![]() |
| |
|
|
||||
| |
||||||
|
Kritik in der (Medien)Krise Alle reden vom Ende der Zeitung. Hat kritischer Journalismus trotzdem eine Zukunft? In den letzten Monaten breitete sich im so genannten Qualitätssegment der Print-Medien ein Krisendiskurs über die eigene Zukunft aus, der große Ähnlichkeiten mit den Debatten in der Musikindustrie aufweist. Insbesondere Tageszeitungen sehen sich von zwei Seiten unter Druck. Langfristig wandern – ganz ähnlich wie CD-KäuferInnen – immer mehr LeserInnen ins Internet ab und wollen dort gratis lesen. Würden Medienhäuser darauf reagieren und Print zugunsten einer ausschließlichen Online-Präsenz aufgeben, würde das das Ende derzeitiger journalistischer Strukturen bedeuten. Denn das Potenzial für Werbeeinnahmen im Internet (aktuell rund ein Zehntel der Einnahmen für Printwerbung) gilt als zu gering. Diese Strukturkrise wird durch die aktuelle Wirtschaftskrise, die den Werbemarkt kurzfristig zum Einbrechen bringt, beschleunigt und verschärft. In den USA, Deutschland und anderswo stehen von Regionalzeitungen bis zu großen Qualitätsblättern viele Medienhäuser unter einem Druck, der Szenarien von Einsparungen bis zur Schließung aufwirft. In den USA meldete vor Weihnachten die Eigentümerin der LA Times und der Chicago Tribune Konkurs an. Auch die New York Times geriet ins Wanken, bis schließlich Anfang des Jahres ein Retter in Gestalt des Milliardärs Slim erschien. In Deutschland legt Gruner+Jahr Redaktionen verschiedener Titel zusammen und stellt Magazine ein, auch die WAZ streicht ganze Lokalredaktionen. In Österreich signalisieren Verlage vorerst noch „business as usual“, während der ORF die Krise schon spürt. Wie in der Musikindustrie bereits seit längerem werden nun auch in der Printmedien-Industrie durch das Internet bedingte Zukunftsängste akut. Um die Neuordnung des Mediensektors zu beschreiben, könnten deshalb Analogiebildungen aus der Musikindustrie hilfreich sein. „Major“ vs. „Indie“ war ein wichtiges Begriffspaar für die Popkritik, das für die Veränderungen im Mediensektor brauchbar scheint. Zwar wird im Mediensektor traditionell von Mainstream Medien vs. Freie Medien gesprochen. Aber das Label „Freie Medien“, einst von linken und partizipativen Medien besetzt, wird heute von Medien benutzt, die mit diesen Konnotationen vielfach gar nichts am Hut haben, wie ein im Dezember 2008 in Wien stattgefundener Kongress „Freier Medien“ gezeigt hat, deren einziger gemeinsamer Nenner ihre Prekarität ist. Passender erscheint angesichts dessen eine Differenzierung nach Eigentümerschaft: Demnach wären die von großen Verlagshäusern produzierten Blätter als „Major-Medien“ und die Produkte von kleinen, häufig non-profit Strukturen als „Indie-Medien“ zu bezeichnen. Während Major-Medien üblicherweise in Boulevard- und Qualitätsmedien unterschieden werden, macht es Sinn, auch in der Indie-Szene zu differenzieren. Nach inhaltlicher Orientierung kann dort in Vorfeld-, Nischen- und Gegenstimmen-Medien differenziert werden (siehe Kasten). Die große Indie-Expansion Major- und Indie-Medien können als komplementäre Felder verstanden werden, deren Grenzen und Aufgabenteilung sich immer wieder verschieben. Mit dem Internet und seinem Blogging-Wesen vollzieht sich eine solche Verschiebung. Es hat sich eine umfassende digitale ProsumentInnen-Kultur ausgebreitet: Vormalige KonsumentInnen von Medien produzieren nun selbst Text, Bild, Sound. Eine von den Einzelnen Selbstdarstellung und Bewerbung in Permanenz fordernde Kultur der Aufmerksamkeitskonkurrenz hat den Bereich des Amateurjournalismus stark ausgeweitet. Dieser erweitert nun den bestehenden Indie-Sektor in Print, Radio und TV um eine gigantische Online-Komponente. Die drei Zweige des Indie-Sektors – Vorfeld-, Nischen- und Gegenstimmen-Medien – unterhalten ein jeweils unterschiedliches Verhältnis zum Major-Sektor. Nach der letzten Medienkrise Anfang des Jahrtausends konstatierten wir, dass die Krise überraschend eine Welle an Indie-Neugründungen im Segment Vorfeld- und Nischenmedien hervorgebracht habe. Der Grund: „Gratisarbeit zählt in Kreativbranchen wie dem Journalismus nicht mehr zur Besonderheit alternativer Projekte, sondern ist zur allgemeinen Berufsanforderung über weite Strecken der persönlichen Laufbahn geworden.“ Die Folge: „Die Sorge um die eigene Karriere unter derart prekären Bedingungen macht kritischen Journalismus natürlich immer stärker zum Risiko.“ (MALMOE #25, S.18) Welche neuen Veränderungen bringt nun demgegenüber die aktuelle Medienkrise mit sich? In den Major-Medien wird die Krise hauptsächlich unter ökonomischen Gesichtspunkten diskutiert: Welches Geschäftsmodell könnte den Status-Quo erhalten? Wenn, selten aber doch, inhaltliche Diskussionen geführt werden, dann unter folgenden drei Aspekten: Qualitätsverlust, Zersplitterung, Verlust von Kritik. Das Ende der Kritik? Die Endzeitstimmung für Printmedien lässt manche BeobachterInnen Gefahren für Öffentlichkeit und Demokratie beschwören, die vor allem dem Internet zugeschrieben werden. Wenn professionelle JournalistInnen in Leitmedien, deren Kommentare die politische Wahrnehmung mitbeeinflussen, durch ein Wirrwarr von AmateurberichterstatterInnen auf Blogs abgelöst würden: Wäre das Ergebnis nicht ein radikaler Qualitätsverlust? Mit der professionellen Zeitungsredaktion falle eine zentrale Instanz der Qualitätskontrolle, die Gerücht von Fakt zu trennen vermöge, so die Befürchtung. Dass Boulevardisierung im Buhlen um LeserInnenschaft, das Vordringen von Advertorials im Bestreben um Werbeeinnahmen und profitinteressierte Eigentümerstrukturen die kommerziellen Zeitungen längst in einen Alltag geführt haben, der mit diesen hehren Idealen recht wenig zu tun hat, bleibt dabei meist ausgeblendet. Auch die Zersplitterung der Öffentlichkeit, der Ersatz gemeinsamer gesellschaftlicher Foren des Austauschs rund um Leitmedien zugunsten eines blogifizierten Kleingärtnerwesens, wird gern beklagt. Doch wie viele Leute haben z.B. bei der „Zeit im Bild“ als Monopolangebot zur Prime-Time früher wirklich aufgepasst und das Gesagte verstanden? Schwer zu sagen. Dass dabei nur ein radikal verengter Ausschnitt aus der Bandbreite gesellschaftlicher Sichtweisen übertragen wurde, ist jedenfalls sicher. Aus aktuellen Trends basteln sich einige MedienbeobachterInnen Horrorszenarien für die eigene Zunft zusammen: JournalistInnen werden in ihrer Funktion als BerichterstatterInnen durch AmateurInnen ersetzt, als Filter durch Selbsttätigkeit der LeserInnen oder online News-Aggregatoren, als KritikerInnen durch Algorithmen von Online-Shoppingportalen („Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch…“) und Abstimmungen unter NutzerInnen. Angesichts dessen sprechen manche von einem drohenden „Ende der Kritik“. Doch kritischer Journalismus war und ist immer nur ein Teilsegment von Journalismus. Wenn der Großteil der journalistischen Arbeit, das Berichten über Sex & Crime und das boulevardeske Inszenieren von Politik als „clash of egos“, vom Strukturwandel der Medien bedroht ist, dann ist das wohl weniger dramatisch. Doch was bedeuten die aktuellen Veränderungen für das kleine Segment des kritischen Journalismus? Wie kann sich dieses Genre und die dafür Tätigen in den neuen Verhältnissen verorten? Können Indie-Medien zum Zufluchtsort für kritischen Journalismus werden? Was ist kritischer Journalismus? Unter dem Begriff „kritischer Journalismus“ können zwei Formen verstanden werden: Aufdeckungs-/Kontrolljournalismus und gesellschaftskritischer Journalismus. Aufdeckungsjournalismus sucht nach Skandalen und Verfehlungen und begreift sich als Kontrollinstanz zur Sicherung des geregelten Laufs der Dinge. Gesellschaftskritischer Journalismus hingegen formuliert und recherchiert Einwände gegen diesen geregelten Lauf. Doch selbst diese Differenzierung ist zu ungenau: Dass „kritisch“ heute vielleicht weniger denn je automatisch „links“/“emanzipatorisch“ bedeutet, und die linke/emanzipatorische Variante in österreichischen Major-Medien einen besonders schweren Stand hat, muss noch hinzugefügt werden. Von Gegenstimmen-Indies abgesehen, die auf gesellschaftskritischen Journalismus spezialisiert sind, ist kritischer Journalismus heute in all seinen Formen in heimischen Medien eher die glückliche Ausnahme als die Regel. Er hängt vielfach am Engagement von Einzelpersonen ab, die sich Nischen in Major- und Indie-Medien erkämpfen. Für die Zukunft von kritischem Journalismus sind die Fragen entscheidend: (Wie) Wird er bezahlt? (Wo) wird er veröffentlicht? (Von wem) wird er rezipiert? Geld für kritischen Journalismus? Mehr als die Änderung der Vertriebskanäle an sich ist die von diesen beschleunigte Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse die entscheidende Änderung für die Zukunft des Genres. Medienhäuser reagieren auf die Veränderungen, indem sie JournalistInnen schlechter bezahlen (mithilfe zahlreicher Umgehungskonstruktionen werden etwa Online-JournalistInnen in Österreich strukturell schlechter bezahlt als Print-KollegInnen) und ihnen mehr Arbeit aufhalsen – Belegschaften werden in der Krise reduziert, die verbliebenen Print-ReporterInnen müssen nun auch bloggen und Online-Videos produzieren, ihre Artikel werden dem zweifelhaften permanenten Monitoring durch Zugriffszahlen unterworfen. Beschleunigung des journalistischen Alltagsgeschäfts durch den Konkurrenzdruck schneller Medien verkürzt die verfügbare Zeit sowohl für Recherche als auch für Reflexion. Beides ist kritischem Journalismus in all seinen Formen abträglich. Da Aufdecken arbeitsintensiv ist und inhaltliche und zeitliche Recherche-Freiräume für bezahlte JournalistInnen in der Krise schwinden, könnte Aufdeckungsjournalismus nur noch in Fällen erfolgen, wo mächtige politische Gegner jemand anpatzen wollen und JournalistInnen mit fertig recherchierten Stories versorgen, sich ihrer also als bloßes Sprachrohr bedienen. Vereinzelt könnten in Vorfeldmedien Tätige versuchen, in Eigenregie einen Aufdecker-Coup als Bewerbung für den Sprung in Major-Medien zu landen. ÜberzeugungstäterInnen in Gegenstimmen-Medien könnten solche Recherchen unbezahlt in Angriff nehmen, sofern die Eltern die Miete bezahlen. Auf breiter Ebene kann Aufdeckungsjournalismus in Indie-Medien jedoch kaum stattfinden. Erstens fehlt für aufwändige Recherchen schon in Major-Medien das Geld, in Indie-Medien umso mehr. Zweitens sind die Risiken latenter Klagsdrohungen durch sich geschädigt Fühlende für finanziell schwachbrüstige Indie-Medien existenzbedrohend. Vielleicht wird gesellschaftspolitisch relevanter Aufdeckungsjournalismus nur noch in Indie-Nischenmedien oder ausgewählten Majors stattfinden, wo Mäzene, beseelt vom public service-Gedanken, Recherche finanzieren, die nicht auf Sensation aus ist. International werden Projekte wie propublica.org als mögliche Vorbilder eines solchen Szenarios gehandelt. Frei aber gratis Eine organisatorische Reaktionsweise von Major-Medien auf die engeren ökonomischen Verhältnisse ist die Reduktion der Kernbelegschaft auf wenige RedakteurInnen, die das Einsammeln und Redigieren von „Content“ besorgen, dessen Erstellung an eine Masse an freien MitarbeiterInnen outgesourct wird. Laut Journalistenreport 2007 des Medienhaus Wien kommen in Österreich auf eine/n angestellte/n JournalistIn im Schnitt 1,6 „Freie“. Ein Vordringen dieses Organisationsmodell in Major-Medien würde sie in dieser Hinsicht den Indie-Medien angleichen. Die Erfahrung in Indie-Medien zeigt, dass es mit so einem Organisationsmodell meist nicht möglich ist, eine einheitliche Blattlinie zu halten. Es bietet folglich auch kleine Chancen für kritische JournalistInnen, bislang von eingeschworenen Redaktionsteams verkörperte strenge Blattlinien in Major-Medien mit kritischen Inhalten aufzusprengen. Eine andere Reaktionsweise von Major-Medien könnte das weitere Vordringen einer tayloristischen Logik im Journalismus sein, also der weiteren Ausbreitung bloß umgeschriebener Agenturmeldungs-Massenware. Allerdings ist das freilich nicht der Boden, auf dem kritischer Journalismus gedeiht. Auf die wachsende Konkurrenz versuchen Printmedien-Majors mit der Lancierung von Gratis-Printprodukten zu reagieren. Auch manche Indies fahren diesen Weg. Der Wegfall von Verkaufseinnahmen macht Werbeeinnahmen hier zur Hauptfinanzierungsquelle. Diese Finanzierungsstruktur unterwirft Inhalte einem verstärkten Druck zur Ausrichtung an den Interessen der InserentInnen, was gesellschaftskritischem Journalismus nicht zuträglich ist. Während die Geschäftsmodelle von Major-Medien (Finanzierung über Verkauf und Inserate) durch die Krise erschüttert werden, sind viele Indie-Medien nicht direkt davon betroffen. Vor allem Gegenstimmen-Medien, wie zum Beispiel MALMOE, arbeiten vielfach seit je her mit einer Mischkalkulation, einer Querfinanzierung über Nebenprojekte, Preise, Förderungen und Selbstausbeutung auf breiter Basis, die sie zwar meist prekär, aber vergleichsweise unabhängig macht vom Wohlwollen von Werbewirtschaft und LeserInnen. Wenn die Erosion des Geschäftsmodells zu qualitativen Einbrüchen bei Major-Medien führt, könnten stabil (unter)finanzierte Indie-Medien vergleichsweise an Attraktivität gewinnen, sofern sie vergleichbare Teilöffentlichkeiten abdecken. Kampf um Raum Mit dem Vordringen des neuen Vertriebskanals Internet werden die Karten neu gemischt, und es entstehen Fenster mit Chancen für neue Marktteilnehmer. Gegenstimmen-Indie-Medien waren schon immer gut im Kapern von Infrastrukturen und Vertriebsmodellen (siehe Kasten), insofern könnte die Neuordnung des Medienmarkts wieder entsprechende Gelegenheiten bieten. Aber was die Eigentümerschaft betrifft, ist das wahrscheinlichste Ergebnis, dass (Medien)konzerne ihre dominante Stellung in Bezug auf Öffentlichkeit behalten (auch wenn es zu Verschiebungen in der Zusammensetzung der Branche und ihrer Eigentümerschaft kommen mag, etwa dem Rückzug von profitorientierten Konglomeraten zugunsten von Selbstprofilierungs- und Propagandaverbreitungs-interessierten Tycoonen), weil sie auf das Auftauchen neuer Kanäle mit der Verbreitung des selben „Content“ über verschiedene Kanäle (Print, Web, TV etc.) reagieren. Auch gewinnen Portale und Aggregatoren (z.B. Google News) mit zunehmender Informationsflut an Bedeutung. Insofern bleibt die Hoffnung auf die neue Online-Vielfalt Utopie. Innerhalb von Major-Medien könnte die Stellung von gesellschaftskritischem Journalismus durch Entbündelung der Aufmerksamkeitsindikatoren unter Druck geraten: Dass es möglich ist, den Publikums-Erfolgs einzelner Online-Beiträge in Form von Zugriffszahlen und Kommentaren zu kontrollieren, wird kritische Inhalte, die den Gesetzen der Aufmerksamkeitssteigerung nicht genügen, in Major-Medien zunehmend unter Druck bringen. Die permanente Interaktion mit LeserInnen, die heute von JournalistInnen gefordert wird, die Unterwerfung unter ein beständiges Lesertribunal in Form der Kommentarfunktion unter Online-Artikeln, macht es mühsamer, gegen den Mainstream zu schwimmen. Für gesellschaftskritischen Journalismus beständig mit Gegenwind empörter UserInnen abgestraft zu werden, ist nicht immer sehr aufbauend. Andererseits: „viel Feind, viel Ehr“… (vgl. Artikel zu den Erfahrungen von diestandard.at in MALMOE 45). Als eine mögliche Strategie von Printmedien, auf den Umstand zu reagieren, dass sie im Nachrichtengeschäft vom schnelleren Medium Internet ausgebootet werden, gilt der Ausbau von Meinungs- und Analyse-Anteilen. In einem solchen Szenario würde sich für gesellschaftskritischen Journalismus wieder mehr Raum auch in Major-Medien eröffnen. Wer will das lesen? Doch auch wenn Journalismus ausreichend finanziert und publiziert würde – was hilft es, wenn sich LeserInnen immer weniger dafür interessieren? Vielleicht verliert Journalismus, ob kritisch oder nicht, seine zentrale Bedeutung ebenso wie Pop, und die Kämpfe um gesellschaftliche Hegemonie verlagern sich in andere Gefühlsindustrien. Das ist schmerzhaft für die AkteurInnen, die ins journalistische Feld investiert haben, aber für die gesellschaftliche Entwicklung womöglich egal. So wie vor vielen Jahren die Rede ging, dass HipHop das CNN für Schwarze sei, werden vielleicht die Computerspiele, Dschungelcamps und Webforen dieser Welt zu den zentralen Öffentlichkeiten, in denen die Kämpfe ausgetragen werden, die einst der Journalismus moderierte. Bis dahin bleibt es wichtig, Bastionen für Gegenstimmen aufrechtzuerhalten, um Kontinuität der Diskurse und Orientierung sowie Instrumente öffentlicher Intervention in einem volatilen Umfeld zu bewahren, in dem sich Lücken für gesellschaftskritischen Journalismus ebenso schnell schließen können wie sie sich auftun. ********************************** Indie-Medien Indie-Medien haben im Gegensatz zu Majors keine finanzkräftigen Verlagshäuser im Rücken. Indie zu sein, heißt aber nicht notwendigerweise in Opposition zu Major-Medien zu stehen. Drei Gruppen lassen sich unterscheiden: Vorfeld-Medien Vorfeld-Medien sind die kleinen Geschwister der Majors, sie fungieren als eine Art outgesourcte Talentschmiede und Ausbildungsstätte für Major-Medien sowie als Sprungbrett in bezahlte Jobs (in Österreich erfüllen Medien wie chilli, Datum, fm5, The Gap und andere eine solche Rolle). Mit der Einrichtung einer Fachhochschulausbildung für Journalismus in Österreich ist die Zahl der Leute, die Praktikumsplätze brauchen und bereit sind, für die Aussicht auf einen Job im Medienbereich auch mal gratis zu arbeiten, enorm gestiegen. Die Verlage machen sich das zunutze, indem sie schlechter zahlen und die praktische Ausbildung selbstgegründeten Medien überlassen, von denen sie dann selektiv abwerben oder Dinge übernehmen (aus Blogs, Twitter-Nachrichten und Leserbriefen vorlesen ist z.B. mittlerweile fixer Bestandteil der Berichterstattung in Major-Medien wie CNN). Nischenmedien Nischenmedien bedienen Spezialthemen und funktionieren als eine Art Exil für Inhalte, die im Mainstream nicht vorkommen. Was nicht notwendigerweise ein Dauerzustand sein muss: Immer wieder werden solche Nischen vom Kommerzbereich integriert, wenn sie als interessante Informationsquelle oder Zielgruppe erscheinen. Zum Beispiel findet sich die einst von neuen sozialen Bewegungen und ihren Alternativmedien hochgehaltene Authentizität und Betroffenheitsperspektive heute in Talkshows und im Augenzeugen-Journalismus. Feministischer und migrantischer Journalismus ist in Österreich auf ein Nischen-Dasein verbannt (was nicht zuletzt ihrem Gegenstimmen-Potenzial geschuldet ist), teilweise in Form eigenständiger Indie-Medien (an.schläge, AUF, biber, Bunte Zeitung etc.), teilweise als Nische in Major-Medien (vgl. diestandard.at sowie chilli.cc und die wöchentliche Migrations-Seite in der Presse). Umgekehrt werden Nischen bei anderer Gelegenheit auch wieder outgesourct (was etwa Bereichen des Kulturjournalismus nach der Medienkrise 2002 passierte, die aus den Feuilletons der Majors in die Indie-Selbständigkeit in Form eigener Magazine getrieben wurden, vgl. Fleisch). Gegenstimmen-Medien Indie-Medien, die sich als Forum für Gegenstimmen verstehen, gehen mit einem politischen Zugang an ihre Arbeit heran. Sie setzen sich andere Qualitätskriterien, wie Gabi Horak im Reader zum 25-ährigen an.schläge-Jubiläum anhand von feministischen Medien hervorstreicht: Spezialisierung auf ausgeblendete Themen, Selbstverständnis als Forum zur Selbstverständigung einer Szene, offen parteiliche Betrachtungsweise, Kontextualisierung von Themen in gesellschaftlichen Verhältnissen mit dem Ziel von Gesellschaftskritik. Ihre Organisations- und Arbeitsweise unterscheidet sich ebenfalls von kommerziellen Medien: Meist wird unbezahlte Arbeit geleistet, die als Aktivismus und nicht als „Job“ definiert wird. Es wird im Kollektiv gearbeitet, oft mit (zumindest formal) hierarchiefreien Entscheidungsstrukturen und selbstorganisierter Vertriebsweise. Was die Finanzierung betrifft, konstatierten wir in der MALMOE-Ausgabe 25, „dass gesellschaftskritische Medien einer gewissen Größe in Österreich zur Zeit vorwiegend Projekte sind, die irgendeine Institution „gekapert“ haben oder auf einem institutionellen Ticket geschickt Trittbrett fahren: Die Zeitungen der linken ÖH, Obdachlosenzeitungen wie Augustin und Die Bunte Zeitung in Wien, 20er in Innsbruck und seit neuestem auch Moment (Zeitschrift von SOS Mitmensch) sind politische Medienprojekte, die Dank einer tragenden Infrastruktur bzw. einer geschickten Vertriebsidee auf hohe Verbreitung kommen, die unter anderen Umständen für diese Inhalte nicht zu erreichen wären. Um journalistische Freiräume zu schaffen, ist Einfallsreichtum mehr denn je gefragt. ********************************** online seit 18.03.2009 10:56:54 (Printausgabe 45) autorIn und feedback : BW |
|
Der rosarote Panther MALMOE-Farbenlehre Rosa VII [20.04.2013,pp] Pinkstinks MALMOE-Farbenlehre Rosa I [11.04.2013,star] Für immer … Mein Handy klingelt, es meldet sich eine mir unbekannte Stimme und sagt: Hallo, Weinmann hier. Heute Morgen ist meine Schwester gestorben … [01.04.2013,Sue* Möllers] die nächsten 3 Einträge ... |
|||
![]() |