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  Das Bedingungslose Grundeinkommen ...

...und mein Leben

Was mache ich mit meinem Leben, wenn es in Österreich das bedingungslose Grundeinkommen gibt? Viel Zwang würde abfallen. Ich könnte mir mehr Zeit lassen - sowohl bei alltäglichen Dingen, wie auch bei größeren Lebensabschnitten. Mein Studium müsste ich jetzt nicht unbedingt innerhalb bestimmter Zeiten abschließen, nur um nicht aus den Förderungen zu fallen. Endlich könnte ich also das Studium gemütlicher angehen, mir die Woche nicht mit Lehrveranstaltungen vollstopfen, sondern viel eher jene davon machen, die mich interessieren – auch von anderen Studienrichtungen. Das Bildungsangebot der Unis würde ich so ganz anders nutzen; ob inskribiert oder nicht, meine Studienzeit würde sich sicher um einiges verlängern. Was würde sich danach ändern? Mit dem Erhalt eines Grundeinkommens kommt nicht der Stress auf, unbedingt sofort nach dem Studium eine Arbeitsstelle zu finden. Ich könnte mir also genau den Arbeitsplatz suchen, der mir wirklich taugt. Ich muss mich nicht von dem/der ArbeitsgeberIn zu einer 40-Stundenwoche, oder gar zu Überstunden erpressen lassen, denn dann gehe ich einfach. Viel eher würde ich so wahrscheinlich Teilzeit arbeiten, und hätte so mehr Zeit für andere Dinge, wie etwa künstlerische Arbeit. Würde ich also ohne Antrieb arbeiten? Sicher ohne gesellschaftlichen Antrieb, sprich Druck. Aber mein innerer Antrieb zu arbeiten würde bleiben, warum soll ich ihn auch nicht mehr haben? Bei einer Arbeit, die ich mir mit ganz anderer Freiheit aussuchen kann, hinter der ich also wirklich mit vollem Herzen stehe. Und möchte ich mich für meinen Job weiterbilden, oder eine neue Ausbildung erlernen um woanders tätig zu werden, und meine/r ArbeitsgeberIn unterstützt das nicht, so könnte mir das egal sein. Ich könnte so aber auch gar nicht irgendwo fix arbeiten, sondern meine Zeit nur dafür verwenden um künstlerisch tätig zu sein. Das Grundeinkommen nimmt KünstlerInnen ja auch die große Last ab, unbedingt ihre Arbeiten verkaufen zu müssen. So würden bei mir, wie wahrscheinlich auch bei den meisten Menschen, die Arbeiten mit gesellschaftlichem Mehrwert stark anwachsen. Kritische Kunst, aber auch ganz generell Kritik an der Gesellschaft ist so also ganz anders möglich. Ich hätte so aber auch die Zeit nicht nur für Kritik, sondern auch für fundierte Lösungsansätze. Interessante Themen und Probleme könnte ich so in ihrem ganzen Umfang ausschöpfen bzw. ergründen. Gerade die Beschäftigung mit Themen, vor denen die Gesellschaft gerne die Augen verschließt, die darum künstlerisch nicht so häufig aufgearbeitet werden, wäre dank Grundeinkommen gesichert. Aber das bedingungslose Grundeinkommen würde sich bei mir auch stark bei der Familienplanung auswirken. Sie wäre nie so von der Arbeit abhängig. Ich könnte meinen Kindern die Zeit geben, wie ich es möchte und wie sie es gerade brauchen. Sowohl meine Partnerin als auch ich könnten mit viel weniger Schwierigkeiten in Karenz gehen. Wie immer würde auch hier für mich gelten: wenn es von dem/der ArbeitsgeberIn nicht erwünscht ist, so bin ich halt arbeitslos. Dank Grundeinkommen hätte mein Leben wahrscheinlich einen geringeren materiellen, dafür aber einen höheren sozialen Inhalt.



online seit 03.05.2010 10:31:38 (Printausgabe 50)
autorIn und feedback : Tobias Dörler


Links zum Artikel:
www.malmoe.org/artikel/alltag/2009Bedingungsloses Grundeinkommen - Was würdest du damit machen?



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