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BRITNEkYlie

„You want a part of me… “

1998. Nachdem sie vier Jahre zuvor den Popstarkindergarten „New Mickey Mouse Club“ verlassen hat, katapultiert ihre Debütsingle „… Baby,one more time“ die 16-jährige Britney Spears zusofortigem Weltruhm. Von nun an ging’s bergab. Das Video und der Text des Liedes (unangenehm an „He hit me (It felt like a kiss)“ erinnernd, geschrieben von Carole King & Gerry Goffin) bringen ihr nämlich sofort ein bis heute bestehendes Problem ein: das erste von vielen Images, für dessen Authentizität sie ständig Beweise bringen muss/te. Der Jungfrau-Lolita folgen Lack und Leder, vergiftet and a slave 4 u inklusive dazugehöriger Liaisonen/Trennungen, Skandälchen und Auftritten mit verschiedenen Bad Boys, Boas und Bühnenoutfits (knapp und knapper), begleitet von einzigartigem Erfolg: Britney Spears ist die erste Künstlerin überhaupt, deren erste vier Alben auf Platz 1 der US-Charts einsteigen. Erfolgreich in ihrem Beruf, beschließt sie 2004 einen ihrer ehemaligen Tänzer zu heiraten, um mit ihm eine Familie zu gründen. 2001 noch not a girl, not yet a woman bekommt Britney im September 2005 ihr erstes, ein Jahr später ihr zweites Kind und ist jetzt, mit 25, zweifache Mutter (und, in schöner Umkehrung traditioneller Geschlechterrollen, Alleinverdienerin).

Damit beginnt der heftig publizierte neue Verdruss: Paparazzi fotografieren sie in peinlichen Momenten, Fragen nach dem Wohl der Kinder werden laut und schließlich kommt es Ende 2006 auch noch zur Scheidung ihrer Ehe, der natürlich auch prompt ein Sorgerechtsstreit folgt.„ …well – I‘m not selling cheap“ 1987.

Der der Hochzeit von Charlene Robinson (19, Automechanikerin) in der australischen TV-Soap „Neighbours“ folgende Umzug und damit Auszug aus jener Serie ließ, via ihrer Coverversion von Little Eva’s 1962er Hit „The Loco-motion“ (ebenfalls King/Goffin!) nahtlos eine neue, der alten jedoch zum Verwechseln ähnliche Medienfigurentstehen: Kylie Minogue (19, Pop-Star). Von 1988 bis 1992 wird diese dann in der Fabrik von Stock, Aitken & Waterman zur erfolgreichsten Singleskünstlerin der UK Charts. Weil sich Kylie aber bald nicht mehr so lucky, lucky, lucky mit ihrem 80ies-Girlie-Image fühlt, beginnt sie eine erwachsenere Version von sich in ihren Videos zu erfinden, eigene Songs zu schreiben und schließlich, nach einer Phase musikalischer Neuorientierung (mit z.B. Nick Cave oder den Pet Shop Boys), 2000 mit der Single „Spinning Around“ als internationaler Pop-Star zurückzukehren. Ihre nächsten beiden Alben „Fever“ 2001 (Dank „Can’t get you out of my head“) und „BodyLanguage“ 2003 übertreffen jenen Erfolg sogar noch. Als bei ihr 2005, auf der „Showgirl“-Tour, Brustkrebs diagnostiziert wird, zieht sie sich zur Behandlung nach Melbourne und vom Showgeschäft zurück.

celebritNEy skin

2007. Es gibt neue Alben der beiden, deren Unterschiede nicht so sehr musikalisch (state of-the-art Dance Pop, teilweise idente ProduzentInnen), sondern eher im Umgang mit ihren aktuellen Biographien zu finden sind: Während auf „X“ die „Normalität einer Kylie-Minogue-Platte“ auch gleichzeitig ihre Rückkehr in Lebens-Normalität nach der überstandenen Krankheit darstellt – also eine Verschnaufpause ist – passiert auf „Blackout“ vom Beginn an sofort das Gegenteil: „It’s Britney – Bitch“. Ihre Popstaroberfläche bleibt ungenutzt, stattdessen wurde sogar die Promotion für das Album erstmalig nur über ihre Stammplätze in/auf Klatschspalten/titel (Aufenthalte in Entzugskliniken, Sorgerechtsverlust usw.) betrieben, was in verwirrender (weil fremdgetexteter) Übereinstimmung auf der Platte, unter anderem mit: „I’m miss bad media karma/Another day another drama/Guess I can’t see the harm/Inworking and being a mama/And with a kid onmy arm/I’m still an exceptional earner“ („Piece of me“) besungen wird. Zusammen mit dem Titel(!) wirkt das gesamte Album wieder wie eine Prophezeiung eines Images, dem Britney hinterherjagen muss. Ermüdend.
Das/die für die beiden nicht so spannenden Alben gesparte Geld/Zeit, könnte z.B. in das Buch „Words and Music“ von Paul Morley investiert werden. Kylie – the missing link between the thrill and of it all…


Kylie Minogue: „X“, Parlophone 2007
Britney Spears: „Blackout“, Zomba 2007
Paul Morley: „Words and Music – a history of pop in the shape of a city“, Bloomsbury 2003



online seit 18.04.2008 11:16:34 (Printausgabe 40)
autorIn und feedback : Rosina Brunner




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