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MALMOEs EM-Tabellenführung Spiel 26: "Warum es eben nicht nur ein Spiel ist" und Spiel 27: "In der Matrix" Spiel 26: Warum es eben nicht nur ein Spiel ist Tabellenführerin: Sylvia Köchl Aufwärmen: Zwei kroatische Fans besteigen am Wiener Stephansplatz den Schriftzug der altehrwürdigen Aida-Konditorei und schwenken lachend ihre Fahnen – wo ist denn Bezirksvorsteherin Stenzel, wenn man sie einmal braucht? Spiel: Kroatien – Türkei in Wien („Wiener Derby“) Sender: ARD – einfach zivilisierter Verpflegung: Da es fies wäre, jetzt beim türkischen Lieblingslokal die Zustellung eines köstlichen Adana-Kebabs zu ordern, schnell noch Spaghetti mit Tomatensauce gekocht. Persönlicher Favorit: Türkei Tipp: trotzdem 3:2 Pause: 1 Bier aufgemacht und zum ORF gewechselt – die Berichte aus den echten Fanzonen abseits der (nicht ausgelasteten) offiziellen Fanzonen sind entzückend, außerdem nervt es, das Spiel nur unter dem Motto „Wer könnte gegen die Deutschen spielen?“ zu sehen. Kabinenpredigt: Türken! Hab ich das richtig gesehen, dass 9 von euch schon eine gelbe Karte haben?! Bitte reißt euch zusammen, sonst habt ihr im Halbfinale keine Leute mehr! Schönster Mann am Platz: der alte Rüstü, einer der wenigen übrig gebliebenen Langhaarigen, der auch ansonsten einen Hauch Old School-Fußball mitbringt Bester Mann am Platz (und auch bei den deutschsprachigen Interviews): Hamit Altintop Schlechtester Mann am Platz: kann ich so gar nicht sagen Nervigster Mann am Platz: Hickersberger, der den Türken wenig Chancen einräumt, die Deutschen zu besiegen Schönste Szene: natürlich der türkische Ausgleichstreffer in der 119. Minute, kurz nach der kroatischen Führung in der 118. Minute Bitterste Szene: die 3 vergebenen Elfmeter der Kroaten Lustigste Szene: Seit die Kroaten nach der Pause bemerkt haben, dass Rüstü nicht der sicherste Ballspieler ist und außerdem ständig relativ sinnlos auf Zeit spielt, rast jedesmal, wenn er am Ball ist, ein Kroate auf ihn zu. Männlichste Szene: Spielt sich nach dem Sieg der Türken ab: Rüstü umarmt einen weinenden Kroaten nach dem anderen. Stimmung: dazu hätte Co-Trainerin Daniela Koweindl mehr zu sagen, die das Spiel richtigerweise am Ottakringer Brunnenmarkt gesehen hat... Randnotiz: Es gibt ja tatsächlich Leute, die behaupten, Fußball sei nur ein Spiel. Schon allein angesichts des Strache-Sagers eines türkischen Fans ist klar, dass dieses „Spiel“ vielmehr kathartische Effekte erzeugt, d.h. es hilft, ansonsten „unerlaubte“ Gefühle in einem „ungefährlichen“ Kontext zu äußern. In einer etwas perfekteren Welt bräuchten wir dafür natürlich keine 2x11 Freunde, die dem Ball nachjagen, nein, denn dann könnten z.B. alle wählen und sich wählen lassen und selbst Politik machen, niemand würde sein Leben lang „Gastarbeiter“ oder schlimmeres genannt werden usw. usf. Und dann würden Kroaten und Türken in Wien auch nicht gegeneinander, sondern mit- und füreinander kämpfen – oder zumindest in einem gemeinsamen Team die Ösis eintunken im most beautiful game... Bummerl: dem nationalistischen Getöse beider Teamchefs vor dem Spiel – wenn auch ebenso Teil des „Spiels“, mir doch zu humorlos Zuckerl: Das aktuelle „profil“-Interview mit Strache, das in der bereits erwähnten Causa des Strache-Sagers Aufklärung verschafft. Allen Ernstes spricht Strache davon, dass es sich bei der EM um eine Verschwörung handelt, denn „durch die Teilnahme der Türkei an der EURO 2008 soll deren EU-Beitritt vorweggenommen werden.“ Es handle sich dabei um ein „Muster“, denn auch z.B. mittels des Eurovision-Songcontests solle „den Europäern auf Dauer beigebracht werden, dass die EU ein euro-asiatisch-afrikanisches Projekt werden soll.“ Natürlich kann er hier nicht offen sagen, wer genau mit welchen Interessen denn hinter dieser Verschwörung steckt, impliziert aber deutlich, dass Europa durch den seiner Meinung nach ebenfalls drohenden EU-Beitritt Israels „in den Nahostkonflikt hineingezogen werden und diesen auch bezahlen“ soll. Zitat: „Beide spielen sehr vernünftig“, so der deutsche Kommentator erstaunt. Vernunft ist offenbar das Letzte, was man sich von den beiden allseits als „heißblütig“ titulierten Teams erwartet hätte. Ergebnis: 0:0 – in der Verlängerung 1:1 – im Elferschießen dann 1:3 Nachspiel: In die Liveberichterstattung von ORF und anderen Sendern vom Brunnenmarkt schummeln sich einmal mehr GenossInnen mit „Bleiberecht für alle“-Fähnchen vor die Kameras. E-Mail: Sehr geehrte Frau Bezirksvorsteherin Stenzel! Denken Sie nach den Szenen rund um das Spiel Kroatien-Türkei, die sich auf Ihrem schönen Stephansplatz abgespielt haben, jetzt endlich ernsthaft darüber nach, den ersten Bezirk abends zuzusperren? Es wäre höchste Zeit! Mit aufmunternden Grüßen Ihre Sylvia Köchl Versendet an: ursula.stenzel@wien.oevp.at Spiel 26: Street Party! Gast-Tabellenführerin: Daniela Koweindl Aufwärmen: Vorbericht im ORF ansehen. Spieler googeln. Snacks vorbereiten. Und dann doch anders: ins CI http://www.cic.at.tf/ am Yppenplatz! Also, alles liegen und stehen lassen, ab nach Ottakring. Spiel: Türkei – Kroatien, in Wien Sender: ORF Verpflegung: Gösser und „Sanddornsaft-Gummibärchen“ (Danke, Eva!) Persönlicher Favorit: Türkiye Tipp: 5:4 beim Elferschießen nach einem nervenaufreibenden 0:0 Pause: Kurz hinaus auf den Yppenplatz und frische Luft schnappen. Nein, public viewing im Freien ist keine Alternative. Die Sichtverhältnisse zum TV sind im heißen, verrauchten Hinterzimmer besser. Kabinenpredigt: An die türkische Mannschaft: Bitte, bitte schont meine Nerven und schießt die Tore nicht erst wieder in der letzten Viertelstunde! Bester Mann am Platz: Rüstü Recber – abgesehen von einem fatalen Fehler… Schönste Szene: Der Ausgleich zum 1:1 – was sonst!?!!?? Bitterste Szene: Schuss von Ivica Olic an die Latte und: Ich bin doch glatt in kraotischem Fan-Terrain gelandet! Oder sind die Kroatien-Fans schlicht die einzigen, die wenigstens gelegentlich Anlass für einen Aufschrei haben? Lustigste Szene: Nach ebendiesem Schuss an die Latte: Aufschrei und Jubel im CI – bis klar ist, dass sich das Netz nicht deshalb bewegt hat, weil der Ball im Tor gelandet ist. Weiterhin: 0:0. Stimmung: Blendend! Während in der regulären Spielzeit um mich herum Kroatienfans dominieren und u.a. Slavko Ninić lautstark sein Team anfeuert (Hrvatska! Hrvatska!), ändern sich ab der Nachspielzeit die Fan-Verhältnisse. Keine Ahnung, wer nun lauter brüllt. Bummerl: Zu wenig Platz für Fahrräder am Yppenplatz. Weil ich ewig nichts und wirklich nichts finde, wo ich mein Fahrrad abstellen kann, verpasse ich die ersten fünf Minuten. (Auf den letzten Metern der Schellhammergasse zum Yppenplatz parken die Autos auch schon in Dreierreihe.) Zuckerl: Die Chance auf ein EM-Finale Türkei – Russland bleibt!! Juhu! Ergebnis: Wow, Türkei zieht tatsächlich ins Halbfinale! Nachspiel: Street Party! Und die Polizei will mittanzen. Während Türkei- und Kroatienfans quer über den Yppenplatz verstreut das Spiel verfolgt haben, kommt die Polizei später auf die Idee, eine Straßensperre vom Yppenplatz zum Brunnenmarkt einzurichten und beschließt, Kroatienfans nur mehr nördlich und Türkei-Fans südlich davon zu dulden: „Nau de loss ma jez oba nimma durch.“ Und wer einfach bleibt, wo sie/er ist, gilt wohl als SaboteurIn dieses „Sicherheitskonzepts“? Blaulicht und Sirenen gehen im Fantrubel unter. Irgendwann steht der Verkehr am Gürtel still. Rasende Polizeiautos werden zum Sicherheitsrisiko auf dem Gürtelradweg. Um 2 Uhr Früh höre ich auch bei mir im 8. Bezirk noch immer einen Hubschrauber kreisen. Spiel 27: In der Matrix Tabellenführerin: Sylvia Köchl Aufwärmen: In Klaus Theweleit’s Buch "Tor zur Welt" nochmal nachgelesen, warum nur die Holländer den modernen Fußball erfinden konnten. „Der holländische Raum ist anders, überschreibt David Winner sein Kapitel über die Bedingungen verschiedener Arten von Raumgefühl. Laut Winner lassen sich sowohl die holländische Fußballrevolution wie auch die Grundzüge der holländischen Malerei von Vermeer bis Mondrian aus Besonderheiten des holländischen Raumgefühls herleiten, wie sie sich im Lauf der Jahrhunderte aus der künstlichen Herstellung Hollands ergeben haben.“ (S. 86) Spiel: Niederlande – Russland in Basel Sender: ZDF Verpflegung: wieder kein Wodka Persönlicher Favorit: eindeutig beide – dieses Spiel wäre mein Traumfinale gewesen Tipp: 2:1 Pause: Es gab da in der ersten Hälfte eine sehr knappe Torszene der Holländer, bei der ich dermaßen erschrocken bin, dass ich in diesem Moment wusste, für wen mein Herz wirklich schlägt. Kabinenpredigt: Trotzdem an alle! Bitte ein Tor! Schönster Mann am Platz: Robin van Persie Bester Mann am Platz: eh alle Schlechtester Mann am Platz: no na keiner Nervigster Mann am Platz: van Nistelrooy – 88 Minuten lang tut er nichts, um dann dieses Tor zu schießen Schönste Szene: die Tore, aber auch vieles mehr, denn so schlecht, wie die Kommentatoren tun, ist das Spiel ja nicht Bitterste Szene: eine 100-prozentige Chance der Russen, bei der sie wohl wissen wollen, wie lange sie den Ball im gegnerischen 16er halten können... Lustigste Szene: gelbe Karte, rote Karte, nein, doch nicht – sowas hab ich noch nie gesehen! Männlichste Szene: werden wir noch ein paar Mal sehen: die Tränen der Verlierer Stimmung: konzentriert Randnotiz: Da gibt es diese Szene in „Matrix“, in der ein junger Bub einen Löffel verbiegt. Neo ist verwundert. „Versuche nicht, den Löffel zu verbiegen“, erklärt der Bub, „denn das ist nicht möglich... Du wirst sehen, dass nicht der Löffel sich biegt, sondern du selbst.“ Genau so haben die Niederländer bis heute gespielt. Aber was passiert, wenn beide Teams nicht den Ball, sondern sich selbst, oder genauer gesagt: den Raum verbiegen? Das, was wir heute gesehen haben. Zuckerl: Russland-Trainer Guus Hinddink, der feststellt, er kenne weder den Text der russischen noch jenen der holländischen Hymne Zitat: „Wenn wir verlieren, helfen wir zu Russland und sind auf jeden Fall gegen Deutschland.“ (NL-Fan in Basel) Ergebnis: 1:1 und 1:3 nach der Verlängerung Nachspiel: Bei den beiden letzten Toren der Russen ertönen Jubelrufe aus dem Lokal des türkischen Kulturclubs vorn an der Ecke und begeisterte Leute hüpfen auf die Straße heraus – entweder ist der Club gar nicht so türkisch, wie er aussieht, oder es wird jetzt jeder Sieg Ost & Süd gegen West gefeiert... E-Mail: keines notwendig online seit 23.06.2008 10:32:26 autorIn und feedback : alltag |
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Worte statt Torte Das vom Linzer Verein maiz für das Kulturprogramm von Linz09 entwickelte Projekt “Linz in Torten” wurde vor wenigen Wochen von den Linz09-Verantwortlichen zum Kippen gebracht. [23.12.2008] Eine Reportage ...vom Tag der Freien Medien in der Fluc-Wanne [11.12.2008,Ingo Lauggas] Das österreichische Haus Alltag und Rechtsdrift [10.12.2008] die nächsten 3 Einträge ... |
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