menueleiste1
home archiv suche messageboard abo hier gibts malmoe feedback alltag verdienen regieren widersprechen funktionieren tanzen erlebnispark
  Der selbsternannte Marschall von Wien

Die Website wien-konkret.at des „EU-Kritikers“ Robert Marschall täuscht vor, eine offizielle Informationsplattform zu sein, und verbreitet doch nur xenophobes, rechtes Zeug.

LIST IST LAUT ÖSTERREICHISCHEM GESETZ DIE „bewusste Täuschung (Betrug) und setzt daher ein für die Entstehung des Irrtums vorsätzliches, ja ihn bezweckendes Verhalten des Irreführenden voraus“. Szenenwechsel. Im Sommer 2010 erregte eine Internetseite kurzzeitig partielles öffentliches Ärgernis: Auf wien-konkret gibt es wie auf anderen Seiten, die über Orte (touristisch) informieren wollen oder zumindest so tun als ob, eine Liste der Schwimmbäder Wiens.

Neben den üblichen Kategorien wie Adresse, Öffnungszeiten oder Ausstattung findet sich auf dieser Website aber auch die außerordentliche Sparte „Publikum“. Während ein Besuch des Schönbrunner Bades ans Herz gelegt wird mit der Begründung „viele Schwimmsportler, exklusive Preise – exklusives Publikum, hoher Inländeranteil“ (1), steht beim Amalienbad „es gibt (auch) Österreicher hier“. Doch das ist nur ein Beispiel für die rassistische und xenophobe Gesinnung auf wien-konkret.

DASS VIELE MENSCHEN UND POSITIONEN IN ÖSTERREICH latent bis manifest rassistisch sind, dementsprechend auch ihre Websites, überrascht wenig. Der eigentliche Skandal bei wien-konkret aber ist, dass die Website nicht nur mit ihrem domain-Namen sondern auch mit ihrer Aufmache vortäuscht, etwas zu sein was sie nicht ist, nämlich eine offizielle, städtische Informationsseite über Wien. Und darauf fallen nicht nur jene herein, die dem manchmal versteckten, meist offensivem rechten Gedankengut etwas abgewinnen können: Bei diversen Abfragen über diverse Suchmaschinen wird die Seite relativ zu Anfang vorgeschlagen.

Ich selbst – und damit bin ich in dem Falle leider nicht allein – habe nicht selten die Website angeklickt, mich zwar etwas über die selbst für österreichische Amtsseiten unprofessionelle weil schlichtweg schlechte und hässliche grafische Gestaltung gewundert, aber erst später tatsächlich gemerkt, wes Geistes Kind diese Website ist. Es gibt Einträge und Artikel, die 1:1 von der – tatsächlich offiziellen – Seite der Stadt Wien kopiert sind und dann wieder Texte, die offensichtlich ausländer_innenfeindlich, sexistisch und revisionistisch sind. Oft wird einer nüchternen Veranstaltungsbeschreibung dann ein Satz hinzugefügt, der in eine andere Richtung lenkt. Kurz gesagt: Die Seite ist manipulativ und führt in die Irre – ist kurz gesagt genau das, was das Österreichische Gesetzbuch als List beschreibt, und damit womöglich juristisch zu ahnden.

UM EIN WEITERES BEISPIEL ZU NENNEN: AUF MEINE Suche nach den Kandidat_innenlisten der einzelnen Parteien für die Nationalratswahl 2013 spuckte meine Suchmaschine – ich gestehe, ich habe ge-googelt – einen Treffer auf folgender Seite aus: www.nationalratswahl.at. Ich gehorchte und klickte, die URL klang ja auch plausibel. Doch auch diese Seite ist eine List – und wird, wie sich bald herausstellte, vom gleichen Macher betrieben wie wien-konkret und vermittelt auch die gleichen – rechten – Inhalte. Um die Qual der Wahl zu erleichtern, sind auf nationalratswahl.at alle Parteien und ihre Kandidat_innen kurz beschrieben. Der Text zu den Grünen beginnt mit der Kurzcharakteristik, dass sie eine Partei der „Frauen, Ausländer und Migranten“ ist und endet mit der folgenden Feststellung:

„PS: Ein großes Problem dürften die Grünen mit dem souveränen Staat Österreich haben. Haben Sie schon einmal eine Österreich-Fahne bei den Grünen gesehen oder ein klares Bekenntnis zur Österreichischen Nation gehört?“ Da darf ein Kommentar zum Schwangerschaftsabbruch, diesmal wieder auf der Seite wien-konkret, natürlich auch nicht fehlen, der mit folgender skandalöser „Pointe“ schließt: „Skurril: Die Grünen sind für Umweltschutz und Tierschutz, aber nicht für Menschenschutz !!! (jedenfalls nicht für den Schutz ungeorener Kinder)“. Ob mit „ungeorene“ nun „ungegorene“ oder „ungeborene“ Kinder gemeint sind, bleibt unklar.

EIN BLICK INS IMPRESSUM OFFENBART, WER HINTER DIESEM Spuk steckt, der Plattform für Hotelinformationen, Tourismus und Leben in Wien ebenso sein will wie Partnerbörse und politische und staatsbürgerliche Information – und dies alles mit „subtiler“ rechter Schlagseite. Robert Marschall ist seit 2011 Vorsitzender der EU-Austrittspartei, im Rahmen derer er mit in etwa zwei weiteren Kandidat_innen (die Lise konnte ausschließlich in Vorarlberg genügend Unterstützungserklärungen für eine Kandidatur sammeln) den Untergang Europas durch die „Fremdbestimmung der EU“ prophezeit und neben der Wiedereinführung des Schillings, Zuwanderungsstopp, mehr Volksabstimmungen, österreichische Kinder, „Freiheit“ für Österreich und einen EU-Ausschluss aller Länder Südost- und Osteuropas sowie die sofortige Aufhebung des Glühbirnenverbotes fordert.

Ideologisch ist damit alles klar. Wenig erfolgreich ist die Performance seiner Partei gemessen in Wähler_innenstimmen, weshalb sich Marschall auf seine „listigen“ online Auftritte konzentrieren dürfte, deren Gefahren darin liegen, dass Ressentiments, Xenophobie, Antifeminismus und ein völkischer Patriotismus als „normal“ rezipiert werden, da wenige auf vermeintlich harmlosen städtischen Informationsseiten – in einem Interview mit Marschall in der Zeitschrift Datum (09/12) wird wien-konkret schlicht als „Stadtmagazin“ bezeichnet – derartige Propaganda vermuten. Ich möchte wissen, was juristisch unter „bewusste Täuschung (Betrug)“ fällt, wenn nicht das. Der Stadt Wien jedenfalls kann es hoffentlich nicht egal sein, dass wohl nicht wenige wien-konkret für eine offizielle Informationsquelle halten.


FUSSNOTE
(1) Ich bin mir recht sicher, dass hier 2013 statt „hohem Inländeranteil“ noch „geringer Ausländeranteil (ein paar Franzosen, Italiener, Russen)“ stand.

online seit 17.01.2014 00:07:06 (Printausgabe 65)
autorIn und feedback : Nikola Staritz




Wie vorher!

aus dem Diskursiv: Vom Leben mit Kindern
[05.10.2018,Monika Vykoukal]


Neiiiihhin!

aus dem Diskursiv:
Vom Leben mit Kindern [05.10.2018,Patrick Ward]


Er hat die Melone so gern

aus dem Diskursiv:
Vom Leben mit Kindern [05.10.2018,Benjamin Herr]


die nächsten 3 Einträge ...
 
menueleiste2
impressum kontakt about malmoe newsletter links mediadaten