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  MONTREAL - the place to be?

"Mit einem Einfachticket und 200 Dollar kam ich (in Montreal) an. Es war die beste Entscheidung meines Lebens." Kasai Dear, DJ (DJ Kosmonaut), Dichter und Schriftsteller, wanderte von New York City nach Montreal aus.

Von New York City nach Montreal
Es gibt viele Gründe für meinen Umzug: New York ist zu teuer und daher auch keine Stadt für KünstlerInnen. Es dreht sich alles um’s Geld verdienen. Viele junge Leute sind frustriert und unzufrieden. Der wichtigste Grund für mich von New York wegzugehen war, dass unter der Regierung Guiliani Freiheiten verlorengingen, die ich nun woanders suchte. Ich verließ New York während des Fiaskos der letzten Präsidentschaftswahlen. Es zeichnete sich ab, dass George W. Bush gewinnen würde – und die USA noch weiter nach rechts tendieren werden. Nach Europa zu kommen, konnte ich mir nicht leisten, und so bin ich in Canada gelandet. 500 Meilen nördlich von New York liegt Montreal. Mit einem Einfachticket und 200 Dollar kam ich an. Es war die beste Entscheidung meines Lebens.

KulturarbeiterInnen in Montreal
Es gibt genug Betätigungsfelder im Kulturbereich, vor allem für Leute, die Französisch sprechen. Es gibt auch ein paar englischsprachige Institutionen... Ich selbst arbeite beim Black Theatre Workshop, einer Truppe schwarzer anglophoner SchauspielerInnen und DramatikerInnen.

Montreal: zwei Sprachen - zwei Szenen
Die Stadt ist entlang der Sprachgrenzen geteilt. Es gibt für alles - Kino, Musik, Clubs, Poetry etc. zwei Szenen - in Französisch und Englisch. Der Clubszene fehlt es an guten DJs, zumindest der englischsprachigen. Montreal steht diesbezüglich sozusagen im Schatten von New York. Die besten Parties in Montreal waren jene, als DJs aus New York oder Europa auflegten. DJ Maus ist unter den resident-DJs die beste. Sie kommt ursprünglich aus Holland - ihre Sets klingen frisch. Die französischsprachige Szene um das Hochlagaviertel (ärmliche Gegend im East-end) produziert feinen Hip-Hop, der Paris Konkurrenz macht. Auch wenn die Clubszene langweilig ist, sobald im Sommer die Festivals beginnen, blüht Montreal auf. DJs von überall spielen an öffentlichen Plätzen und Leute tanzen. Zwischen Juni und September verwandelt sich die Stadt in eine große Straßenparty. Niemand muss Eintritt zahlen, um gute Musik zu hören.

Alternative Medien
Es gibt fünf Community-Radio-Stations in Montreal. Das ist verglichen mit den Städten in den USA ungewöhnlich viel. Ich arbeite in der einzigen englischsprachigen Radiostation. Die kanadische Regierung ist, was Sendelizenzen, betrifft nicht sehr streng, Community-Radio-Stations werden sogar unterstützt. Auch hier gibt es im französischsprachigen Bereich viel mehr Angebot als in der englischsprachigen Community. Bis dato gibt es noch kein IMC (Independent Media Centre). Diesbezügliche Bemühungen blieben erfolglos. Was die alternative Presse betrifft, kann man sagen, dass die französischsprachigen Zeitungen mehr politischen Content bieten, wie überhaupt die französischsprachige Szene politisch aktiver ist.

Aktivismus
Montreal und Quebec sind die Brutstätten für politischen Aktivismus in Nordamerika. Quebec ist die linke und progressive Region schlechthin. In den 60er Jahren kam es zur "Revolution Tranquile" (Quiet Revolution), als die französischsprachigen KanadierInnen ihre Kultur und Sprache behaupteten. Daher ist auch heute Separatismus ein heißes Thema. Zwei diesbezügliche Referenden wurde abgelehnt – das von 1995 sehr knapp. Montreal beheimatet mit der CLAC (Anti-Capitalist-Convergence) die MitorganisatorInnen der Proteste gegen den "Summit of the Americas" im April 2001 in Quebec. Vier Tage und Nächte dauernde Zusammenstöße verwandelten die Stadt in eine Art Kriegszone. Für mich ist Montreal eine der letzten Städte in Nordamerika, in der effektiv praktiziert wird.

Aufgezeichnet von Christina Nemec


online seit 21.04.2002 18:03:28 (Printausgabe 3/2002)
autorIn und feedback : alltag




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