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Zäher Teig Gibt’s wenigstens für Kinder ein richtiges Leben im falschen? ES KAM DER TAG, an dem ich meine 2-jährige Tochter der Kindergartenpädagogin mit den Worten übergab: „Ihr pädagogischer Ansatz fruchtet nicht.“ Die Kleine war ausgestattet mit einem rosa Schnuller, rosa Plüsch-Ohrenwärmern und einem rosa Stirnband mit Glitzersternen – und keines dieser Accessoires hätte sie ums Verrecken in der Garderobe jenes Kindergartens gelassen, der Wiens erster und einziger mit einem fundiert gender-spezifischen Ansatz ist: Bei der Raumaufteilung und dem Spielangebot wird ebenso darauf geachtet, Buben und Mädchen nicht auf gesellschaftlich vorgegebene Rollen festzuschreiben, wie bei spezifischen Projekten, die umgesetzt werden, Rollenspielen und Outdoor-Aktivitäten. Beim Personal ist von der Putzkraft bis zu den Pädagog/innen und Betreuer/innen gewährleistet, dass die Kinder gleichermaßen Männer wie Frauen bei denselben Arbeiten sehen, und die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache ist dermaßen selbstverständlich, dass mein Kind buchstäblich Sprechen und Splitten in einem lernte. Einmal gab’s ein winterliches Keksebacken mit Elternbeteiligung, das strictly „Daddies only“ war. Einem gelang es aber doch, Mummy mit hineinzuschmuggeln, und zwar mit dem Argument, sie würde filmen. Schon nach wenigen Minuten des väterlichen Teigknetens stellte sich aber heraus, dass ihre Handhabung der Kamera mitnichten zu seiner Zufriedenheit erfolgte, und das führte zu der vernünftigen und pragmatischen Lösung, dass wohl doch besser sie bäckt und er die Technik bedient. LAUTER LEIDLICH POLITISIERTE und der feministischen Sache einigermaßen verbundene Bobos also, die mit ihren Kids in diese Einrichtung drängen? Au contraire! Dieser Kindergarten hat an 51 Wochen des Jahres zehn Stunden am Tag offen, und nicht wenige wollen deshalb dorthin und nehmen das Gender-Dings wenn überhaupt wahr, so eben in Kauf. Kinderbetreuungseinrichtungen schaffen es meist im Kontext von Fragen nach beruflichen Perspektiven von Frauen in die öffentliche Debatte, wenn wieder einmal so schlicht wie wahr festgestellt wird: Wer ein Kind hat und arbeiten gehen will oder muss, braucht ein vernünftiges Betreuungsangebot. Es so hinzustellen, als bestünde die Hauptmotivation der Kindergartenwahl darin, abzuwägen, welche Gesellschaft und welches Entertainment meinem Spross wohl am genehmsten wäre, geht an dieser Realität vorbei: Ich habe keine Handvoll Leute kennengelernt, die ihre Kinder, ohne dass es Resultat ihres Erwachsenenlebensentwurfes gewesen wäre, in einen Kindergarten bringen, damit die mal rauskommen und was anderes sehen als den heimischen Salon und das Dienstmädchen. Wer zudem glaubt, der beschriebene Kindergarten sei eine exklusive Bastion des bourgeoisen Ösitums mitten im migrantischen 15. Bezirk, in der die Kinder zwar eine gendergerechte, nie aber eine andere als die deutsche Sprache hören, verkennt, dass es längst auch vor dem Migrationshintergrund Leute gibt, die sich den (bei Ganztagesbetreuung übrigens verhältnismäßig geringen) finanziellen Mehraufwand eines „privaten“ Kindergartens leisten können, wollen oder können müssen. DEM GEGENÜBER DURFTE ich auch schon nicht-kommerzielle und selbstverwaltete Kinder-Zusammenhänge kennenlernen, die sich explizit in einer emanzipatorischen Tradition mit Blick auf eine bessere Gesellschaft verorten, die nun aber in der Tat sozial einigermaßen und „ethnisch“ denkbar homogen sind. Der auch pädagogische Wille zum insgesamt Besseren macht aber ausgerechnet dort oft den Anspruch sehr niedrig, den du an eine Diskussion der Geschlechterverhältnisse haben kannst, kriegst du doch nach wie vor die Leier von den gesellschaftlichen Haupt- und Nebenwidersprüchen, und sei es sinngemäß, ins Gesicht gesagt. Schlussendlich kann keine Betreuungseinrichtung linke Eltern von ihrer Pflicht entbinden, ihren Kindern möglichst früh beizubringen, dass die Welt, so wie sie ist, ungerecht eingerichtet ist, dass die meisten anderen deppert sind und wir Recht haben. Mit dieser Einstellung übersteht ein Kind fast jeden Kindergarten halbwegs unbeschadet. online seit 13.01.2012 11:08:49 (Printausgabe 57) autorIn und feedback : Ingo Lauggas Links zum Artikel:
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