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Die Chemie des Zufalls Interview mit Bruce La Bruce Beim diesjährigen donaufestival in Krems präsentierte der kanadische Regisseur Bruce LaBruce (u.a. „Hustler White“, „Skin Flick“, „The Raspberry Reich“) neben seinem jüngsten Zombie-Porno-Film „Otto“ auch seine erste Theaterarbeit „Cheap Blacky“ in Österreich. „Otto“ wurde, so wie einige Ihrer früheren Filme, in Berlin gedreht, Ihr erstes Theaterstück wurde in Berlin erarbeitet. Was verbindet Sie mit der Stadt? Während der letzten zehn Jahre habe ich viel Zeit in Berlin verbracht, u.a. habe ich dort „The Raspberry Reich“ gedreht und die Postproduktion für „Skin Flick“ abgewickelt. Es ist eine großartige Stadt, es macht viel Spaß, sie kann sehr dekadent sein und besitzt zugleich eine dunkle, fast brutale Qualität. Und es gibt großartige Friedhöfe – ich liebe Friedhöfe, in fast jedem meiner Filme kommt einer vor. Dennoch wohnen Sie nach wie vor in Toronto. Wie lebt es sich dort als Filmemacher? Viele meiner FreundInnen aus Toronto leben in Berlin, wie z.B. Peaches und Joel Gibb von den Hidden Cameras. Zwischen den beiden Städten gibt es eine Art Harmonie. Was die Filmindustrie in Toronto betrifft, ist diese sehr over-developed, sehr Hollywood-isiert. Für „Otto“ habe ich Förderungen vom Canada Council For The Arts und dem Ontario Arts Council bekommen – das war das erste Mal, dass ich solches Geld erhalten habe. Ich hatte für gewöhnlich nicht einmal einen Distributor für meine Filme in meinem eigenen Land, „Otto“ ist mein erster Film, der einen kanadischen Vertrieb hat. Trotzdem, Toronto ist eine gute Homebase. Die Stadt ist nicht so verrückt wie New York oder London, wo jeden Abend 15 Dinge gleichzeitig passieren. Es ist relaxter und man kann sich auf die Arbeit konzentrieren. „Cheap Blacky“ ist Ihr Debüt als Theaterregisseur. Wie haben Sie Ihre erste Arbeit am Theater erlebt? Es war befreiend. Als ich gestern abend die Theaterperformance in Krems verfolgte, erinnerte mich diese an meine experimentellen Kurzfilme in den späten 80ern. Ich hatte öfters mal einen Super-8-Film, mit dem dazugehörigen Soundtrack auf Kassette. Ich startete beides zur selben Zeit, aber jedes Mal gab es kleine Verschiebungen – das schuf etwas Magisches, manchmal war alles sehr synchron, manchmal sehr willkürlich. Bei „Cheap Blacky“ gibt es diesen Film im Hintergrund, da passiert etwas Ähnliches: Es geht um Chemie und glückliche Zufälle. Um einen Independent-Film zu realisieren, der über ein beschränktes Budget hinausgehen soll, muss man gewisse Spiele mitspielen, es braucht etwa ein narratives Skript, das man präsentiert, damit andere Geld in den Film investieren. Im Theater kann man Formalistisches oder Non-Narratives schon eher umsetzen. „Cheap Blacky“ war eine wirklich gute Erfahrung und ein großer Erfolg. Ende nächsten Jahres werde ich ein weiteres Theaterprojekt am Hebbel am Ufer übernehmen, ebenso werde ich am Theater am Neumarkt in Zürich ein Stück mit dem Titel „Ulrike’s Brain“ inszenieren, das sich auf Baader-Meinhof bezieht, aber mehr lesbischfeministischen Separatismus thematisiert, für den ich schon immer eine gewisse Vorliebe hatte. Nach der Aufführung von „Cheap Blacky“ gab es einige kritische Stimmen, die meinten, dass Ihre weiblichen Figuren auf der Bühne – wie auch in Ihren Filmen – sehr dominant und autoritär auftreten. Können Sie damit etwas anfangen? Ja, bis zu einem gewissen Grad trifft das zu. Es gibt aber in meiner Arbeit auch weibliche Charaktere, die anders sind, wie etwa die Friday-Schwestern in „Super 8 1/2“, ein lesbisches Schwesternpaar. Sie sind Outlaws, polymorph pervers und bewaffnet, aber sehr antiautoritär. Für mich ist diese Darstellung Ausdruck einer feministischen Haltung, die, insbesonders heutzutage, im Kino nicht wirklich oft zu sehen ist. Man sieht keine Frauen, die wirklich aggressiv sind oder was ich als feministisch bezeichnen würde. Die Figur der Medea in „Otto“ basiert auf Maya Deren, der großartigen Avantgarde- Filmemacherin aus den 40er Jahren, sie war eine sehr dominante Persönlichkeit. Das war wohl auch notwendig, um überhaupt Filme machen zu können, weil Kino so ein männerdominiertes Medium ist. online seit 05.10.2008 08:19:30 (Printausgabe 42) autorIn und feedback : Interview: Vina Yun |
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