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telly: Save the Family, Save the World Wie die Fernsehserie „Heroes“ alte Geschichten mit neuen Mitteln erzählt Bis der Streik der DrehbuchautorInnen Großteile der amerikanischen Unterhaltungsindustrie für mindestens einige Monate zum Erliegen brachte, war das auf NBC ausgestrahlte„Heroes“ eine der erfolgreichsten und einflussreichsten TV-Serien der letzten Jahre. Mit eineraufwendigen Comicästhetik, die Ang Lees Film„Hulk“ einiges verdankt, einem zwölfköpfigen Ensemble, Cast und Kinematographie aus der obersten Schublade scheint es sich um Popkulturauf der Höhe der Zeit zu handeln. Nun haben DialektikerInnen allerdings schon länger ihre Freude daran, zu beobachten, wie der Fortschrittder technischen Mittel des Kinos und Fernsehens mit einer immer größeren Beschränktheit der damit erzählten Stoffe einhergeht. In „Heroes“ entdecken verschiedene junge Menschen scheinbar unabhängig voneinander, dass sie übernatürliche Kräfte besitzen, wie etwa blitzschnelle Regeneration, Levitation, Telepathie: SuperheldInnenfähigkeiten, um es kurz zu sagen. Anders als bei der offensichtlichsten Vorlage, der Comicserie X-Men von Stan Lee und Jack Kirby, wo es ein nettes Internat gibt, in dem die MutantInnen lernen können, selbstbewusste junge MutantInnen zu sein, müssen sich die „Heroes“ selbst organisieren. Was aber ist das so zu organisierende Selbst? Mit dieser Frage haben schon Du und ich Probleme. Wie soll es erst dem Polizisten gehen, der Gedanken hören kann, oder dem Künstler, der die Zukunft vorhermalt? Die Serie gibt letztlich eine sehr klare Antwort auf diese komplexe Frage: Wirklich aufgehoben ist das Selbst nur in der Familie. Nun wird Familie hier nicht rein biologisch vorgestellt, sondern primär als soziale Institution behandelt. Aber genetische Bindungen bestimmen das Schicksal jeder/s einzelnen. So verwundert es nicht, dass sich im Laufe der Serie herausstellt, dass scheinbar völlig voneinander unabhängige SuperheldInnen tatsächlich unwissentlich miteinander verwandt sind. Es gibt praktisch keine Figur in „Heroes“, die sich nicht direkt mit ihrem jeweiligen Vater auseinandersetzt. Und in dieser Auseinandersetzung zeigt sich stets, dass der Alte in Wirklichkeit immer Recht hatte. Der verrückte Professor hatte tatsächlich das Rätsel der Evolution gelöst; der tyrannische Firmenboss war nebenbei ein geheimer Samuraimeister; der dubiose Geheimagent wollte eigentlich nie etwas Anderes, als seine Kinder zu beschützen. Es gibt nur eine Figur, die diese Auseinandersetzung mit dem Vater nicht von Konflikt in Versöhnung und Anerkennung umschlagen lässt. Diese Figur (die zunächst alleinerziehende Stripperin Niki, deren Schwester mutmaßlich von ihrem Vater misshandelt worden ist) bekommt, nachdem sie ihren Vater aus dem Haus geworfen hat, aber auch eine Persönlichkeitsspaltung und tötet fast ihren eigenen Sohn. Ohne Vater geht es nicht. Oder: HeldInnentum besteht darin, einzusehen, dass der Vater der größte Held von allen ist. Wir erfahren hier eigentlich nichts, was wir nicht auch bei Jacques Lacan nachlesen könnten. Das eigene, heroische Selbst ist abhängig von der Unterwerfung unter die Ordnung des Vaters. Der Mutter übrigens ist höchstens eine Nebenrolle zugedacht – es sei denn, sie verfolgt eigene Ziele. Diese werden dann sofort kriminell oder pathologisch gedeutet, irgendwo zwischen „Der eigenen Tochter Geld unterschlagen“ und „Die mutwillige Zerstörung Manhattans betreiben“. Das alles böte eigentlich durchaus Anlass für etwas doppelbödige Gesellschaftskritik. Sie wird im Fall von „Heroes“ allerdings durch die komplette Abwesenheit jeder Idee von Gesellschaft verhindert. Es gibt hier nur drei Typen von Menschen: HeldInnen, Schurken und die passive Masse, die vor den Schurken gerettet werden will. Das fällt umso stärker auf, wenn man sich die Themen ansieht, die in den X-Men im Medium des Comicstrips verhandelt wurden. Dort geht es um Antisemitismus, Homophobie, Rassismus und religiösen Fundamentalismus. Liegt durchaus nahe, wenn man die Geschichte von Menschen erzählen will, die sich durch bestimmte „Merkmale“ vom Rest der Gesellschaft unterscheiden. Dass eine mit Millionenkosten produzierte TV-Serie, die sich nicht zuletzt darüber refinanzieren muss, dass Werbekunden sich in ihr zu Hause fühlen, anderen Zwängen unterworfen ist als eine Comicreihe, sollte dabei klar sein. Und führt letztlich zu der simplen Erklärung, dass reale gesellschaftliche Verhältnisse dafür verantwortlich sind, dass die Gesellschaft in der Fiktion nicht mehr vorkommen darf. online seit 23.04.2008 10:50:50 (Printausgabe 40) autorIn und feedback : Daniel Raecke |
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