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Ich unterhalte mich Ein Interview mit der Wiener Musikerin Gustav rund um Arbeit, Entscheidungen, Geld und natürlich ihr neues Album. Vier Jahre lang war nun Zeit, um sich ganz dem Wale retten zu widmen. Die neue Devise aber lautet: „Verlass die Stadt!“ So bringt es Gustav mit ihrem Anfang Mai erscheinenden zweiten Album auf den Punkt. Sie nahm sich beim Wort, und wechselte vom Wiener Label mosz zu Chicks on Speed Records nach Berlin. Seit 2004 hat sich aber auch einiges anderes getan. Was, wie, warum, wieso und überhaupt beantwortet sie hier. MALMOE: Über dein neues Album ist ja nicht allzu viel raus zu finden. Gibt es einen Grund für die zurückhaltende Vorabbewerbung? Ja, einen ziemlich Pragmatischen. Ich hab die Platte in relativ knapper Zeit fertiggestellt - also eigentlich erst gestern. Außerdem bin ich keine Freundin großangelegter Promospektakel, wenn Interesse da ist, dann wird egal in welchem Zeitraum sowieso darüber berichtet oder gesprochen. Meine präferierte Propaganda ist sowieso nach wie vor die von Mund zu Mund. MALMOE: Warum bist du mit deinem zweiten Album zum Label Chicks on Speed Records gewechselt? Das hat verschiedene Gründe. Ich habe mit mosz sehr gute Erfahrungen gemacht, dennoch war es schwer außerhalb von Österreich eine funktionierende Vertriebsstruktur zu bekommen. Vor allem Deutschland war hart - und ist´s jetzt erst recht - durch das erneute krachen eines weiteren Indie-Vertriebs ( hausmusik ). Auf dem Chicks on Speed Label gibt es auch einige spannende Artists, bei denen ich eine verwandte Verschrobenheit durchhöre wie z.B. planningtorock, Kevin Blechdom oder Susanne Brockesch. Außerdem finde ich es spannend so dezentralisiert mit Menschen zusammenzuarbeiten. Das fügt sich ganz gut mit meiner Wanderslust. MALMOE: Was hat sich in deinen Arbeitsumständen sonst noch verändert bei „Verlass die Stadt!“? Mittlerweile hab ich einen neuen Computer und jeweils eine ungecrackte Vollversion von den Programmen, auf denen ich arbeite. Das ist vor allem im Bezug auf live-Spielen sehr angenehm, wo es schon des öfteren vorgekommen ist, dass mir ein Fenster aufgepoppt ist, mit Sinngemäß: "Ka Göd, ka Musi!" Ansonsten ist mein Produktionsort noch immer meine Wohnung und wie früher schon bin ich auch bei diesem Album für Stimmaufnahmen und additional recordings ins Studio gegangen. Also die Arbeitsweise hat sich kaum geändert. Mit Sicherheit aber die technischen Skills. MALMOE: Inwiefern unterscheidet sich dein neues Album musikalisch von „Rettet die Wale“? Ich nenne es mein "Gothic-Pop Album". Oder auch "Gustav? Jetzt auch mit Bass!" Es ist etwas schwerer im Klangbild und sehr textlastig, wie ich gestern festgestellt habe. Was mir in der Produktionsphase gar nicht so aufgefallen ist. Ansonsten tue ich mir schwer im Suchen von Unterschieden, da ich mir das „Rettet die Wale“ Album schon lange nicht mehr angehört habe... MALMOE: In der Zeit zwischen den beiden Veröffentlichungen hast du einige andere Projekte wie Agenda Lobkov oder die queere Burlesque Orlanding the Dominant am Laufen gehabt. Welche Motivation stand für dich hinter diesen Zusammenarbeiten? Solo Musikmachen ist bis zu einem gewissen Grad unglaublich herausfordernd und spannend, aber irgendwann wird einer auch schon mal ziemlich langweilig mit sich selber und den eigenen Sounds. Abwechslung bringt halt auch neuen Input, neue Techniken – sowohl musikalisch, inhaltlich als auch performancemässig. MALMOE: Unterhältst du dich finanziell durch deine Arbeit als Musikerin? Ja, ich unterhalte mich ; ) MALMOE: Durch welche Einnahmequellen passiert das? Meine Gustav-Feuerzeuge haben sich eher als Flop herausgestellt, deshalb hab ich mich auf´s Konzertieren konzentriert. Theatermukke komponieren und produzieren ist meine zweites Standbein. 2005 bekam ich auch ein Jahresstipendium des SKE-Fond. Dadurch hatte ich zum ersten (und bislang auch letzten) Mal ein geregeltes Einkommen, das mir erlaubt hat Projekte wie Agenda Lobkov gemeinsam mit Verena Brückner zu entwickeln. Ohne finanziellen Druck und mit viel Zeit in Dinge investieren zu können, das ist schon ein Luxus. Jetzt sind die Projekte immer dichter und die Verschnaufpausen zwischen den Produktionsphasen relativ kurz. Gerade dieses und letztes Jahr ist ziemlich hart gewesen, denn zeitlich haben sich sehr viele Projekte überlagert, was ein bisschen auf Kosten der Gustav-Produktion ging. MALMOE: Wie wichtig sind ökonomische Überlegungen für dich im Umgang mit deiner Arbeit? Da ich ein Einmannunternehmen bin und jetzt auch ab und an mit Band spiele, sind ökonomische Überlegungen für mich wichtig. Von den Solo-Gigs lebe ich und die Band-Gigs sind quasi Taschengeld. VeranstalterInnen profitieren natürlich von der Tatsache, dass die AlleinunterhalterInnenzumpft durch Laptopgetöse, Nebelmaschinen und Lichtshow auch auf größeren Bühnen funktionieren. Das heißt Hotel, Flug und Verkostung nur für eine Person zahlen zu müssen ist natürlich verlockender als das Ganze für vier Personen zu tun. Und davon profitiere wiederum auch Ich als Soloartist. MALMOE: Wie organisierst du deine Auftritte? Wenn mir bei Konzertanfragen der Veranstaltungsort, der Kontext, die Stadt oder die Person gefallen hat, dann hab ich mein Equipment gepackt und bin hingefahren. Diese unkomplizierte "ab Hof"- Methode funktioniert erstaunlicherweise sehr gut und auch nachhaltig. Irgendwann wurde es mir aber einfach zu mühsam ständig meinen Preis selbst zu verhandeln und festzulegen, und vor Ort aber auch immer noch die nette Künstlerin von neben an zu performen. Die ganze Organisationsarbeit mit Flugbuchungen und der gleichen ist alles sehr anstrengend und tendenziell auch schizophren. Deshalb arbeite ich seit geraumer Zeit mit einer Bookingagentur in Berlin zusammen. Ich bin gespannt wie sich das tut. MALMOE: Wie wichtig ist für dich ein Nachdenken über Arbeit und deren Bedingungen? Das gesamte Agenda Lobkov-Projekt hat sich an dem Themenfeld Arbeit/ Arbeiterinnenkampf/ Prekariat ja quasi abgearbeitet. Auch in einigen Texten von Gustav werden (meine momentanen) Arbeitsbedingungen ziemlich direkt angesprochen. Ein Lied namens Total Quality Woman basiert z.B auf Faith Wildings Durationperformance, in der sie unter anderem auch feminisierte Instandhaltungsarbeit und die (unfreiwillige) Cyborgifizierung der Telearbeiterin thematisiert. In Soldatin oder Veteran geht´s unter anderem um neoliberale Akkumulationstechniken und um die Unmöglichkeit außerhalb der Kultur und Medienindustrie stattzufinden. online seit 30.04.2008 15:11:30 (Printausgabe 41) autorIn und feedback : Interview: Angela Tiefenthal Links zum Artikel:
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„Der Kampf wird lang sein…“ Schüsseltexte der 68er. [29.08.2008,Birge Krondorfer] Was tut man nicht alles! Rezension von Buch und Ausstellung "nicht alles tun!" [14.08.2008,Elisabeth Steger] Filmbilder: Israel als Dispositiv Das Filmarchiv Austria zeigte eine rare und klug kuratierte Filmschau, in der weniger die Nation Israel als Bilder sozialer und kultureller Verflechtungen gesucht wurden. [06.08.2008,Gunnar Landsgesell] die vorigen 3 Einträge ... die nächsten 3 Einträge ... |
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