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Anders leben – aber wie? Heute: Jane Fonda Jane Fonda hat in ihrem Leben eine Palette an Rollen gespielt, die breiter kaum sein könnte: Männerfantasie (in ihrer Rolle als „Barbarella“ in den 60ern), Hassobjekt von US-Patrioten (wegen eines Fotos mit Vietcong in den 70ern), Vorturnerin der Nation (als Aerobic-Queen in den 80ern). 2005 ist ihre Autobiografie „My life so far“ erschienen. Die Intimitäts-Soziologin Eva Illouz nennt dieses Buch in ihrer Studie „Gefühle in Zeiten des Kapitalismus“ ein Paradebeispiel für das „therapeutische Narrativ“, das unsere Gegenwart beherrsche. Demnach drehen sich etwa Autobiografien im Gegensatz zu früher, wo sie in der Regel strahlende Aufstiegsgeschichten waren, heute selbst im Scheitelpunkt von Ruhm und Reichtum um psychische Qualen. Das Leiden und die Suche nach dem Ich werden in der neuen Konvention als konstitutiv für die eigene Identität dargestellt. Blendet man die außergewöhnliche Exponiertheit von Fondas Starlebens aus, bleiben Irrungen und Wirrungen, die so manchen Lebensweg von emanzipatorisch gesinnten Menschen aus „gutem Haus“ kennzeichnen, vor allem was das Schwanken zwischen Politisierung und Karrierismus betrifft. Hineingeboren in eine familiäre Erwartungshaltung von Erfolg und Karriere als selbstverständliche Orientierung, gepaart mit einer väterlichen Tradition linksliberaler Gesinnung, spielt sich ihr Leben als Zerrissenheit zwischen diesen Polen und Versuchen der Selbstemanzipation aus diesem Dilemma ab. Ihre Filmlaufbahn beginnt mit eher braven Rollen, mit Barbarella steigt sie 1967 zur Ikone auf. Ende der 60er Jahre beginnt sie sich in der Anti-Vietnamkriegs-Bewegung zu engagieren, tritt zu Agitationszwecken vor US-Truppen auf und reist nach Hanoi, wo ein Foto mit Vietcongs geschossen wird, für das sie in patriotischen Kreisen noch heute verteufelt wird. Ihr Eintauchen in die linksradikale Szene um 1970 stellt sie vor die Überlegung, wie sie ihre Fähigkeiten und Tätigkeiten mit politischen Anliegen verbinden könnte. Zunächst kommt die traditionelle Hollywood-Masche: Die eigene Prominenz wird zur Unterstützung eines Anliegens „verliehen“. Auftritte bei Veranstaltungen, Endorsements, letztlich auch finanzielle Unterstützung. Dann wird auch die eigene Arbeit politisiert: Filme über veränderte Männlichkeit nach dem Vietnamkrieg („Coming home“), über Sexismus in der Arbeitswelt („9 to 5“), Machenschaften der Atomindustrie („China Syndrome“) folgen dem Wunsch, radikale Botschaften zu popularisieren. Im Zentrum der drei genannten Filme stehen Leute, die etwas über die Welt und ihre Stellung darin herausfinden und in folge dessen persönliche Veränderungen durchmachen. Dass just mit Aufkommen der Reagan-Ära Jane Fonda als Fitness-Einpeitscherin „wiedergeboren“ wird, wirkt demgegenüber wie eine radikale konservative Kehrtwendung. Paradoxerweise wuchs es jedoch aus dem Engagement-Leben hervor: Das vorwiegend an Frauen adressierte Aerobic denkt Fonda als Empowerment-Maßnahme zur Stärkung weiblichen Selbstbewusstseins. Und ursprünglich war das Aerobic-Business eine bloße Finanzierungsquelle für eine Kampagne über Wirtschaftsdemokratie, die sie mit ihrem damaligen Ehemann betrieb. Dass das erfolgreiche Fitness-Unternehmen bald zum Selbstzweck wurde, ist eine dieser Wendungen, die das Fonda-Leben charakterisiert. Dazu gehört auch ihr öfteres Vermählen mit eher unangenehmen Männern, das ihren feministischen Ambitionen ständig in die Quere kommt. Der Kampf in Jane Fonda geht jedenfalls weiter. Im Schlusskapitel ihrer Autobiografie schreibt sie, dass sie den Feminismus jetzt endlich verinnerlicht habe. Zuletzt war sie im Fernsehen in einer Werbung für Anti-Ageing-Faltencreme zu sehen. Die Viennale zeigt dieses Jahr ein „Tribute“ an Fonda mit ausgewählten Filmen, darunter „Klute“, „Coming home“, Jean-Luc Godards „Tout va bien“ und die Vietnam-Doku „Introduction to the enemy“. online seit 25.10.2007 11:37:40 (Printausgabe 39) autorIn und feedback : Beat Weber |
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„Der Kampf wird lang sein…“ Schüsseltexte der 68er. [29.08.2008,Birge Krondorfer] Was tut man nicht alles! Rezension von Buch und Ausstellung "nicht alles tun!" [14.08.2008,Elisabeth Steger] Filmbilder: Israel als Dispositiv Das Filmarchiv Austria zeigte eine rare und klug kuratierte Filmschau, in der weniger die Nation Israel als Bilder sozialer und kultureller Verflechtungen gesucht wurden. [06.08.2008,Gunnar Landsgesell] die vorigen 3 Einträge ... die nächsten 3 Einträge ... |
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