer mächtiger wölbenden Bauches zu." Waren das noch selige Zeiten - die Panzer von heute treten ja eher in Gestalt von regelrechten Panzern auf und werden in das Kosovo oder in die Türkei geschickt! Damals jedoch fraß er einfach nur zuviel und wurde dick, "präziser gesagt: fett", und das ist natürlich häßlich. "Das Bild jenes Fasses, das ich damals abgab, läßt mich noch heute zart erröten. O ja." O nein, da muß gegengesteuert werden, da muß "aus einem Mops ein hagerer Asket" werden! Gesagt, getan. Die Turnschuhe gebunden, das Sweatshirt bereit, konnte "der lange Lauf zu mir selbst" endlich beginnen. Irgendwo unterwegs hat er sich dann gefunden und am Ziel gabs ein paar identitätslogische Einsichten. "Subjektivität läßt sich (nämlich) nicht umgehen", sondern bestenfalls erlaufen. Schon in den finsteren Zeiten "rannte ich wie ein Hamster in meinem selbst gebastelten Rad immer weiter auf der Stelle und fühlte mich dabei ziemlich elend." Was nun wirklich der falsche Lauf der Dinge war. Um zur "Verschlankung der eigenen Person" zu gelangen, muß man nämlich "vor allem sich selbst umkrempeln". Und das bedeutet "Sport, Sport, Sport" sowie die Abrichtung der Subjekt- Innereien: "Ich wußte, daß allein das Finden meines Rhythmus und die Gewöhnung an das tägliche Ritual mir über den inneren Schweinehund hinweghelfen würden." Wo ein deutscher Außenminister, da auch ein Schweinehund, das gehört schon fast zum Ritual. Aber positiv: Es macht schlank. Und wenn das auch nichts nutzt: Ran an die nächste "tiefgreifende Änderung des persönlichen Programms"!
online seit 15.01.2002 00:00:00 (Printausgabe 2/2001)
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