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Eminem – Stan (Interscope, 2000)

Nachdem ich eher zu den Musik-HörerInnen gehöre, die erst auf den Gesamteindruck, dann auf die Musik und dann – wenn überhaupt – auf die Texte achten, wusste ich nicht ganz genau, um was es in diesem Song überhaupt ging.

Gekauft habe ich mir diese Platte im Rahmen unserer FON JAPAN TOUR im September 2005. Privat ging es mir zu dieser Zeit nicht wirklich super und da fielen mir diese, immer wieder von Dido gesungenen Zeilen, ständig ein: „My tea’s gone cold I’m wondering why / I got out of bed at all / The morning rain clouds up my window / and I can’t see at all / And even if I could it’ll all be gray, but your picture on my wall / It reminds me, that it’s not so bad, it’s not so bad…“ Eventuell könnte dieser Song meiner überaus großen Melancholie aufgrund partnerschaftlicher Probleme entgegenkommen. Das veranlasste meine Investition!

Ich höre gerne Soundscapes. Bei „Stan“ gibt es da nicht nur den Regen im Hintergrund, auch die Füllfeder von Stan wird faktisch zum Musik-Instrument. Ein seltener Aspekt in der Produktion populärer Musik, die eine Breite erreicht. Als Mitglied der Kunstradio-Redaktion mag ich diesen Bezug natürlich besonders gerne. Das dramatische Ende – wie aus einem Movie-Soundtrack – hat freilich auch seinen düsteren Charme.

Einerseits der Star – aus der Gosse empor gestiegen – kümmert sich nicht um den Fan; andererseits der Fan – dieser knallt immer mehr durch; schließlich die Antwort und dann das Drama – Abgang und Ende.

Die geldökonomisch bedingte „Überlegenheit“ des Stars, der Fan und der Künstler Eminem treten mit mir als HörerIn in Kontakt. Sie erzeugen einen Gedankenprozess – über Startum, Eitelkeiten, Eifersucht, soziale Barrieren, Schwangerschaft, Vaterschaft, Liebe, usw. –, aber das ganze auf einer irrationalen, irrealen, großen Bühne – von MTV bis hin zum Formatradio. Ist das etwa, was sozusagen „epische“ Aufbereitung genannt werden könnte (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/ Episches_Theater)? Ich stelle die Vermutung an, dass Eminem mit seinem durchaus eitlen Zugang soziale Missstände aufzeigen kann, wie einst der gute alte Bert Brecht.

Aber: über Eminem selber kann ich nichts schreiben. Ich weiß zu wenig darüber. Ich möchte auch nicht über Eminem recherchieren. Ich habe mir auf einer weiteren Reise ein Eminem-Bootleg mit dem Titel „Encore“ gekauft. Angehört hab ich mir es erst einmal und ich glaube ich verkaufe es am Flohmarkt. Bei Musik treffen eben manchmal ganz eigenartige Zusammenhänge meinen Nerv.



Hans Groisz ist Mitgründer der Formation Ohne Name (FON), Labelbetreiber von WERKZEUG (wrkzg.net) und Obmann von phonoTAKTIK – Verein zur Förderung der musikkulturellen Weiterentwicklung

Eminem: „Stan“ (Interscope 2000)


online seit 13.07.2006 10:07:58 (Printausgabe 32)
autorIn und feedback : Hans Groisz




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