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Ganz ohne Retter dann doch nicht?

Zu den Begleiterscheinungen weiblicher Sitcom-Stars

WHO’S THAT GIRL? Es ist Jazz, die mit ihren drei Kumpels in einem Loft in Los Angeles lebt. Sie ist lustig und eigenartig, tanzt komisch und verstellt ihre Stimme. Dargestellt von der sympathischen Zooey Deschanel, erlebt sie in der Serie New Girl auf ihre liebenswerte Art allerlei Alltägliches. Sie ist ein überzeugtes Girly, nicht uncharmant in ihren Erklärungs- und Verhaltensmustern und durchaus emanzipiert. Sie darf lustig und verschroben bleiben und das wird im Verlauf der Serie sogar immer cool in ihrer Eigenart – eine Darstellungsweise, die normalerweise männlichen Hauptfiguren vorbehalten bleibt.

LIZ LE MON, Chefin einer Comedyautor_ innengruppe in der Serie 30 Rock, geht kämpferisch und mit viel Selbstironie mit ihrem Leben um. Die Show TGS, für die sie in der Serie schreibt, ist stark angelehnt an SNL (Saturday Night Live) für das Tina Fey, die Produzentin, Autorin und Hauptdarstellerin von 30 Rock, lange als Autorin gearbeitet hat. Vor allem über den oft untergriffigen, banalen Humor bei SNL wird sich viel lustig gemacht. So ist die Serie manchmal wahnwitzig absurd, es gibt viele tagespolitische Seitenhiebe, viel Kritik an Format und Produktionsverhältnissen beim Fernsehen und auch an dem Wunsch nach Bildschirmpräsenz.

Auch macht Liz viele Witze über weibliche Klischees und erzwungene Oberflächlichkeiten; sie spricht oft davon, selbst nicht ins klassische Rollenbild zu passen. Dabei sucht sie irgendwie doch immer nach Erfüllung durch Mann/Kind/Haus – was zwar nicht unbedingt realistisch, allerdings leider auch gar nicht utopisch ist.

IHRE WICHTIGSTE NEBENFIGUR ist ihr Boss und Freund Jack (Alec Baldwin), der im Laufe der Serie immer mehr die Beschützerrolle übernimmt. Er verkörpert das Patriarchat, wird dementsprechend oft durch den Kakao gezogen, bleibt aber am Ende fast immer der Retter.

Eine repräsentationstechnisch schwierigere Figur ist auch die des Comedian Tracy Jordan, gespielt vom schwarzen Komiker Tracy Morgan. Als der Star von TGS ist er sehr betreuungsintensiv, oft kindisch, reich und verwöhnt. Er ist das, was Bell Hooks als […] that „castrated“ silly childlike black male that racist white patriarchy was comfortable having as an image in their homes beschreibt (Hooks, Bell. Black looks: race and representation. 1992, 146). Dies wird in der Serie selbst zwar marginal thematisiert, aber nicht ausreichend, um mit dem Mechanismus zu brechen.

JENNA WIEDERUM, Liz’ beste Freundin und auch ein Star der Show, ist selbstverliebt bis zum Exzess und strebt ausschließlich nach Ruhm und Erfolg. Sie wird gespielt von der schon durch Ally McBeal bekannten Jane Krakowski. Über sie und ihren Partner, der als Jenna Maroney Imitator arbeitet, werden alternative Sexualitätsmodelle verhandelt, was leider hauptsächlich als Plattform für transphobe Witze dient, welche sich in die vielen homophoben Untertöne der Serie einreihen.

NEW GIRL UND 30 ROCK sind zwei aktuelle US-Serien, in denen Frauen ungehalten komisch sein dürfen und trotzdem die Stars bleiben. Beide laufen sehr erfolgreich weltweit im Mainstream-TV. Da müssen wohl Abstriche gemacht werden: ans Publikum, die Sender und die Werbepartner_ innen. Während New Girl klassische Männerbilder und Heteronormativität stärker reproduziert, diskriminiert 30 Rock offensiver. Neben den erwähnten Beispielen, die womöglich in die Kategorie „Abstriche“ fallen, sind beide Serien zudem getragen von einer fast unerträglichen Whiteness. Beide Protagonist_innen arbeiten zugleich viel über Hip-Hop-Gesten und -Sprache: Wird hier nur ein Habitus zitiert, um sich über ihn lustig zu machen oder will diese Aneignung vielmehr Allianzen bilden mit emazipatorischen Momenten des Hip-Hop?

DASS DIE SERIEN Produkte der Kulturindustrie sind und den kapitalistisch-patriarchalen Verhältnissen und deren Interessen zuarbeiten (müssen), ist klar. Serien mit und von emanzipierten Frauen sind nicht selbstredend als Ganzes emanzipiert, und an sie höhere Ansprüche als an alle andere Fernsehserien zu stellen wäre nicht fair. Es fällt nunmal aber mehr auf, wenn der Anschein von Emanzipation gegeben und dann doch nur teilweise erfüllt wird. Trotzdem ist es schön, zur Abwechslung Facetten des eigenen Humors im Fernsehen wiederzufinden und sich mit den Komödiantinnen auch mal identifizieren zu können.

online seit 16.04.2012 11:23:16 (Printausgabe 58)
autorIn und feedback : Sarah Binder


Links zum Artikel:
www.malmoe.org/artikel/erlebnispark/2389Schwerpunkt "Serien sehen"



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