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All time faves

The Specials – Specials (2 Tone Records, 1979)

Ich war vierzehn Jahre alt, als das erste große Ska-Revival mit den üblichen Jahren Verspätung von England nach Österreich und in weiterer Folge in mein vorstädtisches Leben schwappte. Das Phänomen trat zunächst in Form von schwarz-weißen Schachbrettmuster-Aufnähern auf den Jacken einiger älterer Schüler auf: „The Specials“, „2 Tone Music“, „Selecter“, „Madness“. Zusätzlich prangte auf Vespas und Schultaschen ein kleines Männchen im schwarzen Anzug mit Hut und Sonnenbrille. Da „einfach mal nachfragen“ aus hierarchischen Gründen nicht in Frage kam, begann ich im Plattengeschäft „Meki“ meine Recherche nach den Namen, die ich mir gemerkt hatte. Und fand tatsächlich eine Specials-LP; vorne ein schwarz-weiß Foto von sieben Kurzhaarigen in Anzügen und schwarzen Sonnenbrillen, die äußerst unterkühlt in die Kamera schauten, hinten das schwarz-weiße 2 Tone Records Logo. In den nächsten Tagen ging ich immer wieder hin, um das Cover anzuschauen und die leider wenig informativen Credits zu lesen, bis ich mich endlich dazu entschließen konnte die Platte zu kaufen (eine Investition von 149.- ATS will in diesem Alter schließlich gut überlegt sein).

Während bislang Wolfgang Ambros und Iron Maiden in friedlicher Koexistenz in meinem Kinderzimmer gelebt hatten, so hielt nun mit einem Schlag die Jugendsubkultur Einzug. Diese Musik war so völlig anders als alles, was ich bisher gehört hatte! Die Nummern waren größtenteils schnell und ungewohnt kurz, der Bass pumpte stetig vorwärts, die Gitarre produziert nur ein knappes, aber unbarmherzig zielsicheres „kwack, -, kwack, - ,kwack“. Und über allem quengelte der Sänger Terry Hall, und raunzte mit nasaler Stimme Texte, die ich damals zwar nur teilweise verstehen konnte, denen ich aber aufgrund des leicht unzufriedenen Grundtenors trotzdem uneingeschränkt zuzustimmen gewillt war. Meine absoluter Favorit war zunächst „Concrete Jungle“, die Nummer, die mit dem Fußball Chant „You’re going home in a fucking ambulance“ beginnt. Dass es sich dabei eigentlich um ein Lied gegen die damals in England erstarkte rechtsradikale „National Front“ handelte, habe ich erst später herausgefunden.

Abends schlenderte ich durch unsere Gemeindesiedlung und verzierte mit Lackstift alle Telefonzellen mit dem 2 Tone Logo. Dabei habe ich es immer wieder äußerst bedauert, nicht in einer Welt zu leben, in der Rassenunruhen und Drogenprobleme an der Tagesordnung sind. Aber anders als heute gab es in den 80ern in Graz-Liebenau leider noch keinen einzigen Schwarzen, ja noch nicht mal Türken! Aber obwohl sich offensichtlich nicht alle Inhalte eins zu eins auf meinen real existierenden Alltag übertragen ließen, stand es außer Frage, dass all das meinem Teenagerleben viel näher stand als jegliche Musik, die ich zuvor gehört hatte Neuerdings sehe ich Terry Hall immer wieder mal auf MTV, z.B. als Gastsänger von „Tricky“ oder den „Gorillaz“. Er hat deutlich zugenommen und wirkt nicht mehr so fahrig und dynamisch wie früher, aber in seiner Stimme hat er immer noch diesen subversiven, spöttelnden Unterton – gut so!


online seit 17.05.2006 14:27:39 (Printausgabe 31)
autorIn und feedback : Michi Posch




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