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Sensomotorisches Band Die Boten der Apokalypse Drei Endzeitfilme laufen innerhalb weniger Monate im Kino an. Roland Emmerichs „2012“, „The Book of Eli“ von den Hughes Brüdern, und „The Road“ von John Hillcoat. Sicherlich eine zeitliche Koinzidenz, mit Seesslen ließe sich aber auch behaupten, Weltuntergangskino ist perfektes Krisenkino. Aus produktionstechnischer Sicht eine sichere Karte, zugleich stimmungsmäßig eine Reflexion gefühlter Verhältnisse. Wobei „2012“ jegliche Reflexionsgefahr von vornherein implodieren lässt. Die Dimension des Menschen, des Protagonisten entspricht der Position des Gamers im Spiel selbst. In „2012“ wird der Held dankbar aus der Krise geboren, geradezu nur durch sie möglich, er erweckt und feiert sich im Spektakel kindlicher Destruktion. Der Topos des Opfers kommt ins Spiel, seine Opferbereitschaft ist aber nur eine scheinbare, denn die Rechnung für die Heroisierung zahlen die Anderen (ein mechanischer Russe und ein Oligarch sowie die Masse der Menschheit an sich). Die Erdplatten zerbrechen, und mit ihr die Menschheit. Wer es auf die Archen schafft, hat zumeist Geld. So verhält es sich auch bei den zu rettenden Tieren im Film: mitgenommen wird jeweils ein Paar der wichtigsten Tierarten. Die grundsätzliche Frage, Wie gibt uns das Kino den Glauben an die Welt zurück? Fällt im Fall von „2012“ bedrohlich aus: der Revanchismus des „kleinen Mannes“ führt im oder durch das Chaos zu einer Neuordnung der Verhältnisse. Das Ergebnis der fragwürdigen Familienzusammenführung (dieses Paares wie der Eliten auf den Archen) erlebt das Publikum aber nicht mehr, zum Glück vielleicht. Das Kollektiv ist auch in „The Book of Eli“ längst zersplittert, und Denzel Washington tritt nicht auf, um es, die (US-)Gesellschaft, wieder zusammenzufügen. Während Warlords und kleinbürgerlicher Kannibalismus herrschen, schreitet er durch Landschaften von Ascheregen, besiegt in Cyberspace-Westernfigurationen dreckige Figuren. Sein Treck nach Westen (Frontier-Myhtos!) dient nur einem Ziel: die Bibel auf die Insel von Alcatraz zu bringen, wo die letzten Kulturgüter bewahrt werden für den Neubeginn. Bizarr: die Hughes-Brüder, Pioniere des afroamerikanischen Ghetto-Kinos der 90er Jahre, transzendieren dieses in die Eschatologie amerikanischer Fernsehprediger. Die Apokalypse ist schon da, vielleicht schon seit Jesus’ Menschwerdung, jeder Tag ist einer näher bis zum Jüngsten. Die ganze Narration ist voller Diskontinuitäten, die Bilder brüchig und weit mehr für sich interessant denn als Filmganzes. US-Geschichte wiederholt sich szenisch, vom Recht, einen Saloon zu betreten bis zur beliebten Metapher, alternative Symboliken wie Denzel als letzten Apostel (oder man denke an Morgan Freeman als Gott) in den Kampf um kulturelle Hegemonie einzuführen. Die Handlungsmuster selbst sind dem der Ghetto-Filme geschuldet. Coolness der Akteure, die Ästhetik der Zerstörung, die kaputte Familie, die unfertige Moral. Nur das Milieu findet keine Entsprechung, der Referenzrahmen führt zu „Mad Max“, Mel Gibson (als Privatperson) und weniger zum Gangster oder Wankster. Eine tatsächlich beängstigende Vision hat hingegen John Hillocat mit seiner Romanverfilmung „The Road“ auf die Leinwand gezaubert (wartet noch auf einen Kinostart). Viggo Mortensen quert mit Sohn die zerstückelte, zerstörte Landschaft der USA, um an die Küste zu gelangen. Eine autonome, sehr materielle Realität zeichnet sich darin ab, sie erzählt von der Prekarität zivilisatorischer Errungenschaft, durchbricht den Glauben an lineare (gesellschaftliche) Entwicklungen. Vor allem der Glaube an das Menschsein, die Dynamik von Vater und Sohn, die Sorge, die Erinnerungen, strukturieren dieses Narrativ. Erst daraus gewinnen Warlords oder ein verlassener Atombunker voller Nahrungsreserven ihre unheimliche Präsenz. Nichts scheint hier Staffage. Aktion, Landschaft, Emotion verdichten und materialisieren sich im Bild. Auch wenn diese Erzählung der Apokalypse mit einem Neubeginn endet, so fokussiert sie, leise pathetisch, auf das Subjekt, anstatt lustvoll die Masse in den Untergang zu treiben. Die Frage nach dem Kino und dem Glauben an die Menschheit ist hier deutlich zu vernehmen. online seit 11.03.2010 12:47:36 (Printausgabe 49) autorIn und feedback : Gunnar Landsgesell |
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Was wurde eigentlich aus...? Ein Update zu MALMOE-Themen in früheren Ausgaben. Folge 14: Museumsquartier [19.08.2010,Katharina Morawek] Cultural Entrepreneurs mit Ihu Anyanwu (G.Rizo) [31.07.2010,Interview: Andrea Lunzer & Claus Puhr] Wir, Nachkommen der TäterInnen Gedanken zu dem Dokumentarfilm „Liebe Geschichte“ [06.07.2010,Daniela Ingruber] die nächsten 3 Einträge ... |
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