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Cultural Entrepreneurs Lindo Records Es ist wohl der Dialektgesang Klaus Tschabitzers (früher: Scheffenbichler, Tangoboys usw.), der auf diesem Album am meisten hervorsticht. Obwohl auch der sich nicht all zu sehr in den Vordergrund drängt – genau so wenig wie die minimal gehaltene LoFi-Elektronik und die restlichen Klangerzeuger, v.a. Akustikgitarre und Hammondorgel, welche die zwischen folkloristisch-verhalten und jazzig-beschwingt angelegten Songs dieser Platte instrumentieren. „Poplawok“, so der Name des neuen Albums von Tschabitzers (Fast-)Solo-Projekt „Der Schwimmer“, ist der dritte Release des jungen Wiener Labels Lindo Records, das seit gut 2 Jahren – als erweiterte Kulturplattform agierend – die hiesige Indie- & Alternative Country-Szene belebt. MALMOE bat JÜRGEN PLANK von Lindo Records zum Cultural Entrepreneurs-Interview und um eine Darstellung seiner Arbeits- und Produktionsbedingungen. Lebt ihr von eurem Label oder lebt euer Label von euch? Das Label lebt sozusagen durch uns! Lindo Records besteht seit dem Jahr 2004 und alle arbeiten ehrenamtlich und somit unentgeltlich. In Stunden kann man die Arbeit gar nicht angeben, Labelarbeit passiert ständig und täglich. Wir sind zu viert: Die Malerin Sascha Schaumburg, die das Logo und das Artwork zur CD von Clint (lindo 002) gestaltet hat, die Ethnologin und Kulturarbeiterin Andrea Hiller, der Musikjournalist, Poet und DJ Manfred Holawe und ich mache ja auch Musik und schreibe. Wie steht es um eure Labelpolitik? Es ist Labelpolitik, nur das zu veröffentlichen, was uns gefällt. Die Motivation zur Gründung von Lindo Records ist leicht erklärt: Erstens habe ich schon seit einigen Jahren mit der Idee gespielt, ein Label zu gründen, weil ich unter Musikerkollegen aus meinem Umfeld den Bedarf gesehen habe. Außerdem fließen in das Label meine eigenen Erfahrungen ein, die ich als Musiker mit Erstes Wiener Heimorgelorchester, Lassos Mariachis und The Wichita Linemen gemacht habe. Außerdem hat Andrea Hiller auch schon Musiker betreut. Wir wissen daher recht gut, was Musiker brauchen und können uns dementsprechend um sie kümmern. Zurzeit geht es sich noch nicht ganz aus, aber ein Ziel ist natürlich, dass sich die Releases finanziell zumindest selbst tragen. Etwaige zukünftige Gewinne würden in weitere Veröffentlichungen fließen. Und auch wenn wir nichts verdienen, betreuen wir die Künstler professionell. Wir versuchen in jedem Fall sozusagen „fair trade“ zu machen: Die Artists bekommen keine Knebelverträge und der kleine Kuchen wird gerecht verteilt. Wenn wir das Gefühl haben, dass ein Musiker besser zu einem anderen Label passt, weisen wir eher darauf hin. Künstlerische Freiheit ist uns ganz wichtig: Wir würden einem Artist niemals nahe legen, seine Produktion in irgendeine markttauglichere Richtung zu verändern. Das ist eine Form von Unabhängigkeit, die wir als Label haben und an die Künstler weitergeben. Künstler gelten ja allgemein als schwierig, wir achten bei der Auswahl der Artists auch auf deren Persönlichkeit. Wichtig ist uns, als kleines Label trotzdem gute Arbeit zu machen, weil wir glauben, dass man die wirklichen Musikfreaks trotz Downloading und CD-Brenner mit einem schön aufbereiteten Release noch erreichen kann. Als verbindende Klammer für eure bisherigen Veröffentlichungen taucht immer wieder das Label „alternative country“ auf. Was versteht ihr darunter? Alternative Country war am Anfang von Lindo Rec., die ersten beiden Releases – Lassiter und Clint – sind beide in diese Richtung gegangen. Die im Oktober 2006 erschienene CD „Poplawok“ von Der Schwimmer geht mehr in Richtung Elektronik, hat aber insofern auch einen Alternative Country-Aspekt, als Der Schwimmer in steirischem Dialekt singt und somit in einer Tradition steht, die Attwenger in Österreich begonnen haben. Alternative Country war ein Trend der letzten Jahre, der die Country-Szene nahezu weltweit aus dem volkstümlichen Nashville-Mainstream- Eck geholt hat und diese Musikrichtung auch Menschen zugänglich gemacht hat, die sonst nie Countrymusic gehört hätten. Alternative Country gilt für Lindo Rec. nicht dogmatisch, vielleicht ist die nächste Platte Elektronik, wer weiß. Wie Lindo ist auch The Wichita Linemen, einer der nächsten Releases, eine Plattform, auf der einander verschiedene MusikerInnen treffen, da ist etwa die Sängerin Heike Mangold dabei. Seid ihr „cultural entrepreneurs“? Das kann man schon sagen. Es gibt zwar inzwischen viele kleine Labels in Österreich, doch Lindo Rec. will mehr als ein weiteres Independent- Label sein. Es ist auch eine Plattform für Bands, die eine CD aufgenommen haben und nicht im Eigenverlag erscheinen wollen. Natürlich veröffentlichen wir nicht alles, was an uns herangetragen wird. Das wichtigste Kriterium ist immer, dass uns die Musik gefällt – schließlich sind wir nicht Geschäftsleute, sondern Musikfans geblieben. Wir versuchen schon eine Gegenposition zur Major- Musikindustrie zu bieten – uns geht es nicht um Verkaufszahlen, sondern darum, eine coole Scheibe herauszubringen und damit vielleicht zu zeigen, dass es abseits der Industrie durchaus Interessantes gibt. Irgendwo sind wir Querdenker geblieben und zu realistischen Idealisten geworden und das gilt wohl auch für Der Schwimmer. Doch trotz Idealismus: Ohne unseren Vertrieb Hoanzl ginge es natürlich nicht. Vernetzung ist für ein kleines Label besonders wichtig. Für Der Schwimmer hat z.B. der Film- und Radiomacher Ernst Tradinik, der auch für Filme von Hubsi Kramar Kamera und Schnitt gemacht hat, ein sehr feines Video erstellt. Zudem ist Lindo eine Plattform für alle Beteiligten, die miteinander auch andere Projekte machen: Etwa Workshops, Schreiben oder DJing. Wahrscheinlich ist ein Label zu haben für uns eine Art zu leben und an Dinge heran zu gehen. Der Schwimmer „Poplawok“ wird, wie auch alle anderen Releases auf Lindo-Records, in Österreich von Hoanzl vertrieben. online seit 18.01.2007 16:39:46 (Printausgabe 35) autorIn und feedback : erlebnispark Links zum Artikel:
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