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  Drahtlose Gemeinschaft

Julian Priest betreibt mit Consume.net ein nicht-kommerzielles drahtloses elektronisches Community Network in Großbritannien.

Sie treten für drahtlose Community Netzwerke ein – warum?

Julian Priest: Tatsächlich treten wir für eine Aufteilung des Eigentums der Netzwerkinfrastruktur im Allgemeinen ein, wenngleich drahtlos ein gutes Instrument ist, um unsere eigenen Netzwerke aufzubauen.
Ganz allgemein gesagt sind Informationsnetze eine zentrale Infrastruktur für alle Arten von Kommunikation und sozialer und ökonomischer Aktivität. Zugang zu Netzwerken hat den Status einer wichtigen Freiheit für uns alle gewonnen.
Wir glauben, dass der beste Weg, um langfristig freien Zugang zum Netzwerk zu sichern, die Eigentümerschaft durch die NutzerInnen ist. Der Aufbau lokaler drahtloser Community Networks ist ein Schritt auf diesem Weg.

Was bietet uns ein gemeinschaftlich betriebenes Netzwerk, das wir von einem kommerziellen Internetanbieter nicht kriegen können?

Julian Priest: Wenn wir unsere eigenen Netze besitzen, kriegen wir… Gemeinschaft – wenn du anfängst, ein Netzwerk mit deinen NachbarInnen aufzubauen, musst du rausgehen und sie treffen. Der Prozess fördert gemeinschaftliches Handeln.
Freiheit – wenn du dein eigenes Netzwerk besitzt, bestimmst du, wie es läuft und wie es aufgeteilt wird, was darin kommuniziert wird und mit wem es verbunden ist.
Transparenz – du kennst die Person, die es erhält und weißt, wie es arbeitet, also kannst du es entweder reparieren lassen oder selber reparieren, wenn es zusammenbricht oder Adaptierungen braucht, statt monatelang auf einen Techniker zu warten und Zeit für Anrufe in Call Centern zu verschwenden.
Geringe Kosten – Netzwerke verursachen Kosten für Wartung, Elektrizität, Hardware und externe Bandbreiten-Kosten. Wenn das Netzwerk dir selbst als Gruppe gehört, kannst du fallende Hardware- und Bandbreiten-Kosten für dich nutzen, vor denen dich kommerzielle Netzwerke zu “schützen” versuchen, und zu Großhandels- statt Einzelkunden-Konditionen einzukaufen bringt beachtliche Einsparungen.
Innerhalb deines eigenen freien Netzwerks und zwischen anderen, mit denen du dich verbindest, gibt es keine Bandbreiten-Kosten.
Worin besteht wirklich der Unterschied? An irgendeinem Punkt musst du dich sowieso an den kommerziellen Telekom-Backbone anschließen, oder gibt es auch irgendeinen Weg, an diesen Netzwerken vorbeizukommen? Außer für den Fall, dass du deinen eigenen Satelliten besitzt, musst du für Langstrecken tatsächlich den kommerziellen Backbone benutzen. Aber seit dem Absturz der Telekomfirmen ist der Backbone beinahe unprofitabel geworden und hat hohe Überkapazitäten, der Großteil der Glasfaserkabel liegt brach. Durch Ausweitung und Koordination lokaler Netzwerke hoffen wir eines Tages die Rechnungsgrenze weiter hinauszuschieben und nennenswerte Backbone-Verbindungen unter Community-Netzwerkregeln aufzubauen. Das Picopeering Agreement (http://picopeer.net) ist ein erster Schritt auf diesem Weg.

Wofür können diese Netzwerke genutzt werden?

Julian Priest: Sie können für alles genutzt werden, was man mit dem Internet tun kann, also Web, E-Mail, diverse andere Medien, Sound, Video.
Sobald du ein billiges schnelles lokales Netzwerk hast, werden viele der reichhaltigeren Mediendienste, die im größeren Internet nicht vom Fleck gekommen sind, auf Gemeinschaftsebene möglich…

Kann man damit telefonieren?

Julian Priest: …du kannst damit sogar telefonieren, wenn du ein VOIP Setup hast, und dieser Trend könnte sich beschleunigen, wenn Handynetzbetreiber anfangen, WLAN Sender-Empfänger in Handys einzubauen.

Stehen Sie außerhalb des Gesetzes? Können Sie mit ihren Netzen aufregende illegale Dinge tun?

Julian Priest: Du verstößt nicht gegen das Gesetz in dem Land, in dem du operierst, und tatsächlich haben wir am Anfang der Entwicklung der drahtlosen Gemeinschaftsnetze viel Aufwand getrieben, um Legalität gegenüber Radio- und Telekomgesetzen sicherzustellen.
Du bist allerdings nicht von den Benutzerbedingungen gebunden, die üblicherweise von kommerziellen Betreibern verhängt werden, sondern kannst deine eigene Politik festsetzen, deine eigenen Regeln aufstellen. Teilnahme an der Freenetwork-Gemeinschaft gibt dir eine Plattform, um an rechtlichen Debatten teilzunehmen, um dir eine Stimme zu geben, wenn du findest, dass die Gesetze nicht in deinem Interesse sind.

Ok, was brauchen wir also, um so etwas selber zu starten, in Österreich. Brauchen wir Lizenzen?

Julian Priest: Du brauchst einen Willen, Information frei mit deinen NachbarInnen zu tauschen, einen Willen, zu kooperieren, eine forscherische Haltung gegenüber Technologie. Du wirst keine Lizenz brauchen.

Wie viele Leute braucht man, um so ein Netzwerk zu starten? Wo liegt die kritische Masse?

Julian Priest: Ein Netzwerk kann so einfach wie unser erstes in London sein, ein einfaches Link zwischen 2 Gebäuden, oder so komplex in seiner Abdeckung wie eine ganze Stadt, was auch immer jeweils passend ist. Es gibt eine breite und ständig wachsende Gemeinschaft, die weltweit ihre eigenen Netzwerke entwickelt. Hier eine Liste guter Projekte:
www.personaltelco.net/index.cgi/WirelessCommunities, www.freenetworks.org

Was ist euer Status in London und UK zur Zeit?

Julian Priest: Consume ist eines unter vielen Projekten, die in Großbritannien aktiv sind. Es dient als ein Versammlungsort für den Austausch von Ideen ohne formelle Struktur, und lokale Netzwerke laufen unter ihren eigenen Namen und Organisationen. Es gibt eine aktive Mailinglist, regelmäßige Treffen und etwa 1700 Knoten in unterschiedlichen Aktivitätsstadien, die in der Consume Datenbank registriert sind.
Wenn drahtlose Netze Mainstream werden und Technologie die Installation vereinfacht, hoffen wir auf eine zweite Welle von Aktivität und einen breiten Einstieg in freie Netze.

online seit 02.07.2003 16:18:11 (Printausgabe 14)
autorIn und feedback : Ribo Kader




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