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Sweat, tears and champagne Unter der Discokugel mit Kelley Polar und Hercules and Love Affair Disco lässt die Muskeln spielen: Die neueste Sensation kommt aus New York City und trägt den unwiderstehlichen Namen Hercules and Love Affair – ein von House-/Disco-DJ Andrew Butler initiiertes Projekt, das neben Designerin und DJ Kim Ann Foxmann, die zusammen mit Butler das „DanceHomosDance“-Kollektiv bildet, Singer-Performer Nomi aus dem Umfeld von CocoRosie sowie Antony Hegarty von Antony and the Johnsons als VokalistInnen umfasst. Mit ihrer Debütsingle „Roar/Classique #2“ erregte Hercules and Love Affair bereits im Vorjahr in den Disco-affinen Club-Szenen Aufmerksamkeit, doch erst das vor kurzem erschienene, selbstbetitelte Debütalbum – mit dem Disco-Stomper „Blind“ als Zugpferd – beförderte das queere Quartett mit Hang zu camper, in Pastellfarben getauchter Neo-Antik-Ästhetik schlagartig ins Rampenlicht sämtlicher Musikgazetten. Der „Antony-Faktor“ dürfte nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, dass auch ein queeres Indie-Publikum zum sehr klassisch orientierten orchestralen Disco-Sound mit schwelenden Bläser- und Streichereinsätzen und pulsierenden Bassläufen ausgelassen das Tanzbein schwingt. Hercules and Love Affair berufen sich ebenso auf das Disco-Genre definierende Produktionen aus den 70ern in der Tradition von Salsoul oder Arthur Russell (über ihn ist soeben die Doku-Fiktion „Wild Combination“ erschienen) wie auf den frühen Chicago-Acid-House-Stil à la Steve „Silk“ Hurley (Jack your body!) oder Mr. Fingers. Mit ihren umfangreichen Referenzen aus der Dance-Music-Geschichte bedienen Hercules and Love Affair jedoch nicht einfach einen kurzweiligen Retro-Chic, sondern verleihen dem Disco-Spirit von einst ein restauriertes Gewand in ungeahntem neuen Glanz. Co-produziert wurde Hercules and Love Affairs Debüt von Tim Goldsworthy, die stillere Hälfte von LCD-Soundsystem und Gründer des DFA-Labels. Ebenfalls dem Discofloor zugewandt, doch weniger an der Schnittstelle zwischen Disco-Glam und Indie/Wave-Gitarre verortet, ist Environ, das Heimlabel von Michael Kelley alias Kelley Polar. Mit seinem klassischen Musikbackground – er studierte an der renommierten Juillard-Musikschule in New York Viola – bringt Kelley Polar das Konservatorium in die Disco und stellt sie einander gegenüber: „Vertikalität versus Horizontalität, Harmonie versus Rhythmus, Komplexität versus Simplizität, Tradition versus Innovation, Zugänglichkeit versus Elfenbeinturm“, kontrastierte er etwa in einem Gespräch mit dem Online-Magazin paperthinwalls die Pole in seiner Musik. Kelley Polar reduziert Disco auf sein Skelett, und doch ist eine gewisse Opulenz auszumachen, die vor allem durch seinen Gesang dirigiert wird. Waren auf seinem Debütalbum „Songs of the Hanging Gardens“ (2005) die Vocals vergleichsweise noch zart-schüchtern, tragen sie jetzt die bitter-süßen Melodien und die von russischen Mathematik-Genies, griechischen Wissenschaftern der Antike und deutschen Autoren der Aufklärung inspirierten Lyrics mit deutlich gesteigertem Affekt vor. Wiederum stand Kelley Polar Metro-Area-Hälfte und Environ-Labelbetreiber Morgan Geist produktionstechnisch zur Seite, mit herausragenden Ergebnissen wie „Satellites“ und dem Duett „Entropy reigns (in the celestial City)“ mit Claire de Lune, das mit Zeilen wie „All that’s in my veins/sweat, tears and champagne/and every night the same/over and over/the sun will rise and then/we will start again“ sowohl die magische Euphorie einer Nacht unter der Glitzerkugel als auch deren uneingelöste Versprechungen nur zu gut fühlbar macht. Hercules and Love Affair, dito, (DFA/EMI) Kelley Polar „I Need You To Hold On While The Sky Is Falling“ (Environ/!K7) online seit 07.05.2008 10:58:04 (Printausgabe 41) autorIn und feedback : Annika Settergren |
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