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Revolte in der Saline Begegnung und Revolte an der Salzach. Eine ebenso riesige wie anschauliche Grafik kündet, auf eine Plexiglastafel über den Eingang der alten Fabrikshalle affichiert, von vergangener Produktivität: Während die Fieberkurve für die produzierte Tonnage über die Jahrzehnte steil nach oben weist, stürzt jene für die Beschäftigung ins Bodenlose. – Eine plastische, sozial engagierte Bildsprache, wie bestellt für die AktivistInnen der Vorbereitungsgruppe des Austrian Social Forum, die an einem kalten Wintertag durchs Fabriksgelände der ehemaligen Saline flanieren: Auf der Halleiner Pernerinsel, wo bis 1989 Tonne um Tonne Salz gewonnen wurde, soll Ende Mai die österreichweite Vernetzung Sozialer Bewegungen und NGOs über die Bühne gehen. Die pittoreske Architektur der leerstehenden Fabrikshallen, aus ihrem Bedeutungsszusammenhang gerissene skurrile Wegweiser und Inschriften an den Wänden und die riesige vor sich hin rostende Sudpfanne beeindrucken die “Polit-TouristInnen”, die nicht nur zum Siteseing und “Quartier machen” nach Hallein gekommen waren. Zuvor stand im AK/ÖGB-Veranstaltungszentrum das erste bundesweite Vorbereitungstreffen für den ASF-Gründungskongress Ende Mai auf der Agenda. Im schwarzen Block? Beim Abschluss-Plenum des Treffens hatte die Vertreterin der Gastgebergemeinde, Eva-Maria Habersatter-Lindner, die Anwesenden durch engagierte politische Wortmeldungen für Hallein eingenommen – immerhin eine Gemeinde mit ÖVP-Bürgermeister. Habersatter-Lindner, Architektin und Klubobfrau der ÖVP-Gemeinderatsfraktion, gilt nach Einschätzung vieler in der alten Industriestadt als politischer Kopf hinter der überraschenden Einladung von Bürgermeister Stöckl (ÖVP) an das Austrian Social Forum. Während seine Kollegen aus dem konservativen Parteienspektrum üblicherweise hysterisch nach der Polizei rufen, sobald sie einer Zusammenrottung sogenannter “Globalisierungsgegner” auch nur ansichtig werden, will Stöckl diese nicht nur massenhaft in seine Stadt holen, sein Einladungsbrief ans ASF liest sich darüber hinaus schon fast wie eine Resolution von Attac: “Unsere Stadt (…) erlebt derzeit hautnah den weltweit spürbaren Umbruch bestehender Strukturen und die Auswirkungen neoliberaler Experimente. Daraus entsteht Bewusstsein für die Notwendigkeit, nachhaltige Alternativen zu den vorherrschenden Handlungsabläufen zu entwickeln und das möglichst auf einer breiten zivilgesellschaftlich organisierten Basis.” “Hallein, mit seiner jahrhundertealten Industriegeschichte, ist doch wie gemacht, für eine Initiative wie das Austrian Social Forum” bestätigt auch Eva-Maria Habersatter-Lindner gegenüber MALMOE die Ambitionen des Halleiner Gemeinderats. Bei so viel gutem Willen seiner Gemeindevertretung beteiligt sich natürlich auch der in der ASF-Vorbereitungsgruppe engagierte Vertreter des linken “Bündnis für Hallein”, Christoph Eschbacher, selbstbewusst an der Führung durch das Veranstaltungsgelände seiner Stadt. Eine einzige Fraktion hätte im Gemeinderat nicht für die Einladung an die GlobalisierungskritikerInnen gestimmt, "ich brauche vermutlich nicht zu sagen, welche”, lächelt Eschenbach zufrieden. Konfrontation und Selbstaufklärung Die ehemalige Saline, in der u. a. im Sommer regelmäßig die Halleiner Festspiele und die Sommerakademie stattfinden, wäre selbst “ein gutes Beispiel dafür, was Globalisierung bedeutet”, referiert Haller auf dem Rundgang über die Pernerinsel. “1989, als die Salzproduktion nach Jahrhunderten endgültig eingestellt wurde, verloren auf einen Schlag 300 Personen ihren Arbeitsplatz.” Das kulturelle und politische Umfeld sowie die kollektive historische Erfahrung, die die globalisierungskritischen AktivistInnen in der alten Salinenanlage vorfinden werden, scheint tatsächlich eine ideale Entfaltungsmöglichkeit für das Prinzip der Sozialen Foren, die ja weder Megapartei noch klassisches Bündnis sein wollen, sondern vielmehr Raum schaffen sollen, für Begegnung, Konfrontation und Selbstaufklärung unterschiedlichster Revolten und Proteste gegen Widersprüche des globalen neoliberalen Systems. Für die Stadt Hallein, selbst mit den Auswirkungen kapitalistischer Standortpolitik konfrontiert, ist das bevorstehende Treffen wiederum eine Gelegenheit, die eigene Problemerfahrung auf der Pernerinsel in Beziehung zu setzen zu den Analysen von Anti-GATS-AktivistInnen aus Gewerkschaften, einer Grazer Anti-Privatisierungs-BürgerInneninitiative oder auch der Österreichischen HochschülerInnenschaft. Alle zusammen werden sich vermutlich in den 4 Tagen des Sozialforums der Kritik von MigrantInnen und FeministInnen stellen müssen. Und mit etwas Glück dabei den Moment erleben, in dem die Breite der Bewegung in eine neue analytische und praktisch politische Qualität umschlägt. Oder sie gehen sich auch nur furchtbar auf die Nerven. Viel wird diesbezüglich wohl davon abhängen, inwieweit politisch interessierte Leute from beyond der Sphäre der üblichen Verdächtigen auf dem Forum ihre Alltagserfahrungen einbringen können. online seit 06.02.2003 10:51:47 (Printausgabe 11) autorIn und feedback : Günther Hopfgartner Links zum Artikel:
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Das ist mein Text Eigentum im Zeitalter digitaler Reproduzierbarkeit [02.09.2008,Sabine Nuss] Die Geburt der Hundehütte Archäologien des hundlichen Blicks [05.08.2008,Fahim Amir] Partielle Irritationen Wie politisch ist der Kampf um Freiräume? [31.07.2008,Brigitte Bargetz, Gundula Ludwig] die nächsten 3 Einträge ... |
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