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  Von neuen und rechten Vätern

Die FPÖ hat den Vater als Zielgruppe entdeckt. Hinter der Parteinahme für Männer steckt der Angriff auf die Dekonstruktion der Geschlechter

Der „Vater“ ist in aller Munde: In Medien und Politik wird an seiner neuen Form gebastelt - dem Mann, der freiwillig und vielleicht sogar Karriereeinbußen in Kauf nehmend Kinderbetreuungspflichten übernimmt, der eine lebenslange Bindung zum eigenen Kind aufbaut und damit natürlich auch Frauen aus der alleinigen Erziehungsverantwortung entlässt. Das Ziel der politischen Mitte ist eine neue Aufteilung der Betreuungspflichten, zweifelhaft bleibt, wie die Wirtschaft und nicht zuletzt die Männer selbst dabei mitspielen. Doch nicht nur Grüne, SPÖ und ÖVP nehmen sich des Vaters an, sondern auch die Rechten. Dies freilich unter radikaleren Vorzeichen, nämlich indem sie eine Art Generalverschwörung gegen die getrennten Väter konstruieren: Das „mutterfreundliche Familienrecht“, die „Furien im Richtertalar“ und die „maßlosen Unterhaltsforderungen“ werden als Gründe dafür angegeben, weshalb Väter ins familiäre Abseits und – vielleicht noch schlimmer - in den finanziellen Ruin getrieben würden. Die FPÖ hat sich in den letzten Jahren daran gemacht, jene enttäuschten und vom Rechtssystem zurückgewiesenen Väterexemplare um sich zu scharen und zu einer neuen „Väterrechtsbewegung“ zu formieren. Im Frühling dieses Jahres demonstrierten sie erstmals stimmgewaltig und mit Unterstützung des damaligen FPÖ-Gleichstellungssprechers Karl-Heinz Klement vor dem Wiener Parlament mit dem Ziel, in der geplanten Familienrechtsnovelle eine Änderung im Besuchsrecht und in Unterhaltsfragen zu erreichen.

Aktive Vaterschaft

Auf bizarre Weise überschneiden sich die Zielrichtungen der Parteien der Mitte und der Rechten zum Thema Vater: Beide geben vor, eine bessere Einbindung von Männern in den Erziehungsprozess zu wünschen. Bei näherer Betrachtung der Forderungen der VäterrechtlerInnen (ja, auch Frauen sind unter ihnen!) wird jedoch schnell klar, dass hier nicht traditionelle Rollenbilder verändert werden sollen, sondern lediglich für getrennte Väter eventuell unangenehme Regelungen bei Besuchsrecht und Unterhalt. So fordern die VäterrechtlerInnen zum Bespiel Sanktionen bei Besuchsrechtsverletzungen gegen den anderen Elternteil, aber auch die Straffung der Obsorge- und Besuchsrechtsverfahren, die sich zum Teil jahrelang hinziehen können. Die von der FPÖ vehement geforderte Einführung der gemeinsamen Obsorge als „gesetzlichen Grundtatbestand“ ist insofern fragwürdig, als die gemeinsame Obsorge bereits seit 2001 in Österreich besteht. Grundsätzlich wird bei Scheidungen also die gemeinsame Obsorge ausgesprochen, nur im Fall, dass sich die Parteien nicht auf einen hauptsächlichen Wohnsitz des Nachwuchses einigen können, entscheidet das Gericht. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, dass eines der Elternteile aus triftigen Gründen die alleinige Obsorge beantragt. Bei unehelichen Kindern muss um gemeinsame Obsorge weiterhin extra angesucht werden. Wichtiges Anliegen der VäterrechtlerInnen sind zudem die Unterhaltszahlungen, die mit Slogans wie „Warum soll ich zahlen, wenn ich mein Kind nicht sehen darf?“ grundsätzlich in Frage gestellt werden. Eine „Rechnungslegung“ soll Klarheit über den Verbleib der Alimente geben. Der Familienrechtsexperte Günther Tews kritisiert, dass Väter in Unterhaltsfragen theoretisch bis auf 75 Prozent des Existenzminimums gepfändet werden können.

Das Bild vom abgezockten Vater verblasst allerdings mit Blick auf die Realität. Zahlen zum Unterhaltsvorschuss, den der Staat zudem nur bei Aussicht auf Rückholung vom getrennten Elternteil vorschießt, zeigen, dass es um die Zahlungsmoral der Väter nicht zum Besten bestellt ist: Über 20 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden sind auf den staatlichen Vorschuss angewiesen. Auch der Vorwurf der VäterrechtlerInnen, Mütter und Gerichte seien indirekt für die hohe Zahl der Kontaktabbrüche zwischen getrennten Vätern und Kindern verantwortlich, weil Verletzungen des Besuchsrechts des getrennten Elternteils von den Behörden zu wenig geahndet werden, steht auf einer fragwürdigen empirischen Basis. Bei der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende sind die BetreuerInnen nämlich in der Mehrheit mit Müttern konfrontiert, die nicht wissen, wie sie mit dem schnell einsetzenden Desinteresse des getrennten Vaters umgehen sollen.

Zur Begründung für die jeweilige Position in der Causa Elternrechte wird von allen Seiten das „Wohl des Kindes“ ins Treffen geführt. Dies kann als Grund dafür gesehen werden, warum die Forderungen nach polizeilicher Durchsetzung von „Väterrechten“ bisher nicht auf großen Anklang gestoßen sind – schließlich lässt sich die Zwangsbegegnung zwischen Vater und Kind nicht so recht mit dem Bild einer glücklichen Kindheit vereinbaren.

Feindbild Gender

Dass die VäterrechtlerInnen hauptsächlich um die Verbesserung ihrer eigenen Position kämpfen wird noch durchschaubarer, wenn der ideologische Kontext ihrer Forderungen genauer betrachtet wird: Ihre Rechtsvorstellungen sind eingebettet in der Aufrechterhaltung eines traditionellen, patriarchalen Status-Quo, der den Vater als Familienoberhaupt einsetzt, und die Frauen in Erfüllung ihrer „natürlichen“ Rolle als Hausfrau und Mutter, jedenfalls als abhängiges Wesen, zementiert. Nachgelesen werden kann dies auf den einschlägigen Webseiten wie „trennungsopfer.at“ oder „genderwahn.com“, wo sich seit Jahren Empörung gegenüber der sogenannten „Genderideologie“ breitmacht und konzertiert. Hinter diesem Schlagwort verstecken sich zwei Bedeutungen: Zum einen wird von den Rechten damit die vorgestellte Parteinahme für Frauen beispielsweise im Familienrecht kritisiert. Frauen würden in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen „dominant“ ihre Interessen durchsetzen, lautet der Vorwurf in der ersten Leseweise. In zweiter Linie steht die „Genderideologie“ für die angeblich von höchster politischer Stelle forcierte „Auflösung der Geschlechter“. Das „Gender“-Konzept ist den Rechten vor allem deshalb ein Dorn im Auge, weil damit das biologische Geschlecht, und damit als natürlich verstandene Rollenaufteilungen der Geschlechter in frage gestellt werden. Der Beitrag des Vaters zur Erziehung der Kinder liege genau darin, solche klassischen Geschlechterrollen innerhalb der Familie zu repräsentieren und zu vermitteln. Ohne Väter, die die „Scheidungsindustrie“ (eine weitere sinnstiftende Wortkonstruktion der Rechten) vor die Türe setzt, stehe also die Zukunft der traditionellen Familie auf wackeligen Beinen.

All diese Angriffe gegenüber „Gender“ als elitärer politischer Strategie zum Zwecke der Geschlechterauflösung finden sich auch im neuen Buch der langjährigen FPÖ-Nationalratsabgeordneten Barbara Rosenkranz. In „MenschInnen“, einem Buch über die politische Strategie Gender Mainstreaming, präzisiert die rechte Ideologin noch einmal den theoretischen und ideologischen Unterbau rechter Forderungen im Hinblick auf das Familienrecht, reproduktive Rechte, zu Bildung und Pädagogik sowie homosexuellen Lebensweisen. Nichts weniger als Familie, Tradition und Vaterland stehen für die Rechten durch „Gender“ auf dem Spiel.
Nun könnte sich die Öffentlichkeit darüber wundern, dass die FPÖ an anderer Stelle sehr wohl die Forderungen von Gender Mainstreaming in der politischen Debatte vertritt. So brach etwa FPÖ-Abgeordnete und Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein bei der vom ORF organisierten rein weiblichen Diskussionsrunde zur letzten Nationalratswahl eine erstaunlich gut informierte Lanze für den Gender Mainstreaming-Ansatz. Daran wird ersichtlich, wie leicht es das Label „Gender Mainstreaming“ macht, sich als Befürworterin von Gleichstellungspolitiken darzustellen, ohne begründen zu müssen, was sie oder er eigentlich genau darunter versteht. Die zunehmendeVerbreitung und Institutionalisierung feministischer Forderungen durch Gender Mainstreaming als gleichstellungspolitische Strategie hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass sie der Verschleierung des offensichtlich antifeministischen Ansatzes der FPÖ nützlich ist. Ein Erklärungsansatz für den widersprüchlichen Umgang mit Gender Mainstreaming innerhalb der FPÖ könnte sein, dass nur noch Rechtsaußenposten wie Barbara Rosenkranz hinter Gender Mainstreaming „bedrohliche“ Inhalte vermuten, während ihn modernisierte Rechte längst als entleerten Begriff erkannt haben, der nach Belieben angeeignet und umgedeutet werden kann.



online seit 22.01.2009 10:30:18 (Printausgabe 44)
autorIn und feedback : Ina Freudenschuß


Links zum Artikel:
www.malmoe.org/artikel/top/1749MALMOE-Schwerpunkt "Wir nennen es rechtsextrem"



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