menueleiste1
home archiv suche messageboard abo hier gibts malmoe feedback alltag verdienen regieren widersprechen funktionieren tanzen erlebnispark
Der Hund im Freiraum

Punks und ihre Haustiere

Zum sozialen Status der AnhängerInnen der Jugendsubkultur Punk gehören neben dem strengen Dresscode aus Stiefeln, engen Hosen, Kaputzenpullovern und gefärbten Haaren auch der Besitz von Haustieren. So wie Jungmanager gerne mit ihrem Elektronik-Schnickschnack in der Sushi-Bar hantieren, zeigen die Punks gerne ihre Hunde in der Öffentlichkeit. Auch Ratten und Mäuse werden häufig als lebendes Modeaccessoire verwendet. Der Besitz von Hunden wird in dieser Szene mit zwei Argumenten rationalisiert: einerseits erhöht der Besitz eines Hundes das Einkommen des Punks beim Betteln, denn die meisten PassantInnen geben eher Geld aus Mitleid mit dem Hund. Andererseits ist ein Hund ein guter Schutz vor faschistischen und sexistischen Übergriffen am nächtlichen Heimweg, denen Punks dresscode-bedingt vermehrt ausgesetzt sind.

Doch die Hegemonie des Hundes gerät ins Wanken. Einige KonzertveranstalterInnen schließen Hunde aus, weil das sensible Hundeohr einfach nicht für laute Tekkno- und Punk/Hardcore-Musik geschaffen worden ist. Stampfende Menschenmassen, zerbrochene Bierflaschen, Zigarettenstummeln und Erbrochenes können dem geliebten Wauwau ebenso zusetzen wie die laute Musik. Sogar das besetzte Hundebiotop Ernst-Kirchweger-Haus in Favoriten bewirbt heuer das jährliche Haus- und Hoffest anfang Juli mit dem Zusatz: Laßt eure Haustiere zu Hause.

Doch genauso wie in der durchschnittlich-spießigen, hundebesitzenden Stadtbevölkerung wo jede noch so kleine Grünfläche quasi naturrechtlich als Hundeklo vereinnahmt wird, das Leinen- und Maulkorbgebot ignoriert wird und es als Zumutung empfunden wird, die Hundeexkremente geeignet zu entsorgen, gibt es in der Punkszene nur wenig Verständnis für derartig repressive Maßnahmen. So werden einschlägige Lokalitäten wohl auch weitherin neben dem billigen Bier mit dem obligatorischen Hundehaar auf jeder Couch beglücken.

Selbstverwaltete Freiräume haben den Anspruch möglichst niederschwellig für alle Bevölkerungsgruppen offen zu sein. Ausdrücklich gehören dazu sozial und ökonomisch benachteiligte Menschen, die anderswo durch Eintrittsgelder, Konsumzwang oder Polizeischikanen vertrieben werden und die aus oben genannten Gründen manchmal Hunde besitzen. Die Toleranz und Offenheit gegenüber HundebesitzerInnen trifft hier auf die Interessen einer ganzen Reihe von anderen Gruppen: Eltern, die ihre Kinder legitimerweise vor Flöhen, Hundespeichel und Hundebissen schützen wollen, Personen mit Hundephobien oder einfach Menschen, die einer geregelten Lohnarbeit nachgehen und ihre dafür notwendigen Business-Kostüme beim Afterwork-Bier nicht jedesmal versauen wollen, und daher solche Räume meiden. Die BetreiberInnen von selbstorganisierten Freiräumen müssen also eine anscheinend kompromisslose konzeptuelle Entscheidung treffen: entweder werden Punks mit ihren Hunden akzeptiert oder der Freiraum ist auch für die Mehrheitsbevölkerung jenseits der Subkultur offen. Beide Arten von Freiräumen sind notwendig.




online seit 18.09.2008 14:42:23 (Printausgabe 42)
autorIn und feedback : Karl Neumayer


Links zum Artikel:
www.malmoe.org/artikel/top/1658MALMOE-Dossier "Tiere, Repression und Emotionskapitalismus"



Linz in Kisten

Kulturprojekte und Vergangenheit
[28.11.2008,Katharina Morawek]


Kulturstadt Flavour

Linz wird Europäische Kulturhauptstadt 2009. Wie es soweit kommen konnte? Bitte weiterlesen.
[24.10.2008,Franziska Dobuševa]


MALMOE #43 sticht in See

Aktuelle Nummer und stürmischer Party-Hinweis!
[07.10.2008]


die nächsten 3 Einträge ...
 
menueleiste2
impressum kontakt about malmoe newsletter links mediadaten