menueleiste1
home archiv suche messageboard abo hier gibts malmoe feedback alltag verdienen regieren widersprechen funktionieren tanzen erlebnispark
  Telly

Päpstlicher als der Papst

Meine Erwartungshaltung war so: Wenn eine Cartoon-Serie auf MTV abgesetzt werden soll, weil die bayrische CSU das so will, dann ist der Skandal rundherum sicher lustiger als die Sendung. Aber dann die Überraschung. „Popetown“ sticht aus dem Programm der ehemaligen Musiksender MTV-VIVA tatsächlich positiv heraus. Ist lustig ganz ohne Zutun der christlichen Eiferer, die ihre religiösen Gefühle beleidigt sehen und deshalb nach Zensur schreien. Im Mittelpunkt steht Pater Nicholas, der in der „Papststadt“ jeden Morgen geweckt wird, um irgendeine schwierige Mission zu erfüllen. Z.B. mit dem Papst, dessen Gemüt sich im fortgeschrittenen Alter offensichtlich dem eines Kleinkindes angenähert hat, verstecken zu spielen.

Schon die erste Folge besticht mit dem Einfall eines Papst-Doppelgängers, weil der echte beim Spielen in den Katakomben des „Petersdoms“ verloren ging. Leider ist er ihm nur äußerlich ähnlich, denn sobald er den Mund aufmacht, entpuppt er sich als jüdischer Stand-up-Comedian aus Brooklyn. Standesgemäß verbietet Pater Nicholas ihm daraufhin das Sprechen in der Öffentlichkeit, aber am Ende der Messe für die gehbehinderten Waisen, hält es ihn nicht länger am heiligen Stuhl und er muss ein paar Proben seines Könnens von sich geben. Ein paar der Kinder fallen glucksend aus ihren Rollstühlen, nebenan freuen sich die drei korrupten Kardinäle, die das ganze nur eingefädelt haben, um möglichst viel Merchandising-Ware von behinderten Kindern zu verkaufen. Ihr permanentes Ziel: In der Weltrangliste der Allerreichsten endlich die Nummer Eins, die US-Talk-Lady Oprah Winfrey, abzulösen.

In Folge Zwei versuchen sie dies, indem sie den Diktator einer „neuen abgespaltenen Republik noch ohne Namen“ überreden wollen, das Papstgewand mit dem Logo seiner Fluglinie zu sponsern. Das ganze geht nur schief, weil Pater Nicholas irrtümlich gebratenen Panda – vermeintlich das Nationalgericht, in Wahrheit aber vom Aussterben bedrohtes Landessymbol – zum Abendessen servieren lässt. Der Panda selbst war wegen der sexuellen Vorlieben eines anderen Paters nach Popetown gekommen.

Wem das jetzt zu viel nach Klischees klingt: Die Reaktionen auf die Sendung waren einschlägiger. Erst versuchte eine breite Allianz von Kirche und bewegten Christen die Ausstrahlung zu verhindern (in Großbritannien, wo die Sendung herstammt, war das gelungen). Dann rettete MTV die Demokratie und befragte seine SeherInnen, ob „Popetown“ weiter gesendet werden soll. Mit dem Ergebnis müssen die Gläubigen und Beleidigten nun eine Zeit lang leben. Das Werbeumfeld mit Handy-Anbietern und Co tut es auch, vergelt’s Gott.



„Popetown“ läuft jeden Mittwoch um 21.30 Uhr auf MTV


online seit 07.06.2006 15:35:09 (Printausgabe 32)
autorIn und feedback : Tommi Settergren




Der Guru-Effekt

Austin Powers und Alf Poier fragen den Inder
[03.11.2008,BW]


Feminist Missy’s

Ein neues Magazin
[22.10.2008,Saskya Rudigier]


Geimpfte Bilder

Subjektpolitik bei der Viennale
[07.10.2008,Gunnar Landsgesell]


die vorigen 3 Einträge ...
die nächsten 3 Einträge ...
 
menueleiste2
impressum kontakt about malmoe newsletter links mediadaten