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  Cultural Entrepreneurs

Tovarna Rog, Ljubljana

Am 25. März diesen Jahres setzte eine Gruppe von Aktivistinnen in Ljubljana die Initiative zur „Öffnung der ehemaligen Fahrradfabrik ROG für eine temporäre Nutzung“. Es handelt sich dabei um eine seit 12 Jahren ungenutzte Fläche von 7000 Quadratmetern im Zentrum von Ljubljana. Während diese Form der Aneignung weniger als klassische Form der Besetzung verstanden werden will, schreibt sie sich die „Erweiterung der Zweckbestimmung“ auf die Fahnen. Dementsprechend wird ROG seit Anfang April von einem stetig wachsenden losen Zusammenhang verschiedenster Gruppen und Einzelpersonen – mit dem Anspruch der Pluralität – als explitit non-kommerzieller workspace genutzt. Die erste öffentliche Veranstaltung im April war eine Pressekonferenz von Antonio Negri anlässlich der Übersetzung seines Buchs „Multitude“ ins Slowenische. Verhandlungen mit der Stadtverwaltung, die sofort nach dem Bekanntwerden der Aktivitäten einzelne AktivistInnen geklagt hat, stehen auf der Tagesordnung.

Die Aktivistinnen sehen sich lt. kollektiver Presseerklärung in kritischem Verhältnis zu Geschichte und Status Quo des 5 Min. entfernt liegenden kulturellen Zentrums Metelkova, ein in den 90er Jahren besetztes Militärgelände, das mittlerweile kommerzialisiert und in den Prozess des city branding integriert wurde. Obwohl die Terminologie der Presseerklärungen gegenüber der Stadtverwaltung eher an anbiedernden Businessplanjargon erinnert, könnte dies zunächst für das strategische Selbstverständnis der Unternehmung sprechen. So steckt hinter den blumig vorgetragenen Floskeln durchaus ein dramaturgisches Konzept.

Auch das Auftreten als informelle Interessensgemeinschaft einzelner Menschen, die die örtliche Kultur mittels Medienlabor und modernem Tanz bereichern wollen, gegenüber Behörden und bürgerlicher Öffentlichkeit soll etwaige Steine des Anstoßes aus dem Weg räumen. Der laufende Prozess will als “Präzedenzfall” zur Legalisierung von temporärer Nutzung gelten. In verschiedenen anderen Kontexten werden die Bedingungen dieser Nutzungen jedoch bisweilen eher nicht von den NutzerInnen selbst definiert.

Abseits des Versuches der Bildung lokaler Netzwerke/ ist die Perspektive ausschlaggebend, transregionale Bündnisse entstehen zu lassen. Im Licht der historischen Entwicklungen des letzten Jahrzehnts wird dies besonders deutlich. Das ROG-Gelände und andere ähnliche urbane Gebäude(komplexe) und Grundstücke sind die Konsequenz EU-orientierten Wirtschaftens, der Standortflexibilisierung sowie der Agenda der Stadtverwaltung Ljubljanas, zu deren Prioritäten jedenfalls nicht das Zufriedenstellen der lokalen Kulturszene zählte.

Als 1995 die Euroculture-Konferenz (zur Revitalisierung urbaner Gebiete) -von der Stadt organisiert - in Ljubljana stattfand, wurde das ROG-Gelände als Musterbeispiel gehandelt, es sollte saniert und zu öffentlicher Nutzung umgewidmet werden. 2001 erwarb die LB Hypo einen Teil des Grundstücks, ein Jahr später kaufte die Stadt in einem Leasingvertrag der Bank diesen Teil ab, vorausgegangen waren neuerlich Forderungen zur Revitalisierung, deren Umsetzung schließlich 2003 endgültig zum Stillstand kam. Einem öffentlichen Nutzungsinteresse wurde nie Rechnung getragen.

Da erscheint die Argumentation der im April begonnenen „erweiterten Nutzung“ jenen gleichermassen einleuchtend, wie ihnen der Prozess der EU-Erweiterung suspekt ist. Die „Entwicklung von Strategien der temporären Nutzung zur Einleitung von Prozessen der Wiederaneignung, Erneuerung und Anpassung im Kontext urbaner kultureller Produktion, die sowohl für die Stadt selbst, deren oberste Verwaltung als auch für deprivilegierte Gruppen von Vorteil ist“, wird sich nach den heurigen Kommunalwahlen einer neuen Realität stellen müssen, wenn auch der Tag-und Nachtportier, den die Stadt einstweilen zum Schutz gegen Übergriffe neonazistischer Gruppen zur Verfügung gestellt hat, das Häuschen am Eingang wieder verlassen haben wird. Die weitere Anwendung des erworbenen Praxiswissens zur Nutzbarmachung städtischen Raums wurde jedenfalls schon angekündigt.





online seit 13.07.2006 10:09:17
autorIn und feedback : Kati Morawek


Links zum Artikel:
www.tovarna.org



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